NFL: Coin Toss: Vorhang auf für Petersons Heimkehr

Week 1 endet traditionell mit zwei Primetime-Spielen am Montagabend, dieses Mal gibt es zwei Kracher: Los geht's in Minnesota, wo direkt Adrian Petersons Rückkehr an die alte Wirkungsstätte ansteht. Können die Saints die Vikings-Defense bezwingen? Anschließend steht ein Division-Duell auf dem Programm, die Denver Broncos empfangen die Los Angeles Chargers. Im SPOX -Coin-Toss diskutiert Redakteur Adrian Franke mit den mySPOX-Usern Butfumlbe93 und SoEinSatansbraten . Beide Spiele werden live auf DAZN übertragen.

Week 1 endet traditionell mit zwei Primetime-Spielen am Montagabend, dieses Mal gibt es zwei Kracher: Los geht's in Minnesota, wo direkt Adrian Petersons Rückkehr an die alte Wirkungsstätte ansteht. Können die Saints die Vikings-Defense bezwingen? Anschließend steht ein Division-Duell auf dem Programm, die Denver Broncos empfangen die Los Angeles Chargers. Im SPOX-Coin-Toss diskutiert Redakteur Adrian Franke mit den mySPOX-Usern Butfumlbe93 und SoEinSatansbraten. Beide Spiele werden übertragen.

Seite 1: Minnesota Vikings vs. New Orleans Saints

Minnesota Vikings (0-0) - New Orleans Saints (0-0) (Di., 1.10 Uhr )

mySPOX-User Butfumlbe93: Zwei Wörter versprechen den Vikings einen erfolgreichen Saisonstart: Front Six. Besonders die beiden Defensive Ends Everson Griffen und Danielle Hunter können schnell zum Problem für die Offensive Line der Saints werden, welche letztes Jahr zwar zur absoluten Elite der Liga gehörte (laut Football Outsiders Rang 1 im Run und Rang 5 im Passing Game), aber auch den Ausfall von Left Tackle Terron Armstead verkraften muss.

Kann Rookie Ryan Ramczyk in seinem ersten NFL-Spiel trotz des Drucks einer Primetime-Partie auswärts gegen die Edge-Rusher bestehen? Und wie wirkt sich die lange Abwesenheit in der Vorbereitung von Center Max Unger auf das Duell mit Nose Tackle Linval Joseph aus? Zwei Aspekte, welche das Duell an der Line beeinflussen werden.

Natürlich, hinter der Line steht mit Drew Brees ein ganz Großer seines Faches, doch das Matchup seiner Receiver kann ihm nicht gefallen. Corner Xavier Rhodes spielte sich in der letzten Saison endlich auch medial in den Vordergrund. Er wird wohl hauptsächlich gegen Michael Thomas agieren, was ein sehr physisches Duell verspricht.

Auf der anderen Seite läuft Trae Waynes auf und der 25-jährige muss nach Jahren als Backup liefern, sonst könnte der ehemalige Erstrunden-Pick schnell als Bust abgestempelt werden. Vorteil für Waynes: Durch den Ausfall von Willie Snead wird Ted Ginn sein Counterpart werden. Ein Matchup, das wie geschaffen für den Viking zu sein scheint. So hat Ginn zwar noch immer eine unglaubliche vertikale Geschwindigkeit, ist aber kein physischer Receiver und besticht weder im Route-Running noch mit sicheren Händen.

Macht Dalvin Cook den Unterschied aus?

In der Offense startet nach dem Cut von Alex Boone eine Offensive Line, die keinen Snap in der Preseason zusammen gespielt hat. Durch die Neu-Wikinger Reiff, Elflein und Remmers besteht die Hoffnung, dass sich die Line vom Bodensatz im Mittelfeld etablieren kann.

Das gilt auch für das Run Game, in dem Rookie Dalvin Cook den Löwenanteil der Carries erhalten wird. Cooks Vision und Route-Running sind ausgezeichnet, sodass mit ihm auch verstärkt als Receiver und in Screen-Plays zu rechnen zu sein wird. So unberechenbar dieses Vikings-Team auch sein mag, Sam Bradford bleibt Sam Bradford. Die Offense bleibt stark West-Coast orientiert, mit kurzen Pässen, auf wenig Risiko und viel Yards nach dem Catch ausgerichtet.

Bradfords schnelle Pässe und besonders sein schneller Release werden der Schlüssel sein, um gegen einen in der Vorbereitung überraschend starken Saints-Pass-Rush zu bestehen. Die Saints sind aufgrund schwacher Cover-Linebacker auf eben diesen kurzen Routes zu schlagen, sodass in der Offense das Scheme einen Vorteil birgt.

Auf der defensiven Seite gewinnen die Vikings schlicht zu viele direkte Duelle, in der Offense hilft das Scheme, darum gehen die Nordmänner am Montag als Sieger vom Platz.

Adrian Franke (SPOX): Ich hatte mich schon gefragt, ob du ihn noch ansprichst - ganz am Ende aber kam der Pass-Rush der Saints doch noch. Über Jahre hinweg konnte man New Orleans' Defense mehr oder weniger zu Saisonbeginn in einer Schublade einordnen und da auch drin lassen. Die trug die Aufschrift: "Wir wollen aggressiv sein, haben aber nicht die Secondary dazu." Viele wirkungslose Blitze und viele gegnerische Big Plays waren so die Folge, was zu hohen zugelassenen Yards-Zahlen genau wie vielen gegnerischen Punkten führte.

Die Preseason aber hat tatsächlich den Eindruck hinterlassen, als könnte die Front um Cam Jordan, Sheldon Rankins, Alex Okafor und Drittrunden-Pick Trey Hendrickson endlich einmal für einen vernünftigen Pass-Rush sorgen. Dann könnten auch die Blitz-Pakete ein wenig zurückgefahren werden. Ich prognostiziere der Defense in diesem Jahr wirklich einmal einen Schritt in die richtige Richtung, und die neu zusammengestellte Offensive Line der Vikings ist dafür der ideale Gegner zum Start.

Sicher, Minnesotas Investitionen hier werden sich auszahlen, insbesondere wenn man an die desolate Line der vergangenen Saison denkt. Aber das wird noch Zeit brauchen, und Bradford sah in der Preseason auch längst nicht immer gut aus. Daher tippe ich auf eine überraschend starke Saints-Defense, die Minnesotas Line große Probleme bereitet und in der Secondary mit Erstrunden-Pick Marshon Lattimore ebenfalls stabiler fungieren wird. Die Linebacker in Coverage sehe ich allerdings auch als das größte Problem.

Adrian Petersons Rückkehr nach Minnesota

Und offensiv? Ja, Minnesotas Front sollte auch 2017 zur absoluten Liga-Spitze gehören und in der Secondary lässt sich diese Aussage auch über das Duo Harrison Smith/Xavier Rhodes sagen. Und ich stimme dir zu, das Duell der Vikings-Front gegen die Offensive Line der Saints wird einen maßgeblichen Effekt auf den Ausgang dieses Spiels haben. Allerdings sehe ich zumindest in der Interior Line - Unger trainiert ja schon seit einigen Tagen wieder mit und hat das letzte Preseason-Spiel bestritten - keinen allzu großen Grund zur Sorge.

Drew Brees wird Lücken in der Secondary finden, angesichts des guten Pass-Rushs rechne ich mit mehr kurzen Pässen. Rookie Alvin Kamara könnte hier direkt eine größere Rolle erhalten und Minnesota im Passspiel ernsthafte Probleme bereiten.

Aber natürlich steht die Heimkehr von Adrian Peterson auch im Fokus. Der wird gegen die alten Teamkollegen bis in die (nicht vorhandenen) Haarspitzen motiviert sein, als neutraler Zuschauer darf man aber vor allem gespannt sein, wie die Saints ihr Backfield aufstellen. Wird es tatsächlich eine Art 50/50-Split in puncto Carries zwischen Peterson und Mark Ingram geben? In jedem Fall hat New Orleans hier die Kadertiefe, um auch im vierten Viertel Minnesota noch mit frischen Beinen Probleme zu bereiten.

Unter dem Strich erwarte ich ein tolles Spiel, weil zwischen der Saints-Offense und der Vikings-Defense Stärke auf Stärke trifft und umgekehrt sowohl Minnesotas Offense als auch New Orleans' Defense klar verbessert sein sollten.

Seite 2: Denver Broncos vs. Los Angeles Chargers

Denver Broncos (0-0) - Los Angeles Chargers (0-0) (Di., 4.20 Uhr )

mySPOX-User SoEinSatansbraten: Denvers Defense ist auf allen Positionen mit Talent und Qualität gespickt und gehört zur absoluten Elite in der NFL. Die Offense muss "nur" durchschnittlich gut spielen und das Team ist schwer zu schlagen - diese Schallplatte läuft in Denver seit über zwei Jahren.

Das Problem ist, dass sich in der Zeit trotz des Super-Bowl-Sieges meist nur der erste Teil dieses Plans bewahrheitet hat. Der unrühmliche Mix aus unterdurchschnittlichem Quarterback, katastrophaler Offensive Line und durchwachsenem Laufspiel verhinderte die Playoffs 2016. Trotz historisch guten Werten in der Passverteidigung (wahnwitzige 5,0 NY/Attempt), wurde die Defense aufgrund der kurzen Auftritte der Offense (fast 30 Prozent der Drives endet in einem Three-and-Out) stetig zermürbt.

Auch dieses Jahr wird das Mantra gebetsmühlenartig wiederholt: Die Defense wird super, der Angriff muss nur durchschnittlich gut sein. Defensiv gibt es jedenfalls Grund für leichten Optimismus: Dass die Abwehr auch ohne den überraschend entlassenen Führungsspieler T.J. Ward mehr als konkurrenzfähig ist, steht außer Frage. Denvers bester Spieler im Kader Von Miller und sein Pass-Rush-Team werden die höchst durchschnittliche O-Line der Chargers immer wieder zum Kollabieren bringen und so den sonst starken Philip Rivers zu Fehlern zwingen.

Das sehr talentierte Receiving-Corps der Chargers ist bei der No Fly Zone ebenfalls in guten Händen. Eine größere Herausforderung stellt hingegen Melvin Gordon dar. Die Verteidigung gegen den Lauf gehörte vergangenes Jahr zu Denvers Schwachstelle. Immer wieder wurde man von gegnerischen Teams überlaufen (nach DVOA Rang 21). Mit Domata Peko und dem ILB-Duo Marshall/Davis hat man jedoch eigentlich die richtigen Leute im Kader, um dieses Problem zu beheben.

Besserung auch in der Broncos-Offense?

Das spannendere Duell spielt sich auf der anderen Seite des Balls ab. Kann Denvers Angriff genug Ballbesitz und Punkte generieren, um der Abwehr etwas Last von den Schultern zu nehmen? Der von den Chargers geschasste neue Offensive Coordinator Mike McCoy, der bereits zwischen 2009 und 2012 in Denver angestellt war, darf zumindest berechtigte Hoffnung auf Besserung haben.

Trevor Siemian ist aufgrund mangelnder Alternativen weiterhin der Quarterback Numero Uno in Denver. Siemian ist kein Typ, der seiner Mannschaft Spiele gewinnt, aber er vermeidet grobe Schnitzer und ist als Game Manager zumindest solide. Umso wichtiger ist ein funktionierendes Laufspiel und eine Offensive Line, die nicht bei jedem Spielzug verbrannt wird. In Denvers Backfield sucht man derweil einen eindeutigen Star vergeblich.

Mit C.J. Anderson, Ex-Chiefs Legende Jamaal Charles, Rookie De'Angelo Henderson und Devontae Booker hat man trotz allem eine interessante Lauf-Abteilung und sollte das mehr als enttäuschende Zone-Run-Game von Gary Kubiak vergessen machen. Auch die neu formierte O-Line um Erstrunden-Tackle Garett Bolles und dem aus Dallas erworbenen Ron Leary verspricht einen klaren Leistungsanstieg. Diese Verbesserungen sollten reichen, um gegen die mit Fragezeichen (vor allem auf den Safety-Positionen) versehene Abwehr der Chargers zu punkten.

Die Broncos haben zehn der letzten zwölf Spiele gegen die Chargers gewonnen, sind heimstark und auf dem Papier stärker als im Vorjahr. Das spricht alles für einen Auftaktsieg in eine erfolgreichere Spielzeit als zuletzt.

Adrian Franke (SPOX): Die Chargers sind, wenn sie in den kommenden Monaten mal vom Verletzungspech verschont bleiben, für mich ein ganz heißer Kandidat auf eine überraschend positive (Playoff-)Saison. Und das werden Rivers und Co. direkt im ersten Spiel mit einem Auswärtssieg bei den Broncos zeigen.

Das beginnt für mich im Run Game, wo ich offensiv wie defensiv den Vorteil bei den Chargers sehe. Dass Denvers Run-Defense wirklich verbessert ist, glaube ich erst, wenn ich es sehe - und wie du schon richtig sagst, war hier bereits in der vergangenen Saison die große Schwäche. Die Entlassung von Ward sollte sich gegen den Run auch ganz besonders bemerkbar machen.

Die Chargers hatten in der vergangenen Saison nicht gerade das effizienteste Run Game (3,8 Yards pro Run, nur Rang 23 im Run-Blocking laut Football Outsiders), meine Prognose allerdings ist, dass sich das mit einer verbesserten Line und dem neuen Head Coach (und Ex-Running-Backs-Coach der Bills) Anthony Lynn deutlich steigern wird. Melvin Gordon sollte so Druck von Rivers nehmen und den Pass-Rush der Broncos verlangsamen können.

Stichwort Pass-Rush: Denver muss nach wie vor ohne Shane Ray auskommen, Shaq Barrett wird zwar rechtzeitig fit, hat aber über Wochen nicht mit dem Team trainiert. Keine Frage, Von Miller ist der beste Edge-Rusher in der NFL - allerdings werden sich die Chargers stark auf ihn fokussieren können. Dazu kommt, dass wir erstmals das volle Arsenal um Keenan Allen, Hunter Henry, Tyrell Williams, Antonio Gates und Co. im Passspiel sehen werden. Denvers Secondary ist großartig besetzt - aber auch für sie wird das ein harter Test.

Pass-Rush? Vorsicht vor diesen Chargers!

Das bringt mich zur anderen Seite des Balls, und auch hier sehe ich wie gesagt den Vorteil an der Line of Scrimmage bei den Chargers. L.A. sollte in der Lage sein, in der Mitte mit Mebane und Liuget Denvers Run Game Probleme zu bereiten, während gleichzeitig das beste Pass-Rush-Duo dieses Spiels nicht Denver, sondern L.A. gehört: Joey Bosa und Melvin Ingram sollten Siemian allerhand Probleme bereiten.

In der Secondary traue ich es Casey Hayward und Jason Verrett zu, gegen Demaryius Thomas und Emmanuel Sanders zumindest standzuhalten. Die Safety-Position ist nach wie vor ein Problem, keine Frage. Doch kann Siemian das trotz des starken Chargers-Pass-Rushs wirklich ausnutzen? Meine Prognose: Nein. So gibt's bei den Broncos die altbekannten Offensiv-Probleme und die Chargers landen ein Statement zum Auftakt.

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