NFL: AFC West Preview: Die Rückkehr des schwarzen Ritters

In der letzten Saison war die AFC West mit einem packenden Dreikampf um die Playoffs die vielleicht spannendste Division der Liga. Diesmal ist eher ein Zweikampf zwischen den Chiefs und den Raiders zu erwarten. Doch wie reagieren die Broncos tatsächlich auf die vermeintlich enttäuschende Offseason und wie ergeht es den Chargers in Jahr Eins in L.A.? SPOX blickt für euch auf die AFC West.

In der letzten Saison war die AFC West mit einem packenden Dreikampf um die Playoffs die vielleicht spannendste Division der Liga. Diesmal ist eher ein Zweikampf zwischen den Chiefs und den Raiders zu erwarten. Doch wie reagieren die Broncos tatsächlich auf die vermeintlich enttäuschende Offseason und wie ergeht es den Chargers in Jahr Eins in L.A.? SPOX blickt für euch auf die AFC West.

Seite 1: Denver Broncos

Denver Broncos

Bilanz 2016: 9-7
WICHTIGSTE ZUGÄNGE: OT Garrett Bolles, OG Ronald Leary, DT Domata Peko, OT Menelik Watson
WICHTIGSTE ABGÄNGE: OT Russell Okung, OLB DeMarcus Ware, NT Sylvester Williams, S T.J. Ward

Darum wird die Saison ein Erfolg: Vor zwei Jahren gewannen die Denver Broncos den Super Bowl, getragen von einer herausragenden Defense. Eine noch immer sehr ähnliche Defense wird Denver auch in der kommenden Saison auf das Feld führen. Von Miller, Chris Harris, Aqib Talib, Brandon Marshall, Derek Wolfe sowie die Youngster Shane Ray - der allerdings noch für mehrere Wochen ausfällt - und Bradley Roby bilden einen exzellenten Kern.

Bei diesen Namen läuft wohl allen Defensiv-Koordinatoren das Wasser im Mund zusammen und auch in der neuen Spielzeit wird die No Fly Zone standhalten und die Defense dominieren. Und das muss sie auch.

Offensiv nämlich regieren Fragezeichen. Die Line und das Run Game sollten insgesamt verbessert sein, in puncto Passing-Offense und Quarterback-Play aber bleiben große Unsicherheiten.

Darum wird die Saison ein Misserfolg: Insgesamt haben die Broncos auf der anderen Seite des Balls eine enttäuschende Off- und Preseason erlebt. Beginnend mit dem Abschied von Coach Gary Kubiak über noch immer vorhandene Baustellen in der Offensive Line und abschließend selbstverständlich mit der Quarterback-Frage.

Trevor Siemian wird die Broncos in der neuen Spielzeit aufs Feld führen, obwohl diese Aufgabe eigentlich in die Hände von Paxton Lynch gelegt werden sollte. Dessen Entwicklung allerdings blieb weit hinter den Erwartungen und so muss es eben, sofern die Broncos nichts Verrücktes mit Brock Osweiler planen, wie schon im letzten Jahr Siemian irgendwie richten.

Dabei wären die Waffen mit Demaryius Thomas und Emmanuel Sanders sogar vorhanden. Doch zur limitierten Produktion des Quarterbacks kommt eben eine noch immer potentiell wacklige Offensive Line. Diese wurde zwar durch die Free Agents Ron Leary und Menelik Watson adressiert, muss sich aber erst in der Regular Season beweisen.

Prognose: Platz 3 in der Division. Die Defense gewann den Broncos schon in der vergangenen Saison mehrere Spiele. Dennoch verbringt sie einfach zu viel Zeit auf dem Rasen, zumal in der Run-Defense noch Fragen bleiben. Letztes Jahr hat man seine Playoff-Chancen noch lange beibehalten können, doch scheint eine Wiederholung angesichts des großen Kräfte-Ungleichgewichts diesmal zu viel verlangt.

Seite 2: Kansas City Chiefs

Kansas City Chiefs

Bilanz 2016: 12-4
WICHTIGSTE ZUGÄNGE: DL Bennie Logan, QB Patrick Mahomes, RB Kareem Hunt
WICHTIGSTE ABGÄNGE: RB Jamaal Charles, WR Jeremy Maclin, DT Dontari Poe

Darum wird die Saison ein Erfolg: Die Chiefs-Defense war in der vergangenen Saison nichts anderes als beeindruckend. Die Tatsache, dass man lediglich Dontari Poe aus dem Starting-Lineup verloren hat und diesen mit Ex-Eagles-Lineman Bennie Logan ordentlich ersetzen konnte, dürfte alle Chiefs-Fans selbstbewusst in die Saison gehen lassen. Logan etablierte sich in Philadelphia als starker Run-Stopper und erhält in Kansas City noch bessere Unterstützung, auch durch den jüngst verpflichteten Reggie Ragland.

Den Verlust von Jamaal Charles wollte man ursprünglich durch Spencer Ware wettmachen. Dieser verletzte sich, doch hier kommt die Breite im Back-Corps zu tragen. Insbesondere Rookie Kareem Hunt wirkt bislang sehr explosiv und kann für Alex Smith ebenso eine tragende Säulen des Offensivspiels wie Travis Kelce und Tyreek Hill werden.

Apropos Smith. Im Arrowhead gibt es zumindest perspektivisch einen Konkurrenzkampf auf der Quarterback-Position. Grund dafür ist Erstrunden-Pick Patrick Mahomes. Mahomes überzeugte in der Preseason und deklarierte früh seine Ansprüche auf die Zukunft auf der Quarterback-Position. Smith darf sich keinen Leistungsabfall erlauben, andernfalls könnten die Fans schnell den Rookie fordern. Aber: Konkurrenzkampf belebt ja bekanntlich das Geschäft!

Darum wird die Saison ein Misserfolg: Nachdem die Chiefs Jeremy Maclin abgegeben und Spencer Ware verloren haben, sind die offensiven Playmaker zwar noch vorhanden, inzwischen aber rar. Sollten sich Kelce oder Hill verletzen ist das Passspiel ausrechen- und das Laufspiel kontrollierbar.

Desweiteren sind die Chiefs generell eine alternde Truppe. Derrick Johnson, der angeschlagene Tamba Hali und Eric Berrys Fenster scheint sich langsam aber sicher zu schließen. Langsam aber sicher scheint auch Alex Smith die Chiefs endlich in ein Conference Final führen zu müssen. Dies ist ihm zuletzt 2011 mit den San Francisco 49ers gelungen.

Prognose: Platz 2 in der Division. Die Chiefs werden sich wie im letzten Jahr ein Kopf-an-Kopf-Rennen um die Division-Verteidigung mit den Raiders liefern. Das Team von Andy Reid ist zwar ein klarer Playoff-Kandidat, allerdings scheint offensiv die Abhängigkeit von den wenigen Playmakern zu groß zu sein. Die direkten Duelle mit Oakland werden voraussichtlich entscheidend sein.

Seite 3: Los Angeles Chargers

Los Angeles Chargers

Bilanz 2016: 5-11
WICHTIGSTE ZUGÄNGE: OG Dan Feeney, OG Forrest Lamp, OT Russell Okung, WR Mike Williams
WICHTIGSTE ABGÄNGE: OT King Dunlap, CB Brandon Flowers, G DJ Fluker, RB Danny Woodhead

Darum wird die Saison ein Erfolg: Die Chargers fliegen etwas unter dem Radar. 2016 verloren sie sieben Spiele mit einer Differenz von sechs Punkten oder weniger, gesund ist dieses Team auf vielen Positionen sehr gut besetzt. Der Receiving-Corps beispielsweise weist mit Keenan Allen, Tyrell Williams und dem noch angeschlagenen Mike Williams eine Menge an Größe und Explosivität auf. Tight End Hunter Henry hat mit acht Touchdowns bereits in der abgelaufenen Saison der Offense seinen Stempel aufgedrückt.

Zwar ist Philip Rivers einer der besten Play-Action-Quarterbacks der Liga, doch wollten die Chargers in der Offseason etwas Druck von ihm nehmen und so investierte man in die Line. Gelingt es dem aus Denver gekommenem Russell Okung sowie Rookie Dan Feeney endlich für etwas Stabilität und Ruhe zu sorgen, so könnte Rivers auch die Turnover-Zahlen herunterschrauben.

Darum wird die Saison ein Misserfolg: Der Umzug nach L.A. hat einige negative Begleiterscheinungen mit sich gebracht, die schon den Rams im Vorjahr ein Stein im Weg gewesen sind. So waren etwa lange Reisezeiten zwischen den Trainingseinrichtungen in Südkalifornien nur einer von mehreren leidigen Faktoren.

Wie schon erwähnt waren die Chargers in den letzten beiden Jahren eines der am häufigsten von Verletzungen geplagten Teams und im Hinblick auf das Personal wurden derartige Risikofaktoren nicht gerade beiseite gelegt. Okung spielte bei den Broncos im vergangenen Jahr erstmals ohne Verletzung. Die Rookies Williams und Forrest Lamp hat es hingegen schon erwischt. Die Chargers haben generell keinen breiten Kader.

Dem Personalbedarf in der anfälligen Secondary wurde desweiteren nicht wirklich nachgekommen. Zwar erhofft man sich einen Entwicklungsschritt rund um das defensive Herz aus Joey Bosa, Melvin Ingram und Denzel Perryman, doch ist die einzig nennenswerte Verstärkung in Desmond King für die verletzungsanfällige Gruppe etwas dünn.

Prognose: Platz 4 in der Division. Für die Chargers ist das kommende, erste Jahr in L.A. als Übergangsjahr zu betrachten. Bleibt man gesund, so hat man zwar das nötige Talent, sich als Playoff-Team zu bezeichnen, doch ist die Division zu stark, als dass man sich Fehler erlauben könnte. Und diese waren bekanntermaßen schon immer ein Teil des Spiels von Rivers. Die Chargers spielen voraussichtlich lediglich um den dritten Platz.

Seite 4: Oakland Raiders

Oakland Raiders

Bilanz 2016: 12-4
WICHTIGSTE ZUGÄNGE: CB Gareon Conley, TE Jared Cook, RB Marshawn Lynch
WICHTIGSTE ABGÄNGE: S Nate Allen, CB DJ Hayden, DT Stacey McGee, LB Malcolm Smith

Darum wird die Saison ein Erfolg: Die Raiders hatten eine der besten Offenses der abgelaufenen Saison und konnten diese sogar nochmals verbessern. Mit Marshawn Lynchs Rücktritt vom Rücktritt konnte man dank Lynchs Qualitäten als physischer Runner für eine Verbesserung gegenüber Latavius Murray sorgen. Lynch sowie die schnellen DeAndre Washington und Jalen Richard geben den Raiders vielseitige Optionen aus dem Backfield.

Mit der Rückkehr von Derek Carr steht außerdem wieder der Mann auf dem Feld, der im letzten Jahr eindeutig den Ausschlag gegeben hat. Carr legte MVP-Zahlen auf und zeigte wie in jeder seiner NFL-Saisons zuvor eine klare Verbesserung. Nach seinem Beinbruch in Woche 16 brach das Team fast folgerichtig ein.

Carr soll jedoch wieder in vollem Besitz seiner Kräfte sein und hat zur Rückkehr neue Anspielstationen erhalten. Neben Amari Cooper und Michael Crabtree stehen ihm nun auch Cordarrelle Patterson und Tight End Jared Cook zur Verfügung. Performt die Offensive Line um die Pro Bowler Donald Penn, Kelechi Osemele und Rodney Hudson dabei wie in der letzten Saison, hat Carr auch genug Zeit um seine neuen Waffen einzusetzen und schlussendlich die Spiele zu spielen, die ihm im letzten Winter auf so bittere Art und Weise verwehrt geblieben sind.

Darum wird die Saison ein Misserfolg: Obwohl man den Defensive Player of the Year in seinen Reihen hatte, schlossen die Raiders die letzte Saison auf dem 26. Platz in Sachen Total Defense ab. Dabei produzierten die Herren in Black and Silver die wenigsten Sacks der Liga, lediglich Outside Linebacker Bruce Irvin (7) hatte neben Mack (11) mehr als 2,5.

Die größte Frage wirft allerdings die Linebacker-Position auf. Zentral spielt wohl Fünftrundenpick Marquel Lee, ergänzt durch Irvin und Cory James. Auch das Cornerback-Corps erweckt nicht allzu viel Vertrauen, eher im Gegenteil. Shootouts scheinen so für dieses Raiders-Team fast garantiert.

Die Saison steht und fällt außerdem natürlich mit der Gesundheit von Carr. Desweiteren könnte ihnen der viertschwerste Schedule der Liga einige Probleme bereiten und auch die Frage, wie die Fans auf den bevorstehenden Umzug nach Las Vegas reagieren, könnte einen der besten Heimvorteile der Liga beeinflussen.

Prognose: Division-Sieg. Die explosive Offense der Raiders sollte das Team erneut ohne Probleme in die Postseason befördern. Schafft sie es, die Defense so lange wie möglich vom Feld zu halten, so ist selbst ein tiefer Run denkbar. Für den essenziellen Heimvorteil in den Playoffs muss man allerdings lernen, die Chiefs zu besiegen. Die letzten beiden Jahre setzte es einen Sweep.

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