NFL: AFC East Preview: Erfolg neu definiert

In der AFC East kann es nur ein Team geben, das am Ende dieser Saison vorne steht. Doch wie gut sind die New England Patriots 2017 aufgestellt? Ist der Ausfall von Edelman zu verkraften und schlägt der unbesiegbare Gegner zu? Bei den New York Jets wiederum gilt es, den Terminus "Erfolg" neu zu definieren, da die Zielsetzung eine ungewöhnliche ist. Zudem: Wo landen die Miami Dolphins mit Jay Cutler? Die SPOX -Preview zur AFC East.

In der AFC East kann es nur ein Team geben, das am Ende dieser Saison vorne steht. Doch wie gut sind die New England Patriots 2017 aufgestellt? Ist der Ausfall von Edelman zu verkraften und schlägt der unbesiegbare Gegner zu? Bei den New York Jets wiederum gilt es, den Terminus "Erfolg" neu zu definieren, da die Zielsetzung eine ungewöhnliche ist. Zudem: Wo landen die Miami Dolphins mit Jay Cutler? Die SPOX-Preview zur AFC East.

Seite 1: New York Jets

New York Jets

BILANZ 2016: 5-11
WICHTIGSTE ZUGÄNGE: QB Josh McCown, S Jamal Adams, WR Jermaine Kearse, LT Kelvin Beachum
WICHTIGSTE ABGÄNGE: CB Darrelle Revis, C Nick Mangold, LB David Harris, WR Brandon Marshall, DT Sheldon Richardson

Darum wird die Saison ein Erfolg: Gemeinhin wird den Jets der schlechteste Kader der NFL attestiert. Dies ist für die Verantwortlichen der Gang Green allerdings kein Grund sich zu grämen. Vielmehr ist es ein klares Indiz dafür, was die Zielsetzung für 2017 ist: Tanking!

Die Jets waren an einem Punkt angelangt, an dem es nicht mehr weiterging, die Ergebnisse wurden nicht besser und so bleibt nur noch der Ausweg des kompletten Rebuilds. Also wurde der Kader so gut es ging abgerüstet und nur notdürftig ergänzt. Allen voran Quarterback Josh McCown und seine Backups Bryce Petty und Christian Hackenberg zeigen ganz deutlich, dass der Plan 2017 das systematische Verlieren ist.

Somit muss Erfolg in diesem Fall neu definiert werden. Das Ziel ist es nicht, trotz alledem möglichst viele Spiele zu gewinnen, sondern möglichst die wenigsten Partien für sich zu entscheiden. Das Ziel ist ganz klar der erste Pick im Draft 2018! Ein neuer Franchise-Quarterback muss her und dies ist der Weg zu ihm. Ob der nun Sam Darnold oder einen anderen Namen trägt, werden die kommenden Monate zeigen, aber um diese Saison als Jets-Sicht als erfolgreich zu bezeichnen, muss ein hoher, wenn nicht gar der höchstmögliche Draft-Pick unter dem Strich stehen.

Dafür sieht der Kader so aus, wie er eben aussieht. Er ist zu schwach zum mitzuhalten und hat daher das Potenzial, so wenig Siege wie möglich einzufahren.

Darum wird die Saison ein Misserfolg: In dieser verkehrten grünen Welt wäre aufgrund der negativen Zielsetzung der Jets jeglicher Erfolg also ein Misserfolg. Und der ist durchaus drin! Der Kader mag insgesamt äußerst schwach daherkommen, New York hat allerdings dennoch ein paar Spieler, die an guten Tagen den Unterschied machen können. Kurz vor der Kader-Cut-Deadline wurde mit Jermaine Kearse etwa ein Receiver geholt, der in Seattle durchaus für Furore sorgte.

Im Backfield spielt immer noch Matt Forte, der in Topform sicher noch ein paar gute Leistungen im Tank hat. Und mit Tight End Austin Seferian-Jenkins - seine charakterlichen Probleme hin oder her - verfügt McCown über einen weiteren fähigen Passempfänger. In Sachen Pass-Rush sind auch ohne Sheldon Richardson, der für Kearse und einen hohen Pick nach Seattle ging, mit Leonard Williams und Muhammad Wilkerson immer noch imposante Kräfte in der Front Seven anzutreffen.

Darüber hinaus geht Head Coach Todd Bowles in sein letztes Vertragsjahr. Will er irgendeine Chance auf einen weiteren derartigen Job in der NFL haben, muss er unter Beweis stellen, dass er auch mit wenig Ressourcen gute Arbeit abliefern kann. Die Jets wiederum scheinen in ihm nur einen Platzhalter für die anstehende Saison zu sehen, der im Januar Platz macht für den Neuen.

All das legt die Vermutung nahe, dass die Mannschaft und der Trainerstab eben nicht einfach die Flinte ins Korn werfen und stattdessen alles geben werden auf dem Platz. Das wird freilich nicht zu sehr vielen Siegen führen, doch es könnte für ein paar Erfolgserlebnisse reichen - vielleicht zu viele für den ersten Pick.

Prognose: Platz 4 in der Division. Letzter in der AFC East sollten die Jets in jedem Fall werden. Der schlechteste Kader führt in der Regel zum schlechtesten Resultat. Doch gerade in den direkten Duellen mit den Buffalo Bills, die scheinbar ähnliches vorhaben wie New York, könnten Siege möglich sein. Zudem geht es etwa gegen die Jaguars und die Browns. Der erste Pick im Draft ist möglich, aber nicht in Stein gemeißelt.

Seite 2: Buffalo Bills

Buffalo Bills

BILANZ 2016: 7-9
WICHTIGSTE ZUGÄNGE: FB Patrick DiMarco, WR Jordan Matthews, CB Tre'Davious White, SS Micah Hyde
WICHTIGSTE ABGÄNGE: WR Sammy Watkins, CB Stephon Gilmore, CB Ronald Darby, WR Robert Woods, LB Reggie Ragland

Darum wird die Saison ein Erfolg: Die Ausrichtung der Bills 2017 ist ein wenig undurchsichtig. Auf der einen Seite scheint das Team verhältnismäßig gut genug aufgestellt zu sein, um sich sportlich auf ähnlichem Niveau zu bewegen wie im Vorjahr. Doch auf der anderen Seite wurden Leistungsträger abgegeben, die Säulen des Teams waren. Im Falle von Stephon Gilmore ging der aus freien Stücken, aber Sammy Watkins, Ronald Darby und Reggie Ragland waren Trades.

Wo wollen die Bills also hin? Allen Unkenrufen zum Trotz ist Quarterback Tyrod Taylor immer noch da, genauso LeSean McCoy im Backfield. Komplett aufgeben wird das Team vom neuen Head Coach Sean McDermott die Saison also nicht. Ganz oben angreifen kann diese Truppe aber wahrscheinlich auch nicht.

Insofern geht es darum, eine solide Basis zu finden. Diese könnte so aussehen, dass Buffalo seinen "Soft-Rebuild" weiter vorantreibt, aber dennoch sechs bis acht Siege einfährt. Dann wäre das Niveau des Vorjahres bestätigt. Mehr dürfte nach den Abgängen auch nicht drin sein.

Konkret gesagt wird das Laufspiel weiterhin die Priorität im Angriff sein und sowohl McCoy als auch Taylor bestätigen in diesem Szenario ihre bisher gezeigten Leistungen. Defensive wirkt gerade die Defensive Line immer noch sehr imposant, weshalb das gegen viele Gegner eine Stärke sein kann, die die Grundlage liefert für einige gute Vorstellungen.

Darum wird die Saison ein Misserfolg: Auch mit den abgegebenen Leistungsträgern reichte es für Buffalo nur zu sieben Siegen. Seither wurde zwar der Trainerstab ausgetauscht, aber der Kern des Teams ist noch vorhanden. Also auch Taylor, der trotz Vertragsumstrukturierung immer noch ein Risiko darstellt.

Seine Spielweise, die vor allem auf seine Athletik abzielt, bleibt riskant, denn mobile Quarterbacks kassieren mehr Hits als Pocket Passer - das Verletzungsrisiko steigt. Taylor hatte erst im Januar eine Operation an der Oberkörpermuskulatur und erlitt in Woche drei der Preseason eine Gehirnerschütterung. Fällt er in der Saison aus, erwecken die Alternativen nicht allzu viel Vertrauen - und spielt er, muss er sich erst an die neue Offense gewöhnen.

Hinzu kommt, dass der Spielplan eigentlich nur aus harten Brocken besteht, weshalb die Bills wohl kaum die .500er-Marke erreichen werden.

Prognose: Platz 3 in der Division. Das Team ist zwar solide aufgestellt, aber die Bills erscheinen wie ein Kartenhaus, dass recht schnell in sich zusammen fallen könnte. Die jüngsten Trades wirken wie der Versuch, den Rebuild voranzutreiben, doch der Zeitpunkt spricht dagegen. Es wirkt eher halbherzig - das könnte am Ende auch über die ganze Saison des Teams gesagt werden.

Seite 3: Miami Dolphins

Miami Dolphins

BILANZ 2016: 10-6
WICHTIGSTE ZUGÄNGE: QB Jay Cutler, TE Julius Thomas, LB Lawrence Timmons
WICHTIGSTE ABGÄNGE: TE Jordan Cameron, OT Branden Albert, TE Dion Sims

Darum wird die Saison ein Erfolg: Er steht zwar nicht unter den Abgängen, aber Quarterback Ryan Tannehill wird dem Team nicht zur Verfügung stehen. Dafür wurde freilich Jay Cutler aus dem Ruhestand zurückgeholt. Head Coach Adam Gase kennt ihn aus gemeinsamen Tagen in Chicago. Unter Gase spielte Cutler seine statistisch beste Saison und vor allem eine mit vergleichsweise wenigen Fehlern.

Zudem verfügt Cutler über einige vorzeigbare Anspielstationen, darunter Neuzugang Julius Thomas, der unter Gase in Denver einst aufblühte. Das könnte nun wieder passieren, zumal die Offensive Line der Dolphins mit Laremy Tunsil nun seinen Left Tackle der Zukunft inthronisiert hat und das Rückgrat für eine starke Rushing-Offense sein kann.

Die Offense wirkt also bereit für einen weiteren Playoff-Run. Defensiv bringt Lawrence Timmons sehr viel Erfahrung mit, während ansonsten nahezu allen Leistungsträger gehalten wurden.

Darum wird die Saison ein Misserfolg: Tannehill ist verletzt und Cutler ist, wie er selbst zugab, nicht fit. Wie lange wird das also wirklich gut gehen? Cutler ist prädestiniert für Turnover und scheint auch nicht unbedingt mit voller Überzeugung zurückgekommen zu sein. Vielmehr wirkt seine Rückkehr wie eine recht spontane Entscheidung des Geldes wegen - wer würde schon einen zweistelligen Millionenbetrag ablehnen, wenn ihm dieser auf dem Silbertablett serviert werden würde?

Sollte sich Cutler dann tatsächlich verletzen und ausfallen, käme der solide Backup Matt Moore zu weiteren Einsätzen. Sobald aber ein halbwegs fähiger Gegner kommt, ist das keine gute Lösung mehr.

Zudem sollte niemand ignorieren, was im Backfield passiert. Jay Ajayi sorgte im Vorjahr für viel Erstaunen, doch wie groß sind die Chancen, dass er seine Leistungen bestätigt?

Prognose: Platz 2 in der Division. Angesichts der Konkurrenz und dem eigenen Personal sollten die Dolphins Platz zwei im Osten locker erreichen. Doch der Spielplan wirkt nicht eben rosig. Es geht gegen die starke AFC West sowie die NFC South, die durch die Bank weg explosiv wirkt. Mit den Playoffs planen sollte man in South Florida also nicht unbedingt.

Seite 4: New England Patriots

New England Patriots

BILANZ 2016: 14-2
WICHTIGSTE ZUGÄNGE: WR Brandin Cooks, CB Stephon Gilmore, LB David Harris, RB Mike Gillislee, RB Rex Burkhead
WICHTIGSTE ABGÄNGE: DE Rob Ninkovich, OT Sebastian Vollmer, CB Logan Ryan, RB LaGarrette Blount, TE Martellus Bennett

Darum wird die Saison ein Erfolg: Der Super-Bowl-Champion verschwendete keine Zeit, den errungenen Erfolg hinter sich zu lassen. Stattdessen wurde das Team konsequent in nahezu allen Mannschaftsteilen verbessert. Offensiv kamen Brandin Cooks als neuer Deep Threat sowie Mike Gillislee und Rex Burkhead als weitere Optionen im Laufspiel und jüngst noch Phillip Dorsett als mögliche Slot-Waffe dazu. In der Defense wurde Dont'a Hightower gehalten und Stephon Gilmore geholt, wodurch die wohl beste Secondary nun in Foxborough residiert.

Abgesehen davon merkt man Tom Brady weiterhin sein Alter nicht an, während Head Coach Bill Belichick kein bisschen müde wird zu betonen, dass nur der nächste Gegner zählt und sonst gar nichts.

Dieses Team ist auf dem Papier in allen Belangen das beste der NFL, zumal nun auch Superstar-Tight-End Rob Gronkowski wieder fit ist und die Patriots auch den Trainerstab weitestgehend zusammengehalten haben.

Der Titelverteidiger wird dominieren, weil er jeden Gegner auf verschiedenste Arten schlagen kann. Kein anderes Team ist so variabel und so dermaßen unberechenbar wie New England.

Darum wird die Saison ein Misserfolg: Die Hiobsbotschaft der Preseason war die schwere Verletzung vom Motor der Offense, Wide Receiver Julian Edelman. "Minitron" war gerade in den so wichtigen dritten Versuchen immer Target Nummer eins für Brady, da dieser keinem so sehr vertraut wie Edelman. Diese Planstelle muss erstmal ersetzt werden und jemand in seine Fußstapfen treten.

Zudem ist Rob Ninkovich nicht mehr da. Er fiel eigentlich immer nur dadurch auf, dass er ein Play zur rechten Zeit gemacht hatte. Sei es ein erzwungener Fumble, eine Recovery oder ein Sack - er war da, wenn es zählte. Auch er muss erstmal ersetzt werden. Noch scheint nicht klar, wie dieses Problem gelöst wird. Generell wirft der Edge-Rush noch Fragezeichen auf.

Ein weiteres Fragezeichen steht hinter Gronkowski, der bekanntermaßen verletzungsanfällig ist. Ohne Edelman und Martellus Bennett ist nicht klar, wie ein möglicher Ausfall dieses Mal kompensiert werden könnte. Neuzugang Dwayne Allen scheint die Offense noch nicht so ganz verinnerlicht zu haben.

Und dann - so unwahrscheinlich das derzeit auch erscheint - ist Brady 40 Jahre alt. Die Zeit ist unbesiegt - wird sie das in diesem Jahr unterstreichen?

Prognose: Division-Sieg. Unterm Strich bleibt dies: Die Patriots sind das beste Team der NFL und werden das vermutlich erneut unterstreichen. Wie schon in den letzten Jahren scheint es fast unvermeidlich, dass mindestens das AFC Championship Game erreicht wird. Die Tagesform entscheidet dann, ob die Saison Ende Januar oder Anfang Februar endet. Viele ernste Konkurrenten springen jedoch bisher nicht ins Auge - schon gar nicht in der AFC East, die Brady und Co. locker gewinnen werden!

Mehr bei SPOX: Peterson: "Will die Vikings bestrafen" | Dallas Cowboys entlassen Linebacker Mark Nzeocha | Osweiler wohl zurück bei den Broncos