Neymar zu PSG: Das steckt dahinter

Kerry Hau
Für Neymar hätte ein wechsel von Barcelona nach Paris durchaus Vorteile

Thomas Meunier kann über Transfer-Spekulationen nur schmunzeln.

Nachdem ihn ein User auf Twitter zu dem Gerücht befragte, ob denn ein gewisser Neymar Junior künftig an seiner bei Paris Saint-Germain spiele, schrieb der belgische Außenverteidiger: "Senden Sie doch eine SMS mit TRANSFERS an 75016."


Wesentlich interessanter war die Reaktion des Trainers der Franzosen, Unai Emery.

"PSG sollte einen der fünf, sechs oder sieben besten Spieler der Welt in seinen Reihen haben. Der Klub und die Fans wären glücklich, wenn ein Spieler wie Neymar käme", sagte der Spanier nach der Niederlage seines Teams gegen den AS Rom beim International Champions Cup (alles Spiele live auf SPORT1).


Das Interesse der Pariser an dem Superstar des FC Barcelona ist keineswegs neu. 

Angeblich 222 Millionen Ablöse

Scheich Nasser Al-Khelaifi träumt schon seit Jahren davon, ihn im Prinzenpark willkommen zu heißen - und würde die astronomische Ausstiegsklausel von 222 Millionen Euro problemlos bezahlen können und wollen.

Diesmal scheint die Chance auf eine Verpflichtung aber höher als in den Jahren zuvor, als sich Neymar einzig ins Schaufenster anderer Klubs gestellt hatte, um im Rahmen seines Vertragspokers mehr Gehalt herauszuhandeln.

Zwar meinte er unlängst, eine "schöne Saison" mit Barca hinter sich zu haben, von einem klaren Bekenntnis zu seinem Klub sah er jedoch ab.

"Keiner weiß, was morgen passiert. Alles ist möglich", sagte er am 10. Juli.


Deal bis Ende August fix?

Die brasilianischen Medien sind sich einig: Der Neymar-Deal mit PSG geht bis Ende August über die Bühne.

Journalist Marcelo Bechler vom TV-Sender Esporte Interativo antwortete im spanischen Radio Barcas Vizeboss Jordi Mestre, der gemeint hatte, Neymar bleibe zu 200 Prozent: "Wenn er das sagt, sage ich, dass Neymar zu 400 Prozent geht."

Doch ergäbe ein Wechsel zu PSG für alle Beteiligten wirklich Sinn? SPORT1 nennt Pro und Contra.

Das spricht für einen Wechsel:

Klar ist: Neymar würde mit einem Abschied aus dem Schatten seiner kongenialen und erfahrenen Partner Lionel Messi und Luis Suarez treten. Messi ist und bleibt die Galionsfigur Barcas - und Suarez schießt mehr Tore. 

Als Topstar in Paris hätte Neymar mehr Freiheiten, aber auch mehr Verantwortung auf dem Platz. Diese wolle er unbedingt, so Journalist Bechler, um sowohl persönlich als auch fußballerisch weiter zu reifen und eines Tages seinen Traum vom Weltfußballer-Titel zu verwirklichen.


Ein weiteres Argument für einen Wechsel: Mit Thiago Silva, Marquinhos, Lucas Moura und Dani Alves spielen vier Neymar-Kumpels aus der Nationalelf bei PSG.

"Wir wissen nicht, ob er kommt, aber Ney wäre eine Bereicherung und herzlich willkommen", gab Kapitän Silva schon vielsagend zu verstehen.

Vor allem der jüngst von Juventus verpflichtete Alves ist ein enger Vertrauter des Dribbelkünstlers. Beide spielten bereits zusammen bei Barca, bis sich Alves mit der Klubführung der Katalanen zerstritt und das Weite suchte. 


Ein Verkauf Neymars hätte aber auch für Barca etwas Gutes: Der Klub würde sich nicht nur die hohen Gehaltskosten (rund 15 Millionen Euro netto) für den Ausnahmekönner sparen, sondern auch eine gewaltige Ablöse kassieren.

Mit 222 Millionen Euro ließe sich nicht nur ein Ersatz für den zuletzt nicht immer konstanten Neymar verpflichten. Barca könnte auch andere Kader-Baustellen schließen. Insbesondere im zentralen Mittelfeld will Neu-Coach Ernesto Valverde nachrüsten.

Das spricht gegen einen Wechsel:

Ein Wechsel zu PSG wäre sportlich gesehen ein Rückschritt für Neymar: Die französische Liga ist bei Weitem nicht auf dem Niveau der spanischen. 

Deshalb scheitert das Team von Emery auch seit Jahren vergeblich mit dem Versuch, den großen Wurf in Europa zu landen.

Die Chance auf bedeutende Titel wie die Champions League wäre für den 25-Jährigen an der Seite von Messi, Suarez und Co. zumindest aktuell größer.


Neymar muss sich daher gut überlegen, ob er das europaweit so gefürchtete "MSN"-Trio wirklich auseinander reißen will. 

Und auch PSG-Scheich Al-Khelaifi dürfte noch einmal abwägen, ob es sinnvoll ist, für diesen Spieler so viel Geld auszugeben.

In Barcelona schätzt man Neymar zwar wegen seiner fußballerischer Qualitäten. Er gilt aber auch als Unruheherd, der häufiger ausgiebig ins Nachtleben abtaucht.

Nicht von ungefähr machen Sommer für Sommer Gerüchte die Runde, er denke über einen Abschied nach.