Newmont: Auf dem Weg zur Nummer 1 im Gold-Sektor

Markus Bußler
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Barrick Gold: Der Chart schreit nach mehr

Verrückte Zeiten für Goldanleger: Nach der Rallye von 10,5 Prozent beim Goldpreis seit Mitte Dezember folgte eine Korrektur von mittlerweile rund 50 Dollar. Nichts Ungewöhnliches. Doch das, was sich bei den Minen-Aktien abgespielt hat, verschlägt vielen Anlegern die Sprache. Liefen sie beim Anstieg noch praktisch 1:1 mit dem Goldpreis mit, folgte anschließend ein Absturz, der sich fundamental nicht erklären lässt. Der Goldminen-ETF GDX fiel unter sein Tief aus dem Juli 2017. Und damals stand der Goldpreis rund 100 Dollar niedriger. Mit anderen Worten: Trotz aktuell deutlich höheren Margen gerieten die Gold-Aktien unter Druck.

Auffällig: Obwohl die meisten Gold-Aktien günstig bewertet sind, scheint sich aktuell niemand für den Sektor erwärmen zu wollen. Sowohl institutionelle als auch private Anleger machen einen Bogen um die Aktien. Über die Gründe mag man spekulieren. Manch Institutioneller hat sich sicherlich im Herbst 2016 eine blutige Nase geholt, als die Goldminen nach einem furiosen ersten Halbjahr abgestürzt sind. Die alles andere als durchdachte Umstellung des Goldminen-ETF GDXJ im vergangenen Jahr hat sicherlich auch den einen oder anderen Investor abgeschreckt.

Und dass Gold trotz der Rallye seit Dezember 2017 noch immer nicht den Ausbruch über das Hoch aus dem Sommer 2016 geschafft hat, mag sein Übriges dazu beitragen. Wie dem auch sei, antizyklisch denkenden Investoren bietet die aktuelle Situation sicherlich eine gute Einstiegschance in den Sektor. Zumal sich auch in der ersten Reihe einige gut positionierte Aktien finden, die zuletzt zu Unrecht abverkauft worden sind.

Newmont Mining: Außergewöhnliche Ehre

Es war eine besondere Ehre, die Gary Goldberg, CEO von Newmont Mining, im Dezember zuteilwurde. Für seine Verdienste rund um die Minenindustrie bekam er einen Platz in der American Mining Hall of Fame. „Er war immer die treibende Kraft hinter der Entwicklung des Unternehmens, dem Wohl der Aktionäre und bei der Weiterentwicklung von sozialen Projekten und solchen, die die Umwelt angehen“, hieß es in der Laudatio. Dem kann man zustimmen. Freilich, auch Newmont hat während der Goldpreis-Baisse ab 2013 deutlich gelitten. Doch darauf hat Newmont reagiert.

Kosten bei rund 900 Dollar je Unze

Seit 2012 sanken die als Benchmark geltenden All-In Sustaining Costs, also die Kosten, die auch den Unterhalt der Mine berücksichtigen, um rund 22 Prozent. Zwar ist man noch immer nicht Branchenführer und liegt im Hinblick auf die Kosten hinter Barrick Gold zurück – dennoch erwirtschaftet man damit rein rechnerisch eine Marge von rund 300 bis 400 Dollar je Unze. Das verhilft Newmont auch in einem nach wie vor nicht einfachen Goldumfeld zu hoher Profitabilität. Auf den ersten Blick mag der eine oder andere irritiert sein. Für das laufende Jahr rechnet Newmont mit All-In Sustaining Costs von 965 bis 1.025 Dollar je Unze. Und das liegt über dem, was man 2017 aller Voraussicht nach erreicht hat.

Doch Anleger sollten wissen: Newmont hat in den vergangenen Jahren häufig bei den Quartalszahlen positiv überrascht und sicherlich das Potenzial, dies wieder zu tun. Dazu sollte der Fokus auf den kommenden Jahren liegen. Im laufenden Jahr tätigt Newmont vergleichsweise hohe Investitionen in die Minen, die sich in den kommenden Jahren bezahlt machen dürften. Die All-In Sustaining Costs sollen im kommenden Jahr auf 870 bis 970 Dollar fallen und dann konstant bleiben bis mindestens zum Jahr 2022.

Das dürfte die Aktionäre freuen. Newmont betreibt eine im Branchenvergleich aktionärsfreundliche Ausschüttungspolitik. Anders als viele andere Konzerne, die in den vergangenen Jahren die Dividende gestrichen oder zumindest deutlich gekürzt haben, zahlt Newmont nach wie vor 7,5 Cent pro Quartal und Aktie, also 30 Cent pro Jahr. Und das Unternehmen sieht durchaus das Potenzial, dass die Dividende in den kommenden Jahren weiter steigen wird.

Das Gros der Schulden ist langfristig

Das alles ist nur deshalb möglich, da Newmont im Vergleich zu vielen anderen Goldproduzenten eine vergleichsweise gesunde Bilanz hat. Zwar schleppt der Konzern Schulden von rund 4,1 Milliarden Dollar mit sich herum. Doch angesichts liquider Mittel von rund drei Milliarden liegt die Nettoverschuldung bei überschaubaren 1,1 Milliarden Dollar. Wichtig: Im laufenden Jahr werden keine Verbindlichkeiten fällig. Erst 2019 muss Newmont 626 Millionen Dollar tilgen oder refinanzieren. Das Gros der Schulden wird zudem erst in den Jahren 2035 bis 2042 fällig und sollte Anleger aktuell nicht allzu sehr belasten.

Die neue Nummer 1?

Im laufenden Jahr will Newmont Mining zwischen 4,9 und 5,4 Millionen Unzen Gold produzieren. In den kommenden Jahren wird die Produktion zwar leicht auf 4,6 bis 5,1 Millionen Unzen bis zum Jahr 2022 fallen. Doch insgesamt kann man sicherlich ohne Übertreibung von einer konstanten Goldproduktion sprechen. Bedenkt man, dass der weltgrößte Goldproduzent Barrick Gold im abgelaufenen Jahr 5,32 Millionen Unzen produziert hat, dann deutet sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen den beiden Konzernen an.

Sicher, das ist eher eine Prestige-Angelegenheit als wirklich von großer Bedeutung für die Anleger. Doch Newmont konnte in den vergangenen Jahren die Produktion konstant halten beziehungsweise durch den Kauf der Cripple Creek & Victor Mine von Anglo Gold Ashanti den Ausstoß sogar erhöhen. Dagegen musste Barrick Gold einige Minen verkaufen, um der erdrückenden Schuldenlast, die sich nicht zuletzt durch das missglückte Pascua-Lama-Projekt aufgebaut hat, Herr zu werden. Newmont hat sich bei den Anlegern deutlich mehr Vertrauen verdient.

Für antizyklische Investoren

Newmont ist sicherlich einer der konservativeren Werte auf dem Gold-Kurszettel. Das Unternehmen hat durch die Bank Minen mit einer Lebenszeit von sieben oder mehr Jahren. Die Kosten dürften in den kommenden Jahren weiter fallen. Und die finanzielle Situation erlaubt auch Zukäufe. Aktuell bietet sich ein attraktives Chance-Risiko-Verhältnis für einen antizyklischen Einstieg.