Newgarden nimmt Fehler auf sich

Fataler Fehler: Josef Newgarden ließ in Watkins Glen einige Punkte liegen


Die gesamte IndyCar-Saison 2017 lang leistete Josef Newgarden keinen groben Schnitzer. Bis zum jüngsten Rennen auf der Watkins Glen International. Ausgerechnet mitten im Titelkampf zeigte der Penske-Piloten zum ersten Mal überhaupt Nerven. Eine unglückliche Fehleinschätzung in der Boxenausfahrt sorgte dafür, dass der Vorsprung in der Tabelle auf drei Punkte geschmolzen ist - ausgerechnet auf Penske-Alptraum Scott Dixon, der dem Team schon zahlreiche Meisterschaften durchkreuzt hat.

"Da gibt es keine Ausrede. Es ist meine Schuld", redet der 26-Jährige nicht um den heißen Brei. Nach dem letzten Boxenstopp beschleunigte ihn Will Power am Boxenausgang aus. Jener Will Power, der seinen Unfall beim Gateway-Rennen darauf schob, dass ihm Newgarden den Luftstrom genommen habe. Diesmal war es umgekehrt: Newgarden landete in Powers "Dirty Air" und knallte in die Leitplanke am Boxenausgang, nachdem er sich verbremst hatte.

Zahlreiche Fahrer hatten mit der Boxenausfahrt an diesem Tag große Schwierigkeiten; hinter Newgarden krachte Tony Kanaan auf dieselbe Art und Weise in die Planke. Doch Newgarden traf es am härtesten, weil ihm zusätzlich Sebastien Bourdais ins Heck knallte, der nicht mehr ausweichen konnte. Der anschließende Reparaturstopp kostete zwei Runden und Newgarden fiel auf Rang 18 zurück.

Dass er in dieser Situation überhaupt hinter Teamkollege Power landete, nimmt der Tabellenführer ebenfalls auf sich: "Ich bin über meinen Boxenplatz hinausgeschossen. Deshalb ist der Stopp nicht gut gelaufen. Ich habe es meinen Jungs zu schwer gemacht. Am Boxenausgang dachte ich erst, ich hätte Will im Sack. Aber dann ließ er den Limiter früher los und ich machte den Fehler." Die ganze Saison über fuhr er nahezu fehlerfrei, nun kam alles auf einmal. "Es waren mehrere Fehler aneinandergereiht. Das ist schon hart", kritisiert Newgarden sich selbst.

Eigentlich wollte er vor dem Saisonfinale in Sonoma 20 Punkte Vorsprung auf der Habenseite sehen. Dort gibt es doppelte Punkte und mit einem solchen Punktestand hätten seine Verfolger nicht mehr aus eigener Kraft abfangen können. So aber kommt es nun zum Showdown. Neben Dixon haben auch die Penske-Piloten Helio Castroneves und Simon Pagenaud mit 22 respektive 34 Punkten Rückstand Chancen, sind aber auf Schützenhilfe angewiesen. Ein Sieg bringt beim Finale 20 Punkte mehr ein als ein zweiter Platz, zudem werden auch in Sonoma wieder Bonuspunkte für Pole, Führungsrunde und die meisten Führungsrunden.

"Dieser Tag hätte so und so laufen können", resümiert Josef Newgarden. Penske hatte auf Regen spekuliert und stellte die Flügel steiler. Der Regen kam aber nie und so erlebte das ganze Team ein ungewohnt schwaches Rennen. "Aber dieses Team ist robust. Wenn man nach Sonoma geht, will man sein eigenes Schicksal kontrollieren. Und das können wir. Ich wünschte, wir hätten ein größeres Polster, aber ich denke, es wäre unter allen Umständen zum Showdown gekommen." Tatsächlich hätte ihm ein achter Platz, auf dem er vor dem Stopp lag, nur zwölf Punkte mehr eingebracht, also einen Vorsprung von 15 Punkten.

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