„New York Times“-Verleger im Gespräch mit Trump

Der US-Präsident teilt häufig gegen Medien wie die „Times“ aus, die kritisch über ihn berichten. Verleger Sulzberger nutzte die Gelegenheit, Trump zu sagen, was er von dessen Verhalten hält.

US-Präsident Donald Trump hat mit dem Verleger der regierungskritischen „New York Times“ die Berichterstattung der Medien über das Weiße Haus erörtert. Arthur Gregg Sulzberger erklärte am Sonntag, er habe Trump direkt gesagt, dass dessen gegen die Presse gerichtete Rhetorik „nicht nur spalterisch, sondern zunehmend gefährlich“ sei.

Zudem habe er Trump erklärt, dass er über dessen Einstufung von Journalisten als „Feind des Volkes“ besorgt sei. Derart „aufrührerische Sprache“ trage zu einer Zunahme von Drohungen gegen Journalisten bei „und wird zu Gewalt führen“.

Das Treffen fand bereits am 20. Juli im Weißen Haus statt, wie beide Seiten am Sonntag mitteilten. Trump berichtete auf Twitter von einem „sehr guten und interessanten Treffen“ mit Sulzberger. Trump twitterte: „Verbrachten viel Zeit damit, über die riesigen Mengen Fake News zu sprechen, die von den Medien verbreitet werden & wie diese Fake News sich zur Redewendung „Feind des Volks“ gewandelt haben. Traurig!“


Wenige Stunden später holte Trump per Twitter erneut zu einer Breitseite gegen die Medien aus. In einer Serie von Tweets erklärte er unter anderem, er werde einen Ausverkauf des Landes „durch Anti-Trump-Hasser in der ... sterbenden Zeitungsbranche“ nicht zulassen. Er warf Reportern vor, „interne Beratungen der Regierung“ zu enthüllen, was „das Leben von Vielen“ gefährden könne. Mit der Pressefreiheit sei die Verantwortung verbunden, korrekt zu berichten - eine Haltung, die von Journalisten geteilt wird. 90 Prozent der Berichterstattung über seine Regierung sei negativ, schrieb er und verwies auf die „Times“ und „The Washington Post“, die häufig im Visier seiner Kritik stehen.

Sulzberger erklärte, er habe sich erst zu einer öffentlichen Stellungnahme entschlossen, nachdem Trump das inoffizielle Treffen am Sonntag auf Twitter publik machte, wo seinem Account mehr als 53 Millionen Menschen folgen. Trumps Berater hätten darum gebeten gehabt, das Treffen vertraulich zu behandeln. Sein Hauptmotiv, dem Treffen zuzustimmen, sei gewesen, dem Präsidenten seine Bedenken wegen dessen „höchst beunruhigender Anti-Presse-Rhetorik“ vorzutragen. An dem Treffen nahm auch der für die Seite mit dem Leitartikel zuständige „Times“-Redakteur James Bennet teil. Er habe Trump bei dem Treffen nicht gebeten, seine Angriffe auf die „Times“ zu mäßigen, sagte Sulzberger. Vielmehr habe er inständig an ihn appelliert, seine allgemeinen Angriffe auf den Journalismus zu überdenken. Diese seien „gefährlich und schädlich für unser Land“.


Die Sprache des Präsidenten werde von autoritären Regimen eingesetzt, um Angriffe auf Journalisten zu rechtfertigen. „Ich habe gewarnt, dass das Leben aufs Spiel setzt, dass es die demokratischen Ideale unserer Nation untergräbt, und dass es eines der großartigsten Exporte unseres Landes erodiert: ein Engagement für Meinungsfreiheit und eine freie Presse“, sagte Sulzberger. Trump empört sich regelmäßig über negative Berichterstattung in den Medien über ihn und seine Regierung. Er hat die Nachrichtenmedien als „Feind des Volkes“ bezeichnet und beschuldigt sie, „Fake News“ zu verbreiten, also gefälschte Nachrichten.

Sulzberger hatte den Verlegerposten am 1. Januar von seinem Vater übernommen. Trump twitterte danach, der Führungswechsel gebe dem Blatt eine „letzte Chance“, die Vision von Unparteilichkeit seines Gründers zu erfüllen. Die „New York Times“ berichtet häufig kritisch über Trump. Im Mai verkündete die „New York Times“ für das erste Quartal des Jahres einen Umsatz von rund 414 Millionen Dollar, eine Steigerung um 3,8 Prozent gegenüber demselben Vorjahresquartal.