WHO: Zahl der Neuinfektionen in anderen Ländern fast neunmal höher als in China

Weltweit mehr als 3000 Todesopfer durch Coronavirus

Das neue Coronavirus verbreitet sich inzwischen deutlich rascher außerhalb Chinas als in seinem Ursprungsland. In den vergangenen 24 Stunden seien fast neunmal so viele Neuinfektionen aus anderen Ländern als in China gemeldet worden, sagte WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus am Montag. Infizierte gibt es nun in mehr als 70 Ländern, die Zahl der Toten stieg weltweit auf über 3080. Die Epidemie erreichte inzwischen auch Millionenstädte wie New York und Moskau. In der EU wird das Ansteckungsrisiko nun als "moderat bis hoch" eingestuft.

In China stieg die Zahl der Todesopfer am Montag um 42 auf 2912. Die Zahl der bestätigten Infektionen in der Volksrepublik stieg um 202 auf mehr als 80.000. In den anderen Ländern stieg die Zahl der Infektionen um über 1700 auf mehr als 10.130.

Allein der Iran gab zwölf weitere und damit insgesamt 66 Todesopfer sowie mehr als 500 neue Ansteckungsfälle bekannt. In keinem anderen Land außerhalb Chinas sind bislang so viele Menschen an der Lungenkrankeit Covid-19 gestorben. Die WHO schickte am Montag ein erstes Flugzeug mit Ärzten, Epidemiologen und Labor-Spezialisten sowie Ausrüstung für den Kampf gegen die Epidemie. Das Expertenteam soll den iranischen Gesundheitsbehörden dabei helfen, das Virus zu diagnostizieren und zu bekämpfen.

Auch Deutschland, Frankreich und Großbritannien schickten Ausrüstung und sagten eine Soforthilfe in Höhe von fünf Millionen Euro zu. Von US-Präsident Donald Trump angebotene Hilfen lehnte Teheran am Montag als "Propaganda" ab.

Bei der Zahl der Infektionen ist Südkorea nach China das am stärksten betroffene Land. Am Montag meldeten die Behörden in Seoul 600 neue Infektionsfälle, die Gesamtzahl stieg damit auf 4300. 22 Menschen starben. Rund 60 Prozent der Fälle in Südkorea stehen im Zusammenhang mit der Sekte Shincheonji. Die Stadtverwaltung von Seoul fordert deshalb Strafermittlungen gegen die Sekte und ihren Gründer Lee Man Hee, unter anderem wegen Mordes. Der 88-jährige Sektengründer entschuldigte sich nun für die Rolle der Religionsgemeinschaft bei der Verbreitung des Virus.

In Europa ist weiterhin Italien das am stärksten betroffene Land. Nach Angaben des Zivilschutzes wurden bis Montag über 2030 Infektionen verzeichnet. Die Zahl der Toten stieg um zwölf auf 52. Frankreich meldete 61 neue Infektionen sowie drei Tote. Der Pariser Louvre blieb den zweiten Tag in Folge geschlossen, weil die Museumsmitarbeiter Angst vor einer Ansteckung haben. Nach der Pariser Landwirtschaftsmesse und dem Halbmarathon in der französischen Hauptstadt wurde auch die Internationale Tourismusmesse sowie die Buchmesse Livre Paris abgesagt.

In den USA meldeten die Behörden inzwischen sechs Tote - allesamt im Westküstenstaat Washington. New Yorks Gouverneur Andrew Cuomo bestätigten zudem den ersten Infektionsfall in der Metropole. Er warnte, eine weitere Ausbreitung in der Finanzmetropole sei "unausweichlich". Auch in Moskau wurde ein erster Fall nachgewiesen. Erste Fälle bestätigten zudem Indonesien, Portugal, Andorra, Tschechien, Saudi-Arabien, Tunesien sowie der Senegal.

Neben Frankreich reagierten auch viele andere Länder mit der Absage von Großereignissen und weiteren Reisebeschränkungen auf die Ausbreitung des Virus. In Genf schloss der Sitz der Vereinten Nationen seine Türen für Besucher. Auch das EU-Parlament in Brüssel lässt vorerst keine Besucher mehr zu. Die Parlamentsarbeit soll aber weitergehen.

Mehrere Fluglinien wie British Airways, Ryanair oder Lufthansa strichen weitere Flugrouten in Risikogebiete. Bei anderen Routen reduzierten sie wegen fallender Nachfrage das Angebot. Nach einer Schätzung der Internationalen Zivilluftfahrtorganisation könnten die Airline-Gewinne wegen des Virus weltweit um vier bis fünf Milliarden Dollar (3,6 - 4,5 Mrd. Euro) zurückgehen.