Neuwagenabsatz in Europa bricht im April um 76 Prozent ein

Neuwagen am Duisburger Hafen Anfang Mai

Die Absatzprobleme für Autobauer in der Corona-Krise haben im April weiter zugenommen: In der EU wurden insgesamt nur noch gut 270.000 Neuwagen verkauft, damit brach der Absatz um 76,3 Prozent zum Vorjahresmonat ein, wie der europäische Herstellerverband Acea am Dienstag mitteilte. In Deutschland betrug das Minus 61 Prozent.

Die durchgehenden Corona-Beschränkungen in Autoproduktion und -handel im April führten laut Acea zum stärksten monatlichen Absatzeinbruch seit Beginn der Datenerhebung. Demnach waren die Rückgänge in allen 27 EU-Mitgliedsstaaten zweistellig, in Italien und Spanien kamen die Märkte mit einem Minus von jeweils über 96 Prozent sogar nahezu zum Erliegen. In Frankreich betrug der Rückgang knapp 89 Prozent.

Wie der Verband der Automobilindustrie (VDA) mitteilte, brachen die Verkaufszahlen auch außerhalb der EU weiter ein: Demnach betrug der Absatzrückgang in Großbritannien 97 Prozent, in den USA 47 Prozent und in Japan 30 Prozent. Einzig der chinesische Automarkt sei nach erheblichen Lockerungen der Corona-Beschränkungen im April "auf Erholungskurs eingeschwenkt" und nur noch um zwei Prozent geschrumpft.

Innerhalb Europas beobachtete die Beratungsgesellschaft EY ein "Nord-Süd-Gefälle": In den skandinavischen Ländern "wurden Rückgänge um etwa ein Drittel verzeichnet", in Südeuropa dagegen hätten die strikteren Maßnahmen zur Pandemieeindämmung zu drastischeren Einbrüchen geführt. Nach Lockerungen in den meisten europäischen Ländern rechnet EY im Mai noch mit einem Rückgang um insgesamt 50 Prozent, im Gesamtjahr um mindestens 35 Prozent.

Die Boston Consulting Group (BCG) zeigte sich etwas optimistischer und ging am Dienstag von einem europaweiten Marktrückgang um 22 Prozent in diesem Jahr aus. Doch die Verbraucher "brauchen womöglich etwas Zeit, bevor sie wieder zu Autokäufern werden", sagte BCG-Analyst Xavier Mosquet der Nachrichtenagentur AFP. Er sprach sich für ein kontinentales Unterstützungprogramm aus.

Nach Einschätzung von EY sollten dazu auch die zuletzt stark umstrittenen Autoprämien gehören - zumindest in Deutschland. Hierzulande könne der Absatzrückgang in diesem Jahr auf bestenfalls 15 Prozent begrenzt werden, "allerdings nur, wenn rasch eine Kaufprämie eingeführt wird".

Für viele Verbraucher stehe ein Neuwagenkauf in der Krise "nicht zur Debatte" und auch Firmenkunden wie Autovermietungen müssten sparen, erklärten die Berater. "Eine Kaufprämie würde die Kaufbereitschaft der Kunden erheblich beeinflussen - das hat die Abwrackprämie im Jahr 2009 gezeigt."