Neuseeland untersucht Misshandlungen in Waisenhäusern

Neuseeländische Flaggen

Neuseeland will ein dunkles Kapitel seiner Geschichte aufarbeiten: Die Regierung richtete am Donnerstag eine Untersuchungskommission zur Misshandlung von Kindern in staatlichen Einrichtungen wie Waisenhäusern ein. Es geht um schätzungsweise etwa 100.000 Kinder, die sich zwischen 1950 und 1999 in staatlicher Obhut befanden - viele von ihnen Mitglieder der Maori-Minderheit. Premierministerin Jacinda Ardern löst damit eines ihrer Wahlversprechen ein.

"Das ist eine Chance, unserer Geschichte entgegenzutreten" sagte Ardern, die seit Oktober im Amt ist. Die Untersuchung könne außerdem dabei helfen, ähnliche Fehler in Zukunft zu vermeiden. Ardern bezeichnete die Misshandlung der Kinder als "skrupellos".

Seit Jahren bemühen sich frühere Schutzbefohlene des Staates um die Aufarbeitung ihrer Geschichte. Sie berichten von sexueller, körperlicher und psychischer Misshandlung. Ein großer Teil von ihnen gehörte den Maori, den Ureinwohnern Neuseelands, an. Die Untersuchung soll daher insbesondere auch die Auswirkungen der Misshandlungen auf die Maori-Bevölkerung unter die Lupe nehmen, erklärte Neuseelands Innenminister Tracey Martin.

Die Maori sind mehr als andere Bevölkerungsgruppen von Armut, Arbeitslosigkeit und Gefängnisstrafen betroffen, weswegen eine überdurchschnittliche Zahl von Maori-Kindern in staatliche Obhut genommen wird.

Eine Königliche Kommission, wie sie nun von der neuseeländischen Regierung eingesetzt wurde, ist die machtvollste Form einer Untersuchung, die das neuseeländische Gesetz zulässt. Sie darf Institutionen überprüfen, die direkt unter staatlicher Verwaltung standen, wie etwa Waisenhäuser, sogenannte Besserungsanstalten und psychiatrische Einrichtungen. Auch die Rolle der Kirchen soll bei der Untersuchung in den Blick genommen werden.