Neureuther gibt Olympia-Entscheidung bekannt

Felix Neureuther muss seine Olympiaträume begraben

Felix Neureuther hat verbissen gekämpft, alles probiert - doch jetzt ist sein Traum von einem Start bei den Olympischen Spielen in Pyeongchang endgültig geplatzt. Der 33-Jährige wurde am Freitag vom Spezialisten Christian Fink in Innsbruck am verletzten linken Knie operiert. Die Winterspiele in Südkorea finden ohne den besten deutschen Ski-Rennläufer statt.

Operation war unumgänglich

"In den letzten Wochen habe ich alles versucht, um die Verletzung konservativ in den Griff zu bekommen, musste aber einsehen, dass eine Operation das Vernünftigste ist", sagte Neureuther und betonte: "Da ich meine Karriere auf jeden Fall fortsetzen möchte, habe ich mich für diese Operation entschieden." Sein Ziel sei nun, in der WM-Saison 2018/19 da weiterzumachen, wo er in diesem Jahr aufgehört habe.

Alpindirektor Wolfgang Maier und Cheftrainer Mathias Berthold hielten die OP, bei der das gerissene Band durch die körpereigene Quadrizepssehne ersetzt wurde, für die richtige Entscheidung. "Zu hundert Prozent", sagte Maier und betonte: "So bitter das für uns ist, dass wir den Felix nicht dabei haben, aber dieses Knie muss repariert werden." Außerdem, ergänzte Maier: "Er kann ja nächstes Jahr noch Weltmeister werden. Das ist dann genauso viel Wert, wie wenn er jetzt Olympia fährt."

Neureuther wollte Olympia-Start erzwingen 

Neureuther hatte sich am 25. November das Kreuzband gerissen und zunächst auf eine Operation verzichtet. Sein Plan: Die Belastung des Knies langsam steigern, im Januar wieder Ski fahren - und dann zu Olympia. "Es ist mir bewusst, dass das ein Risiko für meine Gesundheit ist", sagte er kürzlich. Doch dieses Risiko schien ihm und auch den Ärzten nun wohl doch zu groß. Und: Neureuther hat ja noch einiges vor. In sechs Monaten, sagte Operateur Fink, könne sein Patient wieder auf Skiern stehen.

Mit 33 Jahren fühlt sich Neureuther noch zu jung, vor allem aber: zu gut zum Aufhören. Vor dem verhängnisvollen Riesenslalom-Training in Copper Mountain (USA), bei dem er sich verletzte, sei "der beste Neureuther aller Zeiten" unterwegs gewesen, sagte er. Er gewann im November den ersten Weltcup-Slalom des Winters im finnischen Levi, sein Ziel, endlich eine Medaille bei Olympia zu holen, schien greifbar.

Als ihm dann das Missgeschick passierte, wollte er nicht zu schnell aufgeben. "Ich muss es probieren, um meinen Traum von einer Medaille zu erfüllen. Ich versuche, das Risiko zu minimieren", sagte er. Unterstützt wurde Neureuther bei seinem verwegenen Vorhaben von Freundin Miri ("Du packst das!") und Töchterchen Matilda, auch seine Eltern Rosi und Christian machten ihm Mut - vergebens. Wenn am 22. Februar um die Slalom-Medaillen gefahren wird, muss der WM-Dritte Neureuther zuschauen.

Bereits 2014 in Sotschi nach Autounfall chancenlos 

Olympia und der Partenkirchner - das ist bislang keine Liebesbeziehung. Bei seinem Debüt 2006 in Turin schied er zweimal aus, vier Jahre später hoffte er in Whistler nach einem guten achten Platz im Riesenslalom auf den Slalom-Coup - und scheiterte im ersten Lauf. 2014 war er in Topform, raste bei der Anreise nach Sotschi aber in eine Leitplanke. Neureuther biss sich durch, wurde erneut Achter im "Riesen" - und schied im Slalom-Finale aus.

Auch deshalb wollte er sich nun der "großen Herausforderung" stellen, mit kaputtem Kreuzband zu starten. Für sein späteres Leben, sagte er, könne das "sehr wichtig sein. Ich will mir keinen Vorwurf machen". Muss er nicht. Davon abgesehen ist Neureuther zuzutrauen, dass er 2022 nachholt, was er jetzt versäumt.