Neuner: "Biathlon für Dahlmeier nicht das Wichtigste"

Jonas Nohe
Magdalena Neuner (r.) spricht bei SPORT1 über ihre Nachfolgerin Laura Dahlmeier

Gut fünfeinhalb Jahre ist es inzwischen her, dass Magdalena Neuner zum letzten Mal im Biathlon-Weltcup ihre Runden drehte.

Ihre beeindruckende Erfolgsbilanz: zwei Mal Olympia-Gold, zwölf Mal WM-Gold, 34 Einzelsiege im Weltcup, drei Mal Gesamtweltcup-Siegerin, drei Mal Deutschlands Sportlerin des Jahres.

Neuner: "Jede Medaille hat ihre Schattenseite"

Trotzdem trat sie im Frühjahr 2012 mit gerade einmal 25 Jahren zurück - auch, weil sie nach ihren drei Medaillen bei Olympia 2010 in Vancouver die Kehrseite des Erfolges kennengelernt hatte.

"Es ist klar, dass jede Medaille ihre Schattenseite hat und dass es nicht einfach ist, mit diesem Erfolg umzugehen", sagte Neuner kürzlich im Gespräch mit SPORT1: "Es gibt viele Menschen, die dann etwas von einem wollen oder Fotografen, die einen am Flughafen überrennen vor lauter Gier."


Inzwischen hat sie Abstand gewonnen vom Trubel vergangener Tage. Und was macht die einstige Biathlon-Queen heute?

TV-Expertin beim Biathlon-Weltcup

"Ich bin ja inzwischen zweifache Mama, von daher erübrigt sich die Frage so ein bisschen", sagt Neuner lachend. Aber die Biathlon-Fans müssen nicht ganz auf sie verzichten.

In der neuen Weltcup-Saison (alle Rennen im LIVETICKER) wird die 30-Jährige wieder als Expertin für die ARD vor der Kamera stehen.

"Nicht so viel, aber zumindest in Hochfilzen, auf Schalke und in Antholz. Da freue ich mich schon drauf", sagt Neuner und erklärt: "Es ist einfach schön, wieder so ein klein wenig ins alte Leben einzutauchen."


Neuner mit sich "im Reinen"

Was nicht heißt, dass sie ihren frühzeitigen Rücktritt inzwischen bereut.

"Es kribbelt eigentlich nicht mehr so sehr", beschreibt sie das Gefühl, wenn sie inzwischen an die Weltcup-Strecken zurückkehrt, "da habe ich gut mit abgeschlossen und bin mit mir im Reinen".

Geholfen hat ihr dabei, dass ihre Nachfolgerinnen im deutschen Biathlon-Team nach einer kurzen Schwächephase inzwischen auch außerordentlich erfolgreich unterwegs sind.

Frühes Karriereende auch bei Dahlmeier?

Insbesondere Laura Dahlmeier, die beim ersten Einzelrennen des Winters im schwedischen Östersund (17.15 Uhr im LIVETICKER) krankheitsbedingt fehlt, ist mit inzwischen 13 WM-Medaillen erfolgreich in Neuners Fußstapfen getreten.

Und spätestens seit die 24-Jährige einmal der Sport Bild sagte, es könne "ganz schnell Schluss sein", wird immer wieder spekuliert, ob sie es Neuner auch in Sachen Karriereende nachmacht.

Schließlich gilt Dahlmeier als vielseitig interessiert, ist unter anderem als leidenschaftliche Bergsteigerin und Mountainbikerin bekannt.


"Ich persönlich kann mir gut vorstellen, dass die Laura in ihrem Leben auch noch viele andere Dinge hat, die sie gerne macht - und dass für sie auch Biathlon nicht das Allerwichtigste ist", meint Neuner deshalb bei SPORT1 zu Dahlmeiers Zukunft.

Das bedeute aber nicht zwangsläufig, dass die deutsche Nummer eins nach Olympia 2018 in Pyeongchang zurücktreten werde.

"Ich kann mir schon vorstellen, dass sie noch sehr große Erfolge feiern wird. Nicht nur dieses Jahr, sondern auch die Jahre danach", meint Neuner: "Wie sie sich irgendwann entscheiden will, das weiß nur sie. Wir haben nicht darüber gesprochen und ich würde mir auch nicht anmaßen, sie danach zu fragen oder ihr da einen Tipp zu geben."


Bundestrainerin Neuner? "Auf gar keinen Fall"

Einen anderen Rat aber möchte sie ihren Nachfolgerinnen aus ihrer eigenen Erfahrung heraus mit auf den Weg geben.

"Es ist wichtig, nie die Normalität aufzugeben und sich ein normales Umfeld zu behalten. Mit seiner Familie einfach auch normale Themen zu haben, Freunde zu haben, die nicht aus dem Sport kommen", betont Neuner, "dann ist es nach der Karriere viel, viel einfacher, wieder in ein 'normales Leben' einzutauchen".

Und das will Neuner selbst auch nicht mehr für eine Rückkehr in den Profisport aufgeben.

"Ich habe schon die Frage gestellt bekommen, ob ich mal Bundestrainerin werden will", berichtet sie lachend und gibt direkt die glasklare Antwort: "Nein, auf gar keinen Fall!"