Neumünster: Rechte hetzen gegen muslimische FDP-Kandidatin

Die rechte Szene wettert zurzeit gegen ein Wahlplakat der Freien Demokraten. (Bild: Getty Images)

Aygül Kilic ist Muslima. Bei der kommenden Kommunalwahl in Schleswig-Holstein kandidiert sie für die FDP. Im Internet hagelt es deshalb Hassbotschaften gegen die Liberalen.

Ein solches Ausmaß an Widerwärtigkeiten hat Reinhard Ruge noch nicht erlebt. Über die Reaktionen auf ein Wahlplakat mit Aygül Kilic sagte der Kreisvorsitzende der FDP in Neumünster in einem Pressestatement: „Was wir dazu an gehässigen und rechtsradikalen Kommentaren lesen konnten, ist an Geschmacklosigkeit kaum noch zu unterbieten.“

Kilic ist Muslima und Kopftuchträgerin. Bei den Kommunalwahlen am 6. Mai in Schleswig-Holstein tritt sie für die FDP im Wahlkreis 6 von Neumünster als Direktkandidatin auf Listenplatz 9 an. Auf einem aktuellen Wahlplakat ist Kilic mit einem Hidschab, einer islamischen Kopfverschleierung für Frauen, zu sehen. Über ihrem Kopf steht der Slogan „Klarer Kurs – Zukunft gestalten“.

Seit die Wahlplakate mit dem Konterfei von Aygül Kilic in Neumünster sowie im Internet zu sehen sind, hagelt es Hasskommentare gegen die FDP und die Politikerin selbst. Das Facebook-Profilbild der Deutsch-Türkin haben inzwischen rund 900 Personen geteilt und kommentiert. Doch freundlich sind die allermeisten Bemerkungen nicht. Etliche User wittern eine „Islamisierung“ oder kritisieren die Verbindung einer Kopftuchträgerin mit dem Wahlslogan „Zukunft gestalten“.

Zudem werfen einige User der Neo-Politikerin vor, dass ihre Beiträge auf Facebook ausschließlich in türkischer Sprache verfasst sind oder Links zu türkischsprachigen Webseiten enthalten. Auf den Seiten der FDP finden sich teilweise auch menschenverachtende Hassparolen von offenkundig rechtsradikal gesinnten Personen.

Auch Politiker haben sich zu dem FDP-Wahlplakat geäußert: Mit Bezug auf ein Interview, das Kilic dem Schleswig-Holsteinischen Zeitungsverlag im Jahr 2011 gegeben hat, attackierte der AfD-Politiker Christian Waldheim aus Norderstedt die FDP-Kandidatin scharf. In dem Interview damals sagte Kilic, Neumünster sei ihr eine „zweite Heimat“ geworden. Der AfD-Mann dazu: „Nach 30 Jahren in Deutschland immer noch von einer zweiten Heimat zu sprechen, lässt mich stark am Integrationswillen zweifeln.“

Mit Beatrix von Storch hat sich darüber hinaus eine hochrangige Politikerin in die Debatte eingebracht. Auf Twitter kommentierte die stellvertretende Fraktionsvorsitzende der AfD im Bundestag die Wahlwerbung der FDP mit Aygün Kilic zynisch: „Ich finde es toll, dass die FDP einen so klaren Kurs fährt.“

Über Kilic schreibt FDP-Mann Reinhard Ruge, sie sei ein „gutes Beispiel für gelungene Integration“. Kilic sei bei der Stadt angestellt und arbeite als soziale Assistentin in einer Kita. Sie sei verheiratet, Mitte 50 und habe nach der Ausbildung ihrer Kinder selbst „alle Schulabschlüsse“ nachgeholt. In der FDP engagiere sie sich seit vier Jahren. Überdies bringe sich Kilic aktiv in soziale Projekte ein.

Rückendeckung bekommt die Deutsch-Türkin aber nicht nur von der eigenen Partei, sondern auch von ungewohnter Seite. Die Jusos aus Neumünster schreiben auf ihrer Facebook-Seite: „Mit der FDP verbindet uns der Wert der Freiheit. Frau Kilic hat eindrucksvoll bewiesen, wie man sich in Neumünster weiterbilden und erfolgreich integrieren kann! Ob sie dabei als gläubige Muslima ein Kopftuch trägt oder nicht, ist irrelevant, solange ihre Freiheit von außen nicht beeinträchtigt wird.“