Dax mit zweitem Schlussrekord in Folge

Der deutsche Leitindex schleppt sich am Donnerstag mit leichten Verlusten durch den Mittagshandel. Mangelnde Impulse beenden die Hausse. Die Zinserhöhung der britischen Zentralbank kann die Anleger nicht schocken.


Die Aussicht auf eine anhaltende EZB-Geldschwemme hat dem Euro am Freitag erneut zugesetzt. Er fiel auf ein Dreieinhalb-Monats-Tief von 1,1573 Dollar und verlor damit binnen zwei Tagen etwa zweieinhalb US-Cent. Weil dies Waren heimischer Firmen auf dem Weltmarkt wettbewerbsfähiger macht, stieg der Dax auf ein Rekordhoch von 13.249,03 Punkten und schloss 0,6 Prozent im Plus bei 13.217,54 Zählern. Der EuroStoxx50 gewann 0,5 Prozent auf 3654,20 Stellen. An der Wall Street notierte der Technologie-Index Nasdaq dank starker Zahlen von Internetkonzernen wie Amazon mit 6675,52 Punkten ebenfalls so hoch wie noch nie.

„Eine starke Bilanzsaison, solide Konjunkturdaten und eine vorsichtige EZB - alles deutet auf eine Fortsetzung der Rally hin“, sagte Marktanalyst Milan Cutkovic vom Brokerhaus AxiTrader. Die Europäische Zentralbank halbiert zwar ihre Anleihenkäufe ab Januar auf 30 Milliarden Euro monatlich, ließ das Ende aber offen. „Die erste Leitzinsanhebung ist damit in weite Ferne gerückt, frühestens im zweiten Halbjahr 2019, vermutlich später, dürfte es so weit sein“, sagte Analyst Dirk Gojny von der Essener National-Bank.


Gegen den Trend rutschte der Leitindex der Börse Madrid um 1,5 Prozent ab. Die spanischen Banken verloren im Schnitt sogar 2,5 Prozent. „Das katalanische Parlament hat für die Unabhängigkeit abgestimmt und trifft damit einen empfindlichen Nerv“, sagte Timo Emden, Deutschland-Chef des Online-Brokers DailyFX. Kurz darauf billigte der spanische Senat eine Zwangsverwaltung der Region.

Die Krise überschattete die Präsentation der Geschäftszahlen der BBVA. Die im baskischen Bilbao beheimatete Bank ist einer der größten Kreditgeber in Katalonien. Ihre Aktien fielen um 2,6 Prozent, obwohl das Geldhaus den Quartalsgewinn um 19 Prozent auf 1,14 Milliarden Euro steigerte und damit die Erwartungen leicht übertraf. Der Überschuss der katalanischen Banco de Sabadell ging zwar um acht Prozent zurück, das Institut hält aber am Gewinnziel für das Gesamtjahr fest. Hier brachen die Papiere um 4,9 Prozent ein.

Am Rohölmarkt übersprang die Nordseesorte Brent erstmals seit fast zweieinhalb Jahren die Marke von 60 Dollar je Barrel. Einem Reuters-Bericht zufolge wollen sich Saudi-Arabien und Russland auf dem nächsten Opec-Treffen für eine Verlängerung der Förderbremse einsetzen.


Am deutschen Aktienmarkt kletterten die Titel von Linde auf ein Rekordhoch von 189,85 Euro und schlossen drei Prozent im Plus bei 189 Euro. Die Quartalsergebnisse hätten über den Erwartungen gelegen, schrieb Analyst Markus Mayer von der Baader Helvea Bank. Entscheidend sei allerdings die nahende Fusion mit dem US-Rivalen Praxair. Dessen Titel blieben mit 148,92 Dollar knapp unter der bisherigen Bestmarke.

Gefragt waren auch die europäischen Technologiewerte, deren Branchenindex mit 456,52 Punkten so hoch wie zuletzt vor 16 Jahren notierte. Dabei profitierten die Firmen von den starken Geschäftszahlen von Amazon.com, Microsoft und Google. Bei den US-Konzernen lässt das Cloud-Geschäft die Kassen klingeln. Dieser Trend spielt auch dem Chiphersteller Intel in die Hände. Die Aktien aller vier Firmen kletterten auf Rekordstände. Im deutschen TecDax rückten die Papiere von Aixtron einem Anbieter von Maschinen zur Chip-Herstellung, 11,5 Prozent vor.


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KONTEXT

Wie sich die Dax-Börsenmonate seit 1959 entwickelt haben

Januar-Performance

Viele Anleger glauben, der Januar sei der Börsenmonat mit der höchsten durchschnittlichen Performance. Weit gefehlt. Mit plus 0,78 Prozent ist das ein durchschnittlicher Monat, der im Vergleich zu den anderen elf nur auf Rang fünf liegt. Für die Berechnungen seit dem Jahr 1959 hat die Baader Bank den Dax seit Juni und die Vorläuferindizes der Börsenzeitung (1981 bis 1988) und den Hardy-Index (1959 bis 1981) genommen.

Februar-Performance

Bereits im zweiten Monat des Jahres halbiert sich im Vergleich zum Januar die durchschnittliche Performance und beträgt nur noch 0,33 Prozent. Das bedeutet Rang acht.

März-Performance

Wer hätte das gedacht? Der März ist der beste Börsenmonat. Durchschnittlich sind die Kurse um 1,54 Prozent gestiegen - deutlich höher als in den Monaten November und Dezember, in denen die meist lukrative Jahresendrally stattfindet.

April-Performance

Doch nur einen Monat später halbiert sich das Plus auf 0,76 Prozent - Platz sechs in der Statistik für den Monat April.

Mai-Performance

"Sell in May and go away" lautet das bekannte Börsensprichwort und bei der durchschnittlichen. Vom Jahresanfang betrachtet ist der Mai der erste Monat mit einem negativen Entwicklung- Die beträgt minus 0,12 Prozent und damit Rang neun.

Juni

Und in den folgenden Monaten geht es weiter runter: Im Juni sinkt die durchschnittliche Performance auf minus 0,27 Prozent und damit auf den neunten Platz der Börsenmonate.

Juli-Performance

Ein kurzes Comeback zeigt der Juli, die durchschnittliche Performance seit 1959 ist mit plus 0,79 Prozent wieder positiv und hieven den Zeitraum auf den vierten Platz.

August-Performance

Doch bereits im August geht es wieder abwärts mit minus 0,33 Prozent und damit der vorletzte Rang in der Börsenstatistik.

September-Performance

"Für Börsenspekulanten ist der Februar einer der gefährlichsten Monate. Die anderen sind Januar, März, April, Mai, Juni und Juli, bis Dezember", sagte einst der Schriftsteller Mark Twain. Doch, zumindest im Durchschnitt gesehen, ist nur der Monat September gefährlich. Mit 1,86 Prozent übertrifft das Minus alle anderen Monate mit deutlichem Abstand, der September ist Schlusslicht.

Oktober-Performance

"Ein Crash-Monat Oktober mag zwar dramaturgisch reizvoll sein. Und sicher hat es üble Exemplare dieses Monats an den Aktienmärkten gegeben, z.B. 1987 oder 2008. Außerdem hat sich seit Jahresbeginn u.a. im DAX ein ordentlicher Kurspuffer angehäuft, der zu Gewinnmitnahmen einlädt", meint Kapitalmarktexperte Robert Halver von der Baader Bank. Doch gegenüber dem September muss der Oktober nicht gefürchtet werden. Historisch betrachtet verzeichnete der Dax in diesem Monat sogar ein Plus von 0,75 Prozent.

November-Performance

Und nun zur Jahresendrally: Der beste Monat ist dafür der November mit einer durchschnittlichen Performance plus 1,35 Prozent. Damit ist dieser Monat der zweitbeste hinter dem März.

Dezember-Performance

Gegenüber dem Monat November fällt der Dezember etwas zurück. Das durchschnittliche Plus beträgt 1,13 Prozent und damit Rang drei der Börsenstatistik.