Neues aus der Absatzwelt: Daimler rockt, BMW stockt

Vincent Uhr, Motley Fool beitragender Investmentanalyst

Lange Zeit war es ein Kopf an Kopf rennen. Doch nun könnte einer der beiden großen deutschen Premiumhersteller seinen Konkurrenten überrundet haben. Vorerst zumindest, aber davon später mehr.

Die Rede ist aber selbstverständlich von den Absatzzahlen der beiden deutschen Autobauer Daimler (WKN: 710000) und BMW (WKN: 519000), die es, wie ich finde, wirklich in sich hatten.

Werfen wir also einen Foolishen Blick auf das, was sie uns offenbaren:

Daimler zieht deutlich an BMW vorbei

BMW konnte im Oktober 168.509 Autos an die Frau, beziehungsweise den Mann bringen. Das entsprach einem Plus von rund 1 % im Vergleich zum Vorjahresmonat. Für die ersten zehn Monate stehen damit 1,71 Million verkaufte Einheiten in den Büchern von BMW, was einem Zuwachs von 3,6 % entspricht. Nicht übel, findest du? Dann warte ab, womit Daimler auftrumpfen kann.

Daimler verkaufte innerhalb der ersten zehn Monate nämlich sage und schreibe 1,9 Millionen Fahrzeuge. Damit hat Daimler BMW innerhalb der ersten zehn Monate um fast 200.000 Autos abgehängt, was deutlich mehr als der Menge entspricht, die BMW allein im Oktober verkauft hat. Man könnte also sagen, Daimler ist BMW aus Absatzsicht um mehr als einen Monat Oktober voraus.

Relativ gesehen beträgt der Vorsprung auf BMW damit über 11 %. Wir können wohl für den Moment mit Fug und Recht behaupten, dass Daimler im Begriff ist, BMW aus Absatzsicht abzuhängen.

Audi, die Premiummarke aus dem Hause Volkswagen (WKN: 766403), konnte aufgrund von Schwierigkeiten im chinesischen Markt innerhalb der ersten zehn Monate übrigens lediglich 1,54 Millionen Autos absetzen. Damit sieht Audi als Schlusslicht derzeit nur die Rücklichter beider Konkurrenten.

Nur eine fragile Momentaufnahme?

Bleibt die Frage, wie wir das als Investoren und Interessierte bewerten sollten. Auch wenn der Vorsprung, den Daimler momentan vor beiden Konkurrenten hat, wirklich enorm ist, sollten wir das Folgende bedenken:

Die Automobilbranche ist relativ schnelllebig. Wie gesagt, die Führung ist groß, aber ein Nachlassen in Kombination mit einer Modelloffensive eines Konkurrenten könnte diesen Vorsprung relativ zügig wieder zunichte machen. Anzeichen dafür sehe ich zwar momentan nicht, BMW schien aber vor nicht allzu langer Zeit ebenfalls noch uneinholbar für den damaligen Verfolger aus Stuttgart. Gerade als langfristiger Investor sollte man sich bei aus dem vergangenen Absatz abgeleiteten Rückschlüssen auf die Zukunft nicht allzu sicher sein.

Zudem wird die Automobilindustrie gegenwärtig von so manchem disruptiven Wandel ergriffen. Elektromobilität und Carsharing sind nur zwei Stichworte, die stellvertretend für die Veränderungen stehen können. Auch hier werden die Karten folglich grundlegend neu gemischt und jeder (internationale) Autobauer wird erneut beweisen müssen, dass er auch diesen Weg erfolgreich bestreiten kann.

Warten wir also ab, wie es absatztechnisch weitergeht. Momentan liegt Daimler ordentlich in Führung, aber ich bin gespannt, welche Wendungen wir in diesem prestigeträchtigen Wettkampf früher oder später noch erleben werden.

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Vincent besitzt Aktien von BMW. The Motley Fool empfiehlt Daimler und BMW.

Motley Fool Deutschland 2017