Neuer Roman: Ingo Schulze schickt jetzt Don Quijote in die DDR

Der Autor Ingo Schulze in seiner Berliner Wohnung

Peter Holtz ist der Auserwählte, der ein Leben lang nicht nach dem Golde drängt. Als junger Bürger der DDR Mitte der 70er-Jahre hält er es für die Pflicht der Gesellschaft, dass sie sich um Peterchen sorgt, Geld sei doch nicht wichtig, sagt er. Er bleibt sich treu: Kurz vor dem Fall der Mauer kommt er zufällig in den Besitz eines West-Zwanzigers, den er verbrennt. Peter Holtz glaubt, man müsse dem Westen das Geld wegnehmen, weil es das Übel des Kapitalismus begründe. Am Ende des Romans ist Deutschland vereint, Peter Holtz Millionär wider Willen, und er setzt zum Schlag gegen das System an. Er will 1000-Mark-Scheine – davon hat er reichlich – nach und nach auf dem Alexanderplatz verbrennen.

"Peter Holtz. Sein glückliches Leben erzählt von ihm selbst" heißt das neue Buch von Ingo Schulze. Er ist ein alter Bekannter im Feuilletonbetrieb, "33 Augenblicke des Glücks" war 1995 sein Prosadebüt, fleißig schrieb der Dresdner, der seit 1993 in Berlin lebt, Buch auf Buch, doch nach dem Roman "Adam und Evelyn" kam eine lange Pause. "Peter Holtz" ist sein erster Roman nach knapp zehn Jahren, der im Feuilleton wohlwollend begleitet wird. Für die "Welt" ist er "ein zutiefst humaner Roman", die "Faz" hält ihn gar für den "komischsten Roman des Herbstes", die Jury für den Deutschen Buchpreis nahm ihn auf die Longlist. Die Urteile mögen überraschen, denn Schulzes Figuren sind austauschbar und ohne Eigenschaften, die Dialoge langwierig bis endlos und die "erotisch entzündeten Sprechakte", für di...

Lesen Sie hier weiter!