Neuer Quali-Modus? Das steckt dahinter

Stefan Junold
Zukünftig könnten an einem Formel-1-Wochenende ein Quali-Rennen und ein normales Rennen ausgetragen werden

Zwei Jahre nach der krachend gescheiterten Umstrukturierung des Qualifyings starten die Formel-1-Bosse offenbar einen neuen Versuch, die Qualifikation zu revolutionieren.

Zusätzlich zum bisherigen Programm könnte es einem Bericht von auto, motor und sport zu Folge in Zukunft ein Quali-Rennen geben.

Ist die Umsetzung realistisch? Wie soll das Rennen genau gestaltet werden? SPORT1 beantwortet die wichtigsten Fragen.

Welche Qualifying-Modi gab es bisher?

Das aktuelle Format mit drei Ausscheidungsphasen besteht in dieser bzw. im Laufe der Jahre nur minimal veränderter Form seit 2006.

Zu Beginn der Saison 2016 führte die Königsklasse einen neuen Modus ein. Es wurde nach wie vor in Q1 bis Q3 gefahren. Nach bestimmten Zeiten schieden immer die langsamsten Fahrer aus. (Rennkalender der Formel 1 2018)

Das System erwies sich jedoch als wenig durchdacht und chaotisch und wurde in Folge von heftiger Kritik nach nur zwei Rennen wieder abgeschafft.


Bis Ende 2003 ging es für die Piloten darum, in einer einstündigen Session bei maximal zwölf Gesamtrunden die schnellste Zeit hinzulegen. Da sich fast alle Fahrer (wegen des besseren Grips) aber geballt in den letzten zehn Minuten auf der Strecke tummelten wurden zur Saison 2004 Veränderungen vorgenommen.

Zuvor musste der beim vorangegangenen Grand Prix am schlechtesten platzierte Pilot als Erster auf die Runde, der Sieger als Letzter. Im neu eingeführten Qualifikationstraining, also einer ersten Quali-Einheit, wurde diese Reihenfolge umgekehrt.

Der Sieger dieser Session durfte dann in der eigentlichen Quali als Letzter auf die Strecke. Dieser Modus war zum Beginn der Saison 2006 dann wieder Geschichte.

Wie soll das neue Qualifying ablaufen?

Details der Planungen sind noch nicht an die Öffentlichkeit geraten. Aus dem Bericht von auto, motor und sport geht hervor, dass auf die dritte Trainingseinheit am Samstag verzichtet werden soll.

Stattdessen planen die Verantwortlichen, am Morgen das Qualifying in seiner bestehenden Form durchzuführen. Das Ergebnis dient als Startreihenfolge für das neue Element - das Qualifikations-Rennen.


Dabei sollen alle Fahrer ein Sprintrennen über 100 Kilometer bestreiten. Je nach Konstruktion der Strecke würde das zwischen 35 und 45 Minuten dauern. In der Reihenfolge, in der die Boliden die Ziellinie überqueren, sollen sie am Sonntag dann an den Start gehen.

Beim Quali-Rennen soll auf Restriktionen bei Reifen oder Sprit verzichtet werden.

Darüber hinaus bringt Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff noch eine weitere Idee ins Spiel. "Warum vergeben wir nicht Punkte für das Trainingsergebnis? Dann gibt es vielleicht Teams, die auf eine schnelle Runde aus sind, ihr Auto dementsprechend abstimmen und dann im Rennen ihre Position verteidigen müssen", schlägt der Österreicher in dem Magazin vor.

Was versprechen sich die F1-Bosse von dem neuen Modus?

Hauptziel von Liberty Media: Die Formel 1 soll spannender und damit attraktiver werden. Die Ermittlung der Startplätze über eine Mischung aus der schnellsten Runde und einem Rennen über eine vergleichsweise kurze Distanz würde für etwas mehr Chancengleichheit führen, da mehrere Eigenschaften von Autos und Fahrern abverlangt werden.

Letztlich ist jedoch damit zu rechnen, dass in der aktuellen Konstellation trotzdem die starken Teams wie Mercedes, Ferrari und Red Bull die vorderen Startplätze unter sich ausmachen würden. (Fahrerwertung der Formel 1)


Zweiter Vorteil des neuen Modus': Die Bosse erhoffen sich durch zwei Qualiying-Einheiten mehr Zuschauer. Zum einen würde das Quali-Rennen mehr Spektakel vor Ort garantieren.

Zum anderen ist angedacht, es zur optimalen Sendezeit stattfinden zu lassen – vor den Fußballspielen der europäischen Topligen.

Wann kommt die Änderung?

Noch handelt es sich um die Idee der neuen Besitzer von Liberty Media. Bis diese konkret ausgearbeitet ist, von Teams und Formel-1-Verantwortlichen für adäquat befunden und vom Motorsport-Rat der FIA abgesegnet wird, dauert es mindestens noch bis zur Saison 2019.