Neuer Lockdown für Paris und andere Teile Frankreichs

Adam PLOWRIGHT und Stephanie LOB
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Die Seine-Brücke Pont des Arts in Paris

Wegen stark gestiegener Corona-Infektionszahlen verhängt Frankreich bereits zum dritten Mal seit Beginn der Pandemie einen Lockdown über den Pariser Großraum und andere Landesteile. Dort müssen ab dem Wochenende für mindestens vier Wochen alle Geschäfte des nicht täglichen Bedarfs schließen, wie Premierminister Jean Castex am Donnerstagabend in Paris ankündigte. Auch die Bewegungsfreiheit von rund 20 Millionen Bürgern wird eingeschränkt Die meisten Schulen sollen dagegen offen bleiben.

Castex sprach von "massiven" Maßnahmen, um die dritte Corona-Welle zu brechen. Betroffen sind unter anderem die Hauptstadtregion Ile de France und die an Belgien grenzende Region Hauts-de-France. Zudem gelten die verschärften Auflagen in den Départements Alpes-Maritimes um Nizza sowie in den Verwaltungsbezirken Seine-Maritime und Eure im Norden Frankreichs.

In den betroffenen Gebieten schlagen viele Krankenhäuser wegen Überbelegung der Intensivstationen Alarm. Im Pariser Großraum sei mit fast 1200 Intensivpatienten sogar "der Höchststand der zweiten Welle im November überschritten", sagte Castex.

Dort war die Wochen-Inzidenz zuletzt auf fast 450 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner gestiegen, fast das Doppelte des landesweiten Schnitts. Die dicht besiedelte Region Ile de France mit rund zwölf Millionen Einwohnern ist das wirtschaftliche Herzstück Frankreichs. Die Regierung hatte den neuen Lockdown deshalb wochenlang hinausgezögert.

Fahrten zwischen den betroffenen Regionen sind ab dem Wochenende untersagt, außer es gibt einen zwingenden Grund dafür. Zum Verlassen ihrer Häuser und Regionen brauchen die Bürger erneut einen Passierschein.

Im Vergleich zu den Lockdowns des vergangenen Jahres lockert die Regierung die Ausgangsbeschränkungen aber: So dürfen die Menschen etwa im Umkreis von zehn Kilometern um ihre Wohnung Sport treiben oder Spazieren gehen, vorher war zeitweise nur ein Kilometer erlaubt.

Regierungschef Castex sprach von einem "dritten Weg", der die Ausbreitung des Virus bremse, ohne die Menschen völlig "einzusperren". Für weniger betroffene Landesteile Frankreichs werden die geltenden Auflagen leicht gelockert: Dort gilt die nächtliche Sperrstunde künftig erst ab 19.00 Uhr statt wie bisher ab 18.00 Uhr.

Am 17. März 2020 - also fast auf den Tag genau vor einem Jahr - hatte Präsident Emmanuel Macron den ersten Lockdown in Frankreich verhängt. Seitdem sind offiziell mehr als 91.000 Menschen an der Lungenkrankheit Covid-19 gestorben. Damit ist Frankreich nach absoluten Zahlen eines der am stärksten betroffenen Länder Europas.

Regierungschef Castex äußerte Verständnis für den Frust der Bürger. Er sprach von "einer Pandemie, die scheinbar kein Ende nimmt". Die Impfungen böten aber eine Perspektive. Frankreich will deshalb unverzüglich wieder das Vakzin von Astrazeneca impfen, nachdem die Europäische Arzneimittelbehörde das Mittel als "sicher und wirksam" bezeichnet hatte. Als Zeichen des Vertrauen will sich der 55-jährige Castex demonstrativ selbst damit impfen lassen.

lob/cp