Neuer Fonds für Frauen holt sich Hansmann, Speedinvest & Runtastic

Lisa-Marie Fassl (links) und Nina Wöss sind die Gründerinnen von Female Founders, einem Netzwerk für Frauen in der Startup-Szene.  - Copyright: Female Founders
Lisa-Marie Fassl (links) und Nina Wöss sind die Gründerinnen von Female Founders, einem Netzwerk für Frauen in der Startup-Szene. - Copyright: Female Founders

Aus der Startup-Szene in Österreich sind sie nicht mehr wegzudenken: Nina Wöss und Lisa Marie-Fassl, die Gründerinnen von Female Founders, einem 60.000 Mitglieder-starken europäischen Networking-, Mentoring- und Accelerator-Programm für Frauen in der Startup-Branche.

Jetzt geht das Duo noch einen Schritt weiter, um die Chancengleichheit für Frauen im Startup-Ökosystem voran zu bringen: Sie starten einen eigenen Fonds mit dem Wöss und Fassl bewusst in Jungunternehmen investieren wollen, in denen die Führungsteams mindestens eine Frau im Gründerteam haben.

Fonds mit Millionen überzeichnet

Das Zielvolumen ihres Fonds setzten sie bei 20 Millionen Euro an. Das erste Closing schloss zwei Millionen Euro überzeichnet mit zwölf Millionen Euro.

Als Ankerinvestoren sicherten sie sich den bekanntesten Business Angel ihres Heimatlandes, Johann „Hansi” Hansmann, der sich mit Exits wie Runtastic und Busuu weltweit einen Namen machte. Im vergangenen Jahr sagte der Privatinvestor im Gespräch mit Gründerszene bereits, dass er in Zukunft verstärkt auf Frauen in Startups setzen wolle.

Die beiden anderen Hauptinvestoren sind die Raiffeisen Landesbank Steiermark und die VC-Initiative der Förder- und Finanzierungsbank Österreichs (AWS). Desweiteren beteiligten sich die Gründer von Runtastic und die Gründer der für 385-Millionen Euro nach Amerika verkauften Sprachlern-App Busuu. Auch Business Angels wie Karin Kreutzer und Nikolaus Futter investierten. Insgesamt seien 40 Prozent der Investoren weiblich, sagt Wöss.

Er hat millionenschwere Exits hinter sich und ist einer der wichtigsten Startup-Investoren Österreichs: Hansi Hansmann.
Er hat millionenschwere Exits hinter sich und ist einer der wichtigsten Startup-Investoren Österreichs: Hansi Hansmann.

Unter dem Namen Fund F möchten Wöss und Fassl in Zukunft in Startups aus den Bereichen ClimateTech, HealthTech, FemTech, FinTech und HR Tech in der Pre-Seed Phase setzen. Der erste Deal soll noch in diesem Jahr stattfinden.

Sexistische Gesten beim Fundraising

Das ist den beiden eine Herzensangelegenheit, wie Fassl sagt: „Beim Fundraising sind auch wir mit sexistischen Gesten und unpassenden Bemerkungen konfrontiert worden”, sagt Fassl. Das gehöre leider nach wie vor zur Realität in der Branche, dabei habe es sich schon merklich gebessert, wie die beiden Gründerinnen erzählen.

Fassl und Wöss begannen ihre Zusammenarbeit im Jahr 2016, zu einer Zeit, wo Frauen auf Startup-Events noch eine Seltenheit waren. Mehr als 90 Prozent der Anwesenden seien damals in Hoodies gekleidete Männer gewesen, beschreibt es Fassl, „da stachst du als Frau raus wie der totale Alien.”

Beide waren damals keine Neuzugänge in der Branche. Wöss arbeitete insgesamt acht Jahre beim österreichischen Venture Capital Fonds Speedinvest und Fassl vier Jahre in der Geschäftsführung der Austrian Angel Investors Association, dem größten privaten Netzwerk für Angel Investoren in Österreich.

Auf Veranstaltungen des Startup-Sektors beobachteten die beiden ein wiederkehrendes Bild: Die wenigen vorhandenen Frauen zeigten immer Interesse daran, sich gegenseitig kennenzulernen und auszutauschen. Wöss und Fassl wollten dieses Verhalten skalierbar machen und testeten die Idee eine zeitlang parallel zu ihren Vollzeitjobs.

Wie sich herausstellte, war die Nachfrage enorm – die Female Founders Networking-Events wurden ein Hit.

Erfolg mit Networking-Events

Seit 2020 fokussieren sich Wöss und Fassl Vollzeit auf ihr Startup und bieten zusätzliche Konzepte wie Mentoring, Bootcamps und Accelerators an. Eigenen Angaben nach haben sie ihr Unternehmen bis dato bis auf eine einmalige Finanzspritze in Höhe von 150.000 Euro (ein Zuschuss als Teil des Förderprogramms der AWS) komplett selbst finanziert, durch Leadership-Programme, Consulting-Gebühren und über ein Erfolgshonorar, das Startups zahlen, wenn sie sich eine Finanzierung über Female Founders sichern konnten.

„Momentan erfreuen wir uns in jedem Quartal an einem Mitgliederzuwachs zwischen 15 und 20 Prozent, was echt verrückt ist”, sagt Fassl. Aber, sagt die Gründerin, auch wenn Female Founders schon große Fortschritte in der Szene habe erreichen können, sei weiterhin viel zu tun. Ihre Erfahrungen beim Fundraising hätten das wieder bestätigt.