Neuer Deutsche-Börse-Chef soll noch in diesem Jahr bestimmt werden

dpa-AFX

FRANKFURT/BERLIN (dpa-AFX) - Die Deutsche Börse will noch in diesem Jahr über die Nachfolge von Vorstandschef Carsten Kengeter entscheiden. "Unser Ziel ist es, jemanden bis zum 1. Januar zu haben. Wir wollen in jedem Fall dieses Jahr noch den Nachfolger bestimmen", sagte Aufsichtsratschef Joachim Faber der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung". "Wir haben eine Shortlist mit einer Handvoll potentiell geeigneter Kandidaten, die arbeiten wir jetzt sehr schnell ab."

Kengeter hatte die Konsequenz aus einer Insideraffäre gezogen und am Donnerstag seinen Rücktritt angekündigt. Der ehemalige Investmentbanker (50) räumt seinen Posten zum 31. Dezember 2017. Seit neun Monaten ermittelt die Frankfurter Staatsanwaltschaft gegen Kengeter wegen eines lukrativen Aktiengeschäfts in Millionenhöhe aus dem Dezember 2015 - gut zwei Monate vor dem Bekanntwerden der Fusionspläne mit der Londoner Börse LSE. Aufsichtsrat, Vorstand und Kengeter persönlich hatten die Vorwürfe zurückgewiesen.

Faber sagte der Zeitung, der Personalausschuss werde die Manager in Kürze zu Vorstellungsgesprächen treffen und dann dem Aufsichtsrat einen Nachfolger vorschlagen. Sollte alles wie geplant laufen, sei es nicht nötig, einen Interimschef zu bestellen.

Einen kompletten Neuanfang mit neuen Verantwortlichen an der Spitze von Vorstand und Aufsichtsrat schließt Faber aus. Er selbst denke nicht an einen Rücktritt. "Meine Pflicht ist es, jetzt schnell stabile Verhältnisse herzustellen." Ob dabei eine interne oder externe Lösung gefunden werde, sei nicht entschieden: "Da ist ein völlig offener, fairer Prozess."

Das Profil des Neuen nach Fabers Ansicht: "Der Nachfolger für Kengeter muss nicht zwingend einen deutschen Pass haben, aber Deutsch als Muttersprache." Außerdem muss es eine Persönlichkeit mit Erfahrung sein, die bereits ein großes Unternehmen geführt habe. "Für mich ist es nicht so wichtig, dass der Nachfolger das Geschäft so in der Tiefe versteht wie Kengeter, gefragt ist ein Generalist."

Außerdem müsse der neue Chef einen Draht zur Politik haben. "Es muss jemand sein, der das regulatorische Umfeld in hohem Maße betreuen kann", erläutert Faber. "Auf diesem Feld haben wir wohl etwas Nachholbedarf." Ein Kandidat direkt aus der Politik, ob aktiv oder ehemalig, sei trotzdem keine Option.