Neuer Corona-Booster vervielfältigt sich selbst im Körper: Er schützt gegen mehrere Varianten — und wird erstmals am Menschen getestet

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Ein neuer Corona-Booster ist auf dem Weg: Eine Auffrischungsimpfung mit einem neuen Impfstoff soll gegen mehrere Virusvarianten schützen. Derzeit wird er zum ersten Mal am Menschen getestet.

Der Impfstoff mit der Bezeichnung GRT-R910 nutzt eine neue Technologie: eine sich selbst replizierende Boten-Ribonuklerinsäure (mRNA). Nach der Impfung vervielfältigt sich die injizierte mRNA in den Muskeln selbstständig und sorgt so für den Schutz vor einer Infektion mit dem Coronavirus.

Zwar basieren die Impfstoffe Modernas und der Hersteller Biontech und Pfizer ebenfalls auf einer mRNA-Technologie. Allerdings wird bei ihnen eine andere Form der Boten-Ribonuklerinsäure verwendet. In ihrem Fall werden mRNAs injiziert, die dem Körper beibringen, ein bestimmtes Protein herzustellen, das eine Immunreaktion auslöst. Anders als der neuartige Impfstoff kann sich die mRNA in den Impfstoffen Biontechs und Modernas jedoch nicht selbst replizieren.

Eine Impfung mit der "selbstvermehrenden" mRNA könnte zur Folge haben, dass niedrigere Dosen als bei den derzeitig bestehenden Impfstoffen verwendet werden müssten. Das würde auch bedeuten, dass sie günstiger sein könnten – und das Risiko für Nebenwirkungen geringer wäre.

Die Booster-Impfung könnte „mehr Nutzen bringen als eine zweite Impfung desselben Stoffes“

Für die von den US National Institutes of Health (NIH) geförderte Studie sollen nach Angaben des herstellenden Unternehmens 20 Freiwillige ausgewählt werden, die über 60 Jahre alt sind. Das US-amerikanische Pharmaunternehmen, das den Impfstoff entwickelt hat und derzeit untersucht, heißt Gritstone. Am 21. September erklärte der Hersteller in einer Pressemitteilung, dass der Impfstoff GRT-R910 die Immunantwort der „Covid-19-Impfstoffe der ersten Generation“ auf eine „breite Palette“ von Virusvarianten verstärken könnte.

Der Vorstandsvorsitzende Gritstones, Andrew Allen, sagte voller Zuversicht, die Immunantwort des Impfstoffes könne womöglich „mehr Nutzen bringen als eine zusätzliche Dosis bisher verabreichten Impfstoffes einer Person“. Die Veröffentlichung der Ergebnisse der Studie würden für Anfang 2022 erwartet, so Gritstone.

„Wir glauben, dass GRT-R910 als Auffrischungsimpfung starke, dauerhafte und breite Immunantworten hervorrufen wird“, so der Studienleiter Andrew Ustianowski von der britischen Universität Manchester. Weiterhin sagt Ustianowski: „Das dürfte vor allem für die Aufrechterhaltung des Schutzes einer gefährdeten älteren Bevölkerungsgruppe, die besonders von Krankenhausaufenthalten und schweren Verläufen bedroht ist, entscheidend sein.“

Herstellung in Krankenhäusern statt in Fabriken denkbar

Aktuell laufen erste Untersuchungen zur Wirksamkeit am Menschen an. Der 63-jährige Andrew Clark und seine 64-jährige Frau, Helen Clark, waren die ersten, die GRT-R910 im Rahmen der Frühphasenstudie an der Manchester University NHS Foundation Trust in Großbritannien erhalten haben.

Dem Unternehmen zufolge könnten die selbstreplizierenden mRNA-Impfstoffe möglicherweise in den Krankenhäusern selbst anstatt von großen Fabriken hergestellt werden. Sie könnten auf spezifische Ausbrüche einiger Varianten zugeschnitten werden und die Effektivität folglich deutlich erhöhen. Der Vorsitzende der Manchester Covid-19 Research Rapid Response Group, Ian Bruce, bestätigte in einer öffentlichen Stellungnahme, dass künftige Studien die Wirksamkeit des Stoffes GRT-R910 auch bei anderen gefährdeten Bevölkerungsgruppen berücksichtigen würden.

Erst am vergangenen Freitag empfahl die US-amerikanische Arzneimittelbehörde, die Food and Drug Administration FDA, eine zusätzliche Auffrischungsdosis des Impfstoffes von Biontech/Pfizer für bereits vollständig geimpfte Personen im Alter von 65 Jahren und älter. Ebenfalls aufgefrischt werden sollen demnach die Impfungen jüngerer Menschen mit einem erhöhten Gesundheitsrisiko.

Dieser Artikel wurde von Julia Knopf aus dem Englischen übersetzt und editiert. Das Original lest ihr hier.

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