Neuer Chef-Lobbyist für die Autobranche

Die Vorstandschefs der deutschen Autobauer haben sich auf Bernhard Mattes als neuen Präsidenten des Verbands der Automobilindustrie geeinigt. Bei einem regulären Treffen des 19-köpfigen Verbandsvorstandes am kommenden Dienstag soll der frühere Chef von Ford Deutschland auf den Posten gewählt werden, wie das Handelsblatt aus Industriekreisen erfahren hat. Der VDA bestätigte, dass an dem Tag die Wahl des künftigen Verbandschefs stattfinden soll. Wer der Nachfolger von Amtsinhaber Matthias Wissmann wird, dazu wollte sich eine Sprecherin nicht äußern.

Mattes ist tief in der Branche verwurzelt; nach dem Studium der Wirtschaftswissenschaften ging er im Jahr 1982 in den Vertrieb von BMW. Nach 17 Jahren wechselte er in den Vorstand der deutschen Ford-Tochter, 2002 übernahm er den Vorsitz des Gremiums. Dem Unternehmen blieb er nach dem Chefwechsel vor einem Jahr als Aufsichtsrats verbunden.

Der 61-Jährige hat zwar keinen Spitzenposten bei den Schwergewichten BMW, Daimler und Volkswagen bekleidet, die das Geschick des VDA bestimmen. Anders als CDU-Mitglied Wissmann hat er auch keine politische Karriere absolviert. Die Spitzen der deutschen Autoindustrie sehen in ihn dennoch als gute Besetzung, da er keinem Konzern und keiner Partei verpflichtet sei. Mattes gilt als ruhig und  sachlich und sei vor allem diplomatisch versiert, lobt ein Manager. Der Wahl-Kölner ist Vorsitzender der amerikanischen Handelskammer AmCham in Deutschland und auf damit auf der politischen Bühne sattelfest.


Dieses Geschick wird er auch brauchen. Denn der amtierende VDA-Präsident Wissmann verfügt über die besten Drähte in die Bundesregierung. Er habe direkten Zugang zur Kanzlerin Angela Merkel, wie es heißt. Gerade bei der Bewältigung der Abgaskrise sei dies wichtig gewesen. Nachdem Volkswagen der millionenfachen Fälschung von Emissionswerten überführt worden war, hat die Krise längst auch Daimler und BMW im Griff. Im Raum steht eine Nachrüstung von Dieselautos, die Milliarden verschlingen dürfte. Es drohen in mehreren deutschen Städten Fahrverbote für Dieselmotoren, ein Albtraum für die Branche.

Dies abzuwenden, dürfte eine von Mattes Kernaufgaben werden. Dazu zählt auch, die Branche auf eine gemeinsame Linie einzuschwören. Nach den Kartellvorwürfen der EU-Komission hatte es Spannungen zwischen den großen Autokonzernen und dem Verband gegeben. Inwieweit die Autoindustrie überhaupt noch Absprachen über ein gemeinsames Vorgehen treffen darf, ist umstritten. Mattes soll den neuen Job im Laufe dieses Jahres antreten, ein genauer Zeitpunkt steht noch nicht fest. Seine Hauptaufgabe dürfte darin liegen, seine Drähte in die Politik aufzubauen, wie es in Berlin hießt. Einen direkten Gesprächskanal zur Kanzlerin habe er nicht, zumindest bislang. Angesichts der vielen Herausforderungen der Branche wird er diesen aber sehr bald brauchen.