Neuer Abgastest: Schneller, länger, strenger

Es ist ein Problem, das so gut wie jeder Autofahrer kennt: Der Spritverbrauch laut Tankuhr passt einfach nicht mit dem offiziellen Spritverbrauch zusammen, der im Fahrzeugbrief steht. Im vergangenen Jahr betrug die Differenz laut dem Institut ICCT im Schnitt 42 Prozent bei Neuwagen - ein neuer Höchstwert. Das ICCT nennt den Grund: Die Hersteller nutzen im Abgastest Schlupflöcher aus. Diese Lücken soll ein neuer Test schließen - doch auch der hat Löcher.

WAS FÜR SCHLUPFLÖCHER HAT DER ALTE TEST?

Im alten Testprotokoll, dem NEFZ, gibt es einige Punkte, die nicht genau geregelt sind. Beispielsweise der Reifendruck: Hersteller können ihre Reifen aufpumpen, bis sie fast platzen, was den Rollwiderstand verringert. Außerdem können sie die Batterie vor dem Test aufladen und sämtliche Sonderausstattung wie die Klimaanlage weglassen, was das Auto leichter macht. Durch diese Schlupflöcher können sie den Verbrauch und damit den CO2-Ausstoß im Labortest absenken.

WIE FUNKTIONIERT DER NEUE TEST?

Das neue Testverfahren WLTP dauert 30 Minuten statt 20, die durchschnittliche Geschwindigkeit des Fahrzeugs liegt bei 47 statt 34 Stundenkilometern. Die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 131 statt vorher 120 Stundenkilometern, die Standzeit verringert sich von 25 auf 13 Prozent des Testzyklus. Bei bekannten Schlupflöchern wie Reifendruck und Batterieladung hat die EU-Kommission strengere Vorgaben gemacht und einige Sonderausstattungen werden berücksichtigt - die Klimaanlage ist aber weiterhin nicht dabei.

WANN TRITT DER NEUE TEST IN KRAFT UND WELCHE AUSWIRKUNGEN HAT ER?

Seit Anfang September können Autohersteller neue Fahrzeugtypen nur noch genehmigen lassen, wenn sie deren Abgase vorher mit dem neuen Protokoll WLTP messen. Ab September kommenden Jahres müssen WLTP-Messungen für alle Neufahrzeuge vorliegen. Laut Verband der Automobilindustrie (VDA) werden die offiziellen Verbrauchswerte damit um etwa 20 Prozent steigen. Welche Auswirkungen die erhöhten CO2-Werte auf die Kfz-Steuer haben, will das Bundesfinanzministerium bis Herbst 2019 prüfen.

WIE HOCH IST DER BEITRAG FÜR DEN KLIMASCHUTZ?

Peter Kasten vom Öko-Institut sagt: "Die Hersteller werden wahrscheinlich auch im neuen WLTP Schlupflöcher finden." Er kritisiert außerdem, dass die Autobauer für das Ausnutzen der Schlupflöcher des alten Tests "belohnt" werden: Die Hersteller müssen im Jahr 2021 einen durchschnittlichen CO2-Ausstoß von 95 Gramm pro Kilometer oder vier Liter Benzin auf hundert Kilometer erreichen - gemessen im NEFZ. Da der WLTP strengere Werte ausspuckt, werden die alten Schlupflöcher mithilfe einer Software der EU-Kommission in die neuen Messwerte eingerechnet, um eine "vergleichbare Strenge" zu erhalten.