Neuendorf will Menschenrechtsthemen bei der FIFA anschieben

Bernd Neuendorf will in seiner zukünftigen Rolle bei der FIFA auf Verbesserungen im Fußball-Weltverband drängen. "Wir haben den Anspruch, was politische Dinge und Menschenrechte betrifft, unsere Themen zu platzieren - nicht nur bei der Vergabe von künftigen Turnieren", sagte der Präsident des Deutschen Fußballbundes (DFB) bei einer Podiumsdiskussion mit dem Thema "Was folgt nach Katar?" im Deutschen Sport und Olympia Museum in Köln.

Es sei zukünftig wichtig, Abläufe im Weltverband kritisch zu begleiten und zu hinterfragen, sagte Neuendorf: "Wir wollen, dass Entscheidungsprozesse transparenter werden". Der 61-Jährige wird im April aller Voraussicht nach zum europäischen Vertreter im FIFA-Council gewählt - er hat keinen Gegenkandidaten und soll auf den ehemaligen DFB-Vize Peter Peters folgen.

Neuendorf sieht seinen Verband unter anderem in der Verantwortung, sich für die Rechte von Gastarbeitern einzusetzen, die im Zuge der Vorbereitungen auf die WM in Katar zu Schaden gekommen sind - auch gegenüber FIFA-Präsident Gianni Infantino: "Er sagt, es soll Entschädigungen geben, aber sie wissen nicht, wie das funktionieren soll. Unsere Aufgabe und unser Anspruch ist es jetzt, dass auch wirklich etwas passiert", so Neuendorf. "Aber, dass Infantino solche Themen überhaupt anspricht, ist bereits ein Erfolg von uns und Organisationen wie Amnesty International."

Der DFB-Präsident will zukünftig verstärkt mit anderen europäischen Nationalverbänden zusammenarbeiten, um Veränderungen zu bewirken: "Wir müssen international Allianzen bilden", sagte Neuendorf und blickte selbstkritisch auf die Thematik rund um die "One Love"-Binde bei der Weltmeisterschaft zurück: "Wir hätten das Thema nicht so nah ans Turnier heranlaufen lassen dürfen." Stattdessen hätten die beteiligten europäischen Verbände früher auf FIFA-Präsident Infantino zugehen müssen, so Neuendorf.

Von der Vehemenz bei der Androhung von Sanktionen durch die FIFA sei er anschließend überrascht gewesen: "Das war eine krasse Erfahrung - ich hatte bis dahin ja nicht viel mit der FIFA zu tun."