Mit neuem Anlauf über die 13.000


Das i-Tüpfelchen ist Anlegern verwehrt geblieben. Der Dax ist am Freitag denkbar knapp an der Schwelle von 13.000 Punkten gescheitert. Das allerdings ist noch lange kein Grund zur Panik: Investoren können beruhigt in die neue Börsenwoche gehen. Denn es scheint nur eine Frage der Zeit zu sein, bis der Dax auch diese Marke knackt. Fällt die Zielmarke, dürfte es bald noch weiter bergauf gehen.

Zum Zeitpunkt der Handelseröffnung am Freitag hatten Beobachter bereits damit gerechnet, dass die 13.000er-Marke fällt. Der Leitindex eröffnete jedoch wenige Punkte darunter – und schaffte es im Handelsverlauf nicht, diese noch aufzuholen. Erhoffte Impulse aus den USA blieben ebenfalls aus. Als dort am Nachmittag vergleichsweise schwache Arbeitsmarktdaten bekanntgegeben wurden, war die Luft endgültig raus.


So bleibt rückblickend eine gute Börsenwoche mit dem fünften Wochenplus in Folge und einem neuen Rekordhoch bei 12.994 Punkten, . Ähnliches gilt für die USA: Auf dem dortigen Parkett erklommen die drei wichtigsten Barometer, Dow Jones, S & amp;P 500 und Nasdaq, jeweils neue Rekordstände.

Wenig spricht dafür, dass ausgerechnet jetzt eine Trendwende einsetzt. Anleger sind in Rekordlaune, die Analysten optimistisch. „Im Vergleich zu den USA sind europäische und auch deutsche Aktien immer noch günstiger zu haben“, betont Ralf Zimmermann, Aktienstratege vom Bankhaus Lampe. „Zusammen mit der soliden Gewinnentwicklung gibt es momentan weiteres Kurspotenzial.“


Die Strategen der Weberbank sehen gute Vorzeichen im weltweiten Wirtschaftswachstum, dem anhaltende Gewinntrend bei den Unternehmen und der expansiven Geldpolitik der EZB. Tobias Basse, Experte der NordLB, erwartet einen weiteren Schub bis auf 13.200 Punkte, sollte die kurzfristige Zielmarke geknackt werden. „Das würde dann weitere Käufer anlocken, denn es gibt eine Menge Menschen, die an die Magie der Trends glauben.“

Der Euro gab zuletzt spürbar nach, was vor allem exportorientierte Unternehmen stärkt, deren Ausfuhren bei einem schwachen Euro günstiger und entsprechend attraktiver werden. Anleger profitierten auch davon, dass sich die geopolitischen Spannungen nicht weiter verschärft haben. Im schwelenden Konflikt zwischen den USA und Nordkorea gab es keine weiteren negativen Entwicklungen, die das Börsengeschehen erneut belasten können.


Brennpunkt Katalonien


Unübersichtlich bleibt hingegen die Situation in Katalonien. Anleger hatten nach dem Referendum spanische Aktien und Anleihen aus den Depots geworfen. Besonders unter Druck standen die Titel der Geldhäuser Banco Sabadell und Caixabank, die in Barcelona ihren Hauptsitz haben. Börsianer befürchten Geschäftseinbußen. Sabadell will den juristischen Sitz nach Alicante verlegen. Mit der Caixabank kündigte am Freitag das drittgrößte Geldhaus Spaniens eine Verlagerung seiner Zentrale nach Valencia an. Robert Greil, Chefstratege von Merck Fick Privatbankiers, warnt deshalb davor, trotz Optimismus und guter Indikatoren „die anhaltenden Risiken gerade auf geopolitischer Seite“ nicht zu vergessen.

In der neuen Börsenwoche könnte es aus mehreren Richtungen Rückenwind geben. So kommen neue Konjunkturdaten – etwa Zahlen zur Industrieproduktion. Deutschland veröffentlicht diese am Montag, aus Frankreich und Italien kommen sie am Dienstag. Ganz genau schauen Anleger bei der Parlamentswahl in Österreich am nächsten Sonntag hin.


Am Mittwoch stehen die Protokolle der letzten Fed-Sitzung auf der Agenda. Sie könnten Anlegern Hinweise auf den weiteren Zinsanhebungskurs der US-Notenbank Fed geben. Bisher rechnen Ökonomen damit, dass es in diesem Jahr noch eine Leitzinserhöhung geben dürfte.

Spannend wird auch sein, ob die Europäische Zentralbank (EZB) neue Hinweise dafür liefert, wann die Politik des billigen Geldes ein Ende findet. Die in dieser Woche veröffentlichten Protokolle der EZB-Ratssitzung konnten nur bedingt Aufschluss geben. Am Freitag stehen zudem die Daten des Michigan-Verbrauchervertrauens für Oktober und am Donnerstag die Daten zur Industrieproduktion im Euroraum auf der Agenda.


Auch die Berichtssaison der Unternehmen für das dritte Quartal wirft ihre Schatten voraus. Am Donnerstag öffnen die beiden US-Kreditinstitute Citigroup und JP Morgan ihre Bücher, am Freitag folgen Bank of America und Wells Fargo. „Das könnte nach den zurückgekehrten Hoffnungen auf die US-Steuerreform der nächste Treiber für die Börsen werden“, prophezeit Robert Greil. Anleger wollen hier vor allem wissen, ob die US-Häuser den europäischen Konkurrenten weiter davonlaufen können.

In Deutschland berichten im Wochenverlauf bereits ein paar kleinere Firmen über ihre Zahlen, wie etwa Gerresheimer am Mittwoch und Südzucker am Donnerstag. Bei beiden Unternehmen endete das letzte Geschäftsquartal bereits im August. Bei der insolventen Fluggesellschaft Air Berlin stehen Weichenstellungen an. Die exklusiven Verhandlungen mit der Lufthansa und Easyjet sollen bis Donnerstag abgeschlossen sein. Dann dürfte feststehen, wer welche Teile der Fluggesellschaft samt Maschinen übernimmt.

Mit Reuters

KONTEXT

Meilensteine des Dax

1. Juli 1988

Der Dax wird aus der Taufe gehoben. Basis der Berechnung ist der 30. Dezember 1987 mit einem Wert von 1.000 Punkten.

18. November 1996

Bei der Privatisierung der Deutschen Telekom wird die T-Aktie als Volksaktie vermarktet. Das Interesse der Öffentlichkeit am Dax nimmt dramatisch zu.

7. März 2000

Der Dax erreicht ein Rekordhoch von 8136,16 Punkten. Händler begründen die Euphorie mit Fusionsfieber. Ein geplanter Zusammenschluss der Deutschen mit der Dresdner Bank scheitert aber. Die Dresdner Bank geht an die Allianz, die sie im Mai 2009 an die Commerzbank weiterreicht. Auf dem Höhepunkt der Börseneuphorie wird die Chip-Tochter von Siemens, Infineon, zu einem Emissionspreis von 35 Euro an den Anleger gebracht. Die Platzierung ist 33-fach überzeichnet. Danach beginnt beim Dax eine langjährige Abwärtsbewegung, die von den Anschlägen in New York und Washington am 11. September 2001 verschärft wird.

12. März 2003

Der Dax rutscht unter 2200 Punkte und notiert damit so tief wie zuletzt im November 1995. Im Laufe des Jahres dreht er. Mit der Erholung der Weltwirtschaft in den Folgejahren wächst auch das Vertrauen in die Gewinnentwicklung der Unternehmen wieder.

13. Juli 2007

Mit 8.152 Zählern setzt der Dax einen neuen Meilenstein. Trotz erster Bankenpleiten und Notoperationen der EZB am Geldmarkt hält sich der Dax zu Beginn des Krisenjahres 2008 über 8000 Zählern. Doch ab dann geht es bergab. 2009 beschleunigt der Absturz des Immobilienfinanzierers Hypo Real Estate die Talfahrt des Dax.

9. März 2009

Die Krise der Banken hat Tribut gefordert: Mit 3588 Punkten erreicht der Dax zeitweise den niedrigsten Stand seit Oktober 2003. Doch es gibt Hoffnung. Denn nur wenige Tage später wirft die Fed die Notenpresse an. Von nun an geht es bergauf. Am 25. Oktober schafft der Dax zum ersten Mal in seiner Geschichte den Sprung über die Marke von 9000 Punkten.

5. Juni 2014

Erstmals in seiner Historie ist der Dax fünfstellig. Um 14:33 Uhr knackt der deutsche Leitindex die magische Marke und steigt bis auf 10.014 Punkte.

22. Januar 2015

EZB-Präsident Mario Draghi beschließt ein Anleihekaufprogramm im Stile der Federal Reserve. Die Zentralbank wird bis September 2016 Staats- und Unternehmensanleihen im Wert von 60 Millionen Euro aufkaufen. Insgesamt sollen so 1,14 Billionen in die Märkte gespült werden. Der Dax springt nach nervösen Pendelbewegungen auf ein Rekordhoch von 10.454 Punkten. In den folgenden Tagen hält die Hausse an, am 13. Februar springt der Dax das erste Mal über in seiner Geschichte über die 11.000-Punkte-Marke. Damit sollte die Rekordjagd aber gerade erst beginnen.

16.März 2015

Bereits wenige Wochen nach der Eroberung der 11.000-Punkte steht ein weiterer Meilenstein der Dax-Geschichte auf der Börsen-Agenda. Der Leitindex klettert zum ersten Mal über 12.000 Punkte. Weder der Konflikt in der Ostukraine noch der sich immer weiter zuspitzende Schuldenstreit scheinen die Börsenteilnehmer groß zu stören. Sie kaufen Aktien und befeuern die Hausse.

14. Juni 2017

In Erwartung einer positiven Zinsentscheidung der US-Notenbank knackt der Dax das erste Mal im Laufe seiner Geschichte die 12.900 Punkte und erreicht schließlich sein Allzeithoch von 12.921 Punkten. Schon in den Monaten zuvor hatte der Dax im Anschluss an den Erfolg des europafreundlichen Politikers Emmanuel Macron bei der Präsidentschaftswahl in Frankreich seinen Höchststand mehrfach verbessert.

20. Juni 2017

Einen Tag vor der Sommersonnenwende des Jahres 2017 treiben Dax-Anleger das deutsche Börsenbarometer erneut auf einen Rekord. Im Verlauf des Handelstages steigt der Dax auf 12.952 Punkte.