Fünf Tote und mehr als 400 Verletzte bei neuen Zusammenstößen im Gazastreifen

Bei neuen Zusammenstößen an der Grenze zwischen Israel und dem Gazastreifen ist am Freitag mindestens ein Palästinenser getötet worden. Protestierende Palästinenser setzten Reifen in Brand und warfen Steine in Richtung israelischer Soldaten

Bei neuen Massenprotesten an der Grenze zwischen Israel und dem Gazastreifen sind am Freitag mindestens fünf Palästinenser getötet worden. Mehr als 400 weitere palästinensische Demonstranten wurden verletzt, wie das Gesundheitsministerium in Gaza mitteilte. Nachdem bereits vor einer Woche bei Protesten 19 Menschen getötet worden waren, mehrten sich international die Aufrufe zu Besonnenheit.

Unter den Todesopfern vom Freitag befindet sich nach Angaben des Gesundheitsministeriums ein 16 Jahre alter Junge. Er sei östlich von Gaza erschossen worden, ebenso wie ein 38-jähriger Mann. Ein dritter Palästinenser sei im Süden des Gazastreifens bei Chan Junis getötet worden, zwei weitere östlich von al-Bureidsch im Zentrum des Gebiets.

Die israelische Armee erklärte, etwa 20.000 Palästinenser hätten sich an den neuerlichen Kundgebungen beteiligt. Demonstranten setzten Reifen in Brand und warfen Steine in Richtung israelischer Soldaten, wie AFP-Reporter beobachteten.

Die Sicherheitskräfte wurden nach eigenen Angaben mit Sprengsätzen und Molotowcocktails angegriffen. Die Soldaten hätten darauf auch mit scharfer Munition geantwortet, hieß es. Palästinenser hätten zudem versucht, die "Sicherheitsschranke" im Schutz des Rauchs brennender Reifen zu "beschädigen". Die Sicherheitskräfte setzten dagegen riesige Ventilatoren und Wasserwerfer ein.

Jahja Sinuar, Chef der radikalislamischen Hamas im Gazastreifen, begrüßte die Kundgebungen. Diese zeigten, dass Gaza an seine "Freiheitsambitionen" festhalte, sagte er vor Demonstranten bei Chan Junis.

Die israelische Regierung hatte bereits am Donnerstag harte Reaktionen auf mögliche Ausschreitungen angekündigt. "Wir haben nicht die Absicht, die Vorschriften für den Gebrauch von Schusswaffen zu ändern", erklärte Israels Verteidigungsminister Avigdor Lieberman.

Am Freitag vergangener Woche hatten zehntausende Palästinenser an der Grenze zu Israel für ein Rückkehrrecht vertriebener Palästinenser demonstriert. Bei Zusammenstößen wurden 19 Palästinenser getötet und laut palästinensischen Behördenangaben mehr als 1400 weitere verletzt.

Angesichts der neuen Gewalt rief der UN-Sondergesandte für die Region, Nickolay Mladenow, die israelischen Sicherheitskräfte zu "maximaler Zurückhaltung" auf. Zugleich ermahnte er die Palästinenser, Reibereien zu vermeiden. Jason Greenblatt, der Gesandte von US-Präsident Donald Trump für den Nahen Osten, verurteilte die "Führer und Demonstranten" der Palästinenser, die zu Gewalt aufgerufen hätten und Menschen zu den Grenzbefestigungen "schicken".

Bereits harte Vorgehen der israelischen Armee vor einer Woche hatte international Kritik ausgelöst. UN-Generalsekretär Antonio Guterres mahnte Israel zur Zurückhaltung. Opfer müssten vermieden werden, Zivilisten müsse das Recht auf friedliche Demonstrationen gewährt werden, betonte er.

Die Bundesregierung äußerte sich besorgt über möglicherweise gezielte Schüssen der israelischen Armee auf Palästinenser. Alle Maßnahmen zur Verteidigung von Israels Sicherheitsinteressen müssten "verhältnismäßig" sein, sagte ein Sprecher des Auswärtigen Amts am Freitag in Berlin. "Demonstranten dürfen nicht beschossen werden", betonte er. Ebenso dürfe auf palästinensischer Seite das Recht auf freie Meinungsäußerung und friedlichen Protest nicht missbraucht werden.

"Die große Anzahl der Schussverletzten lässt sich kaum mit einer maßvollem Anwendung des Rechts auf Selbstverteidigung in Einklang bringen", sagte der Sprecher. Die Bundesregierung erwarte, dass dies aufgeklärt werde. Sie sehe angesichts der hohen Zahl an Opfern "die Verhältnismäßigkeit in Zweifel gezogen".

Die Palästinenserproteste sollen noch bis Mitte Mai dauern. Israel feiert am 14. Mai den 70. Jahrestag seiner Staatsgründung. Am gleichen Tag soll die US-Botschaft auf Beschluss von US-Präsident Donald Trump nach Jerusalem umziehen. Mehr als 700.000 Palästinenser wurden im Zuge der israelischen Staatsgründung vertrieben. Sie fordern ein Rückkehrrecht auf ihr enteignetes Land.