Neue Zahlen zeigen, wie wenig Angel-Investorinnen es wirklich gibt

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Hierzulande sind nur 12,9 Prozent der Business Angels weiblich. Verena Pausder ist eine von ihnen.
Hierzulande sind nur 12,9 Prozent der Business Angels weiblich. Verena Pausder ist eine von ihnen.

Verena Pausder, Gesa Miczaika, Doreen Huber, Lea-Sophie-Cramer – die Liste der Angel-Investorinnen trägt prominente Namen, aber sie ist noch nicht lang genug: Eine Handelsregisterauswertung von Startupdetector, die Gründerszene vorliegt, zeigt, wie groß die Kluft zwischen Männern und Frauen in der Investorenszene noch ist. Demnach beläuft sich die Anzahl an Frauen in dem Geschäft hierzulande auf gerade einmal 12,9 Prozent, 8.500 männlichen Business Angels stehen nur 870 Angel-Investorinnen gegenüber.

Ähnlich wie ihre männlichen Kollegen investieren Investorinnen laut der Auswertung in die Branchen Medizin, E-Commerce, Software-Produkte, Lebensmittel und in den Finanzsektor. Aber auch Themen wie Bildung und Immobilien interessieren weibliche Business Angels. Unterscheiden tun sie sich jedoch besonders darin, dass Angel Investorinnen mit 24,4 Prozent häufiger frauengeführte Startups mit Geld versorgen als Männer. Letztere investieren nur zu 16,6 Prozent in Startups mit Frauen in der Geschäftsführung.

Gründerinnen sammeln weniger Geld von männlichen Angels ein

Der Mangel an Angel-Investorinnen hinterlässt Spuren im Startup-Ökosystem. So sind rein männliche Gründungsteams laut dem Startup Monitor 2021 weiterhin in der Mehrheit. Der Anteil an Gründerinnen liegt demzufolge bei knapp 18 Prozent, eine Steigerung von 1,8 Prozent zum Vorjahr.

Auch wenn der Frauenanteil steigt, der Gender Bias besteht weiter, also die unterschiedliche Wahrnehmung von Männern und Frauen, resümiert der Female Founders Report aus dem letzten Jahr. Gründerinnen haben es dementsprechend schwerer, Geld für ihre Vorhaben einzusammeln. Von rund 33 Prozent an Frauen, die Angelinvestments als Finanzierungsform bevorzugen, erhalten nur sieben Prozent auch eine Finanzierung.

Das hat etwas damit zu tun, dass Investoren unterschiedliche Maßstäbe in der Bewertung von Gründerinnen und Gründern anlegen, wie sich bei einer Untersuchung des New Yorker-Startup Ökosystems herausstellte. Demnach werden männliche Gründerteams häufig über ihre Zukunftsvisionen befragt, Frauen werde hingegen mehr Skepsis entgegengebracht. Typische Fragen lauteten dann etwa, wie ihre Finanzierungsprognosen oder der aktuelle Kundenstamm aussähen, auch wenn sich die Qualität der Firmen und der Kapitalbedarf der Frauen und Männer ähnelten.

Diese frauengeführten Fonds investierten am häufigsten

Laut Startupdetector haben Business Angels in einem Zweijahreszeitraum zwischen 2019 bis 2021 in rund 2600 Startups investiert. Der Auswertung zufolge investierten sie dabei im Schnitt in ein Startup. Eine Liste der Analysefirma zählt auf, welche frauengeführten VC-Fonds mehr als fünf Startups mit finanziellen Mitteln ausgestattet haben. Sie zeigt außerdem, wie vielfältig die Investments weiblicher Business Angels ausfallen können – von Edtechs über KI und Biotech hin zu veganem Nagellack.

Platz eins belegt der Berliner Risikokapitalgeber High Rise Ventures. Der auf Proptech spezialisierte Venture-Capital-Fonds tätigte in den knapp zwei Jahren insgesamt zehn Investments, unter anderem in die Luftsensor-Technologie des Münchener Startups Rysta. Platz zwei belegt der Münchener VC Good Face Capital, das sein Geld in die Nagellack Firma Gitti steckte, dicht gefolgt von Occident, auch ein VC mit Sitz in München und einer Menge Biotech Startups im Portfolio.

Verena Pausders Risikokapitalfirma Pausder Ventures belegt Platz vier im Ranking – mit sieben Investments in rund zwei Jahren. Der Risikokapitalfonds hat sich dabei unter anderem bei Edtechs wie Simple Club, Tomorrow's Education und zuletzt Cleverly engagiert. CK Venture Capital aus München wird von den zwei Geschwistern Conny Hörl und Katja Ruhnke geleitet, die etwa in das weiblich geführte Startup Uncap investierten – einer Lösung, die den Due Diligence Prozess automatisieren soll. Golzern Holding aus Leipzig investierte ebenfalls in sechs junge Firmen, unter anderem in das Unternehmen Kopernikus Automotive, einem Berliner KI-Startup.

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