Werden neue Richtlinien in den USA für selbstfahrende Autos die Branche in Schwung bringen?

Motley Fool Investmentanalyst

Das Verkehrsministerium hat vor Kurzem überarbeitete Richtlinien für selbstfahrende Autos herausgegeben, die die Richtlinien der Regierung Obama aus dem vergangenen Jahr etwas lockern. So wurde z. B. eine 15-Punkte-Sicherheitsbeurteilung auf 12 Punkte verkürzt und Level-2-Fahrzeuge mit Teilautomatisierung wie z. B. Crash-Vermeidung wurden aus diesen Regelungen ausgenommen.

Viele fragen sich jedoch, wie sich diese Richtlinien auswirken werden, da Sicherheitsbewertungen nach wie vor freiwillig sind und die Autohersteller bisher noch keine eingereicht haben. Die zwingenden Regeln für größere Fragen wie Sicherstellung der Funktionsfähigkeit der Systeme sowie die Förderung nach gemeinsamem Datenaustausch hängen weiterhin von den Gesetzesentwürfen im Kongress ab.

Im Gespräch mit der Los Angeles Times warnte John Simpson, der Datenschutzbeauftragte von Consumer Watchdog, dass die neuen Richtlinien den Herstellern komplett freie Hand lassen würden. Somit würden Straßen zu privaten Labors für Roboterautos ohne Rücksicht auf die Sicherheit der Menschen. Verkehrsministerin Elaine Chao argumentiert aber, dass weniger Richtlinien es den Automobilherstellern erlauben würden, innovativer und kreativer zu arbeiten.

Die neuen Richtlinien mögen es den Automobilherstellern im Großen und Ganzen vielleicht etwas erleichtern, selbstfahrende Autos zu entwickeln und zu testen, doch es ist sicherlich kein Spiel, das die Branche in Schwung bringen wird. Werfen wir nun einen Blick darauf, was gerade in der Industrie vorgeht und warum sich hier vieles ändern muss, während Datensicherheit und Sicherheitsbedenken angesprochen werden müssen, bevor Roboterautos auf die Straße dürfen.

Welche Unternehmen setzen auf selbstfahrende Autos?

Viele Auto- und Chiphersteller sowie Internetsoftware-Unternehmen Investieren stark in diesen Markt. Ford plant, 2021 ein völlig autonomes Fahrzeug für Taxidienste auf den Markt zu bringen und könnte fünf bis zehn Jahre später autonome Fahrzeuge auch an Privateigentümer verkaufen.

Der Autopilot von Tesla bietet jetzt schon Level 2 an, doch wurde das Unternehmen wurde nach einem tödlichen Unfall, der im letzten Jahr passierte, während der Autopilot aktiviert war, kritisiert. Tesla wechselte daraufhin von seinem bisherigen Computer-Vision-Chiplieferanten Mobileye zu NVIDIA (WKN:918422).

Viele Automobilhersteller setzen bei ihren Infotainment- und Navigationssystemen auf die Tegra-Chips von NVIDIA. NVIDIA baut auf diesen Grundlagen weiter auf und startete Drive PX, einen Supercomputer, der hinter vielen autonomen Systemen steht. Die Chips von NVIDIA versorgen auch den A8 von Audi, das weltweit erste autonome Auto mit Level 3, das nach Unternehmensangaben mit Geschwindigkeiten von bis zu 37 mph (etwa 60 km/h) auf Straßen mit Leitplanken fahren kann, die den Verkehr der beiden Fahrtrichtungen voneinander trennen.

Der Erfolg von von NVIDIA inspirierte auch andere Chiphersteller wie Intel und Qualcomm zum Markteintritt. Intel hat vor Kurzem Mobileye und andere Unternehmen in diesem Bereich gekauft, während Qualcomm plant, NXP Semiconductors, den größten Automobilchip-Hersteller der Welt, zu kaufen.

Im Internet-Software-Markt arbeiten Unternehmen wie Alphabet (WKN:A14Y6H) und Baidu (WKN:A0F5DE) an selbstfahrender Technologie. Google hat seine selbstfahrenden Autos bereits auf öffentlichen Straßen getestet und vor Kurzem die Sparte Waymo ausgegliedert. Baidu glaubt, dass selbstfahrende Autos bis 2020 auf die Straßen kommen. Das Unternehmen entwickelt gerade Apollo, eine Open-Source-Software-Plattform, die angeblich das “Android der autonomen Autos” werden könnte.

Hürden

Automobilhersteller und Technologiekonzerne sind von den selbstfahrenden Autos begeistert, aber die breite Masse ist noch nicht überzeugt. Eine Umfrage von AAA Anfang des Jahres ergab, dass sich 54 % der amerikanischen Autofahrer weniger sicher fühlen würden, wenn selbstfahrende Autos auf den Straßen fahren würden, während sie ein normales Auto fahren.

Ein Bericht von Google besagt, dass alle Unfälle selbstfahrender Autos von Google durch menschliche Fahrer verursacht wurden. Das trägt zu der schwierigen Frage bei, ob fahrerlose Autos tatsächlich sicherer sind, wenn noch andere von Menschen gesteuerte Autos unterwegs sind.

Inzwischen deutet eine wachsende Zahl von Sicherheitsproblemen im Internet darauf hin, dass selbstfahrende Autos sehr anfällig für Hacker sein könnten. Google hält seine selbstfahrenden Autos meist offline, um Hackerattacken zu verhindern, während Audi die kritischen Funktionen in einem separaten Netzwerk behält. Das Gefahr, dass selbstfahrende Autos entführt werden könnten, bleibt aber bestehen. Dies ist auch eine der größten Sorgen für Sicherheitsexperten und die Strafverfolgungsbehörden.

Die Automobilhersteller haben ebenfalls gezögert, ihre Daten mit Firmen wie Google zu teilen und sagen, dass die Daten der Kunden monetarisiert werden könnten. Diese Kluft könnte sich noch weiter ausweiten, und das würde es selbstfahrenden Autos zusätzlich erschweren, von der breiten Masse akzeptiert zu werden. Die Bus-, LKW- und Taxifahrer, die durch selbstfahrende Autos ersetzt werden könnten, könnten über ihre Gewerkschaften auch Lobbyarbeit dagegen betreiben.

Es gilt also noch vieles zu klären.

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Suzanne Frey ist Führungskraft bei Alphabet und Mitglied des Vorstands von The Motley Fool.

The Motley Fool besitzt und empfiehlt Alphabet (A und C), Baidu, Ford, Nvidia und Tesla. The Motley Fool besitzt Qualcomm. The Motley Fool empfiehlt Intel und NXP Semiconductors.

Dieser Artikel wurde von Leo Sun auf Englisch verfasst und am 23.09.2017 auf Fool.com veröffentlicht. Er wurde übersetzt, damit unsere deutschen Leser an der Diskussion teilnehmen können.

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