Inbetriebnahme von französischem Atomreaktor Flamanville verzögert sich weiter

Atomkraftgegner nahe dem Reaktor-Baugelände

Die Inbetriebnahme des neuen Atomreaktors im nordfranzösischen Flamanville verzögert sich erneut um Jahre: Die Atomsicherheitsbehörde ASN in Paris forderte den mehrheitlich staatlichen Betreiber EDF am Donnerstag auf, fehlerhafte Schweißnähte zu reparieren, bevor der Druckwasserreaktor ans Netz geht. EDF will die Reparaturen nach Angaben der ASN bis Ende 2022 durchführen - zehn Jahre nach dem ursprünglich geplanten Betriebsstart des Reaktors.

Der Kraftwerks-Betreiber EDF hatte "erhebliche Löcher" in Schweißnähten in dem Betonmantel festgestellt, der bei einem Störfall den Austritt von Radioaktivität verhindern soll. Zuvor hatte die französische Atomaufsicht bereits Mängel bei dem verbauten Stahl festgestellt.

Der Bau des neuen Reaktors vom Typ EPR in Flamanville wird seit Jahren von massiven Schwierigkeiten begleitet. Eigentlich hätte das Prestigeprojekt schon 2012 ans Netz gehen sollen, zuletzt wollte EDF die Brennstäbe Ende dieses Jahres einsetzen.

Die Baukosten haben sich auf fast elf Milliarden Euro verdreifacht. Die Regierung will in Kürze entscheiden, ob weitere Druckwasserreaktoren in Frankreich gebaut werden, um die veralteten Atomkraftwerke zu ersetzen.

Ursprünglich machte Paris von der Inbetriebnahme von Flamanville die Schließung des ältesten französischen Atomkraftwerks in Fessenheim nahe Freiburg im Breisgau abhängig. Nun betonte Umwelt-Staatssekretärin Brune Poirson aber, die Regierung wolle "Kurs halten" und die beiden Reaktoren in Fessenheim 2020 abschalten, wie es Präsident Emmanuel Macron zugesagt hat. Deutschland und die Schweiz fordern schon lange das Aus für Fessenheim.