Neue Pflicht zur CO2-Messung: Ihr Tool richtet sich an Tausende Firmen

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Lorenz Hetzel, Gyri Reiersen, Till Wiechmann und Fabian Sinn (v.l.n.r.) kassierten in ihrer ersten Pre-Seed-Runde 1,6 Millionen Euro von Investoren ein.
Lorenz Hetzel, Gyri Reiersen, Till Wiechmann und Fabian Sinn (v.l.n.r.) kassierten in ihrer ersten Pre-Seed-Runde 1,6 Millionen Euro von Investoren ein.

Sei es der Lichtschalter, die Kaffeemaschine oder eine Handvoll Nüsse zum Frühstück: Man hinterlässt stets einen CO2-Fußabdruck und den genau zu berechnen, ist kompliziert. Allerdings sind ab 2023 zumindest europäische Unternehmen dazu verpflichtet, ihre CO2-Emissionen zu messen. Die neue CSRD-Beitragspflicht (Corporate Sustainability Reporting Directive) betrifft sämtliche Firmen mit mindestens 250 Mitarbeitern, allein in Deutschland sind das Tausende. Wie sie ihre Emissionen künftig messen, das ist ihnen selbst überlassen. Doch fest steht: Ab dann müssen sie in ihren Jahresabschlüssen sogenannte ESG-Informationen über Umwelt, Soziales und verantwortungsvolle Unternehmensführung veröffentlichen. Das heißt, dass Unternehmen Auskunft darüber geben müssen, in welchem Maß sie nachhaltig sind.

Das Startup Tanso aus München tüftelt derzeit an einer Software, mit der Industrieunternehmen ihren CO2-Fußabdruck detailliert erfassen können. Dafür benötigt die Tech-Firma einen enormen Datensatz von seinen Kunden, etwa über die Arbeitsabläufe in den Unternehmen – aber auch zusätzliche Informationen über Flugstrecken oder den Elektrizitätsverbrauch. Das lasse sich noch einfach analysieren, so Mitgründer Fabian Sinn im Gespräch mit Gründerszene. Schwieriger werde es, Materialverbräuche in Treibhausgase umzurechnen. Doch auch diese Daten soll das Tool des Startups mithilfe von automatisierten Analyseverfahren ermitteln und auf einer Plattform bündeln können. Daraus sollen Unternehmen die Möglichkeit bekommen, Einsparziele zu identifizieren.

Einen Monat nach der Gründung sammeln die Gründer Millionen ein

Fabian Sinn (25), Lorenz Hetzel (24), Till Wiechmann (26) und Gyri Reiersen (26) haben das Startup Tanso im August 2021 gegründet. Die vier lernten sich während ihres Studiums kennen und beschäftigten sich mit der Frage, wie man die Produktion von Treibhausgasen von Unternehmen am besten bilanziert. Die Software von Tanso ist noch nicht auf dem Markt, der Start sei für Ende 2022 geplant, so Sinn.

Nichtsdestotrotz sammelten die Gründer im Rahmen einer Pre-Seed-Finanzierung Mitte September 1,6 Millionen Euro ein. Angeführt wurde die Runde vom Münchner Frühphaseninvestor UVC Partners, der ebenfalls in das Sensorik-Startup Konux als auch in Flixbus investiert ist. Auch Picus Capital und Possible Ventures sowie mehrere Business Angels haben im Zuge der Finanzierungsrunde Geld bereitgestellt, darunter Führungskräfte vom HR-Startup Personio und der Roboter-Firma Uipath.

„Klimaneutralität ist oft nur ein Label“

Dass im Nachhaltigkeitsmanagement vieler Firmen große Lücken bestehen, bestätigt eine Studie des Umweltbundesamtes. Prozesse in der Nachhaltigkeitsbilanzierung seien demnach besonders von strukturellen Barrieren gekennzeichnet, so Sinn. Sprich: Man ermittelt den Elektrizitätsverbrauch, tippt die Ergebnisse in eine Excel-Tabelle und leitet sie via Mail an die zuständige Stelle weiter. Diese Praxis sei nicht nur fehleranfällig, sondern auch zeitaufwendig. Und weil Unternehmen diese Aufgaben oftmals nicht mehr mit internen Ressourcen stemmen können, engagierten sie externe Beratungsfirmen, sagt der Tanso-Gründer. „Doch so richtig mehrwertschaffend ist es nicht, wenn die Nachhaltigkeitsberater durch die Abteilungen laufen und Excel-Listen anfragen.“

„Derzeit ist Klimaneutralität oft nur ein Label“, erzählt Mitgründerin Reiersen – also nützlich für das Eigenmarketing, aber es werde in Firmen nicht immer konsequent daran gearbeitet. Das will die gebürtige Norwegerin ändern, – auch weil sie bereits prägende Erfahrungen in Hinblick auf Krisen gesammelt hat. Die Folgen der Erdölkrise 2014 hätten die 26-Jährige während ihres Studiums in Frankreich nicht verschont gelassen. Aufgrund schwankender Wechselkurse habe sie letztendlich Hunderte Euro mehr gezahlt als geplant.

Der Trend zur Nachhaltigkeit hat auch die Firma Planetly von Outfittery-Mitgründerin Anna Alex auf den Plan gerufen. Das 2020 gegründete Software-Startup hat ein ähnliches Tool entwickelt, welches den CO2-Verbrauch von Firmen analysiert. Darüber hinaus bietet Planetly Kompensationsmöglichkeiten an, Tanso jedoch nicht. Denn das Münchener Startup sei eine Software- und keine Beratungsfirma, so Mitgründer Sinn.

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