Das ist der neue Oetker-Fonds, der Hidden Champions wie Flaschenpost aufspüren soll

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Lena Brüggen, Philip Stark, Chef Stefan Peters und Andreas Rösch (v.l.n.r.) investieren für Be8 Ventures.
Lena Brüggen, Philip Stark, Chef Stefan Peters und Andreas Rösch (v.l.n.r.) investieren für Be8 Ventures.

Die Oetker-Gruppe war für die deutsche Gründerszene jahrelang eher unbedeutend. Die Digitaleinheit hat einige Projekte finanziert, selbst inkubiert, aber war nie so richtig erfolgreich. An Fonds wie Atlantic Food Labs beteiligte sich Oetker, um einen Fuß in der Szene zu haben. Ende 2020 überraschten die Bielefelder dann mit dem Kauf des Getränkelieferanten Flaschenpost für über 800 Millionen Euro. Mit einem Schlag war Oetker relevant. Und wird es immer mehr.

Vor einem Jahr gründete der Konzern den Venture-Fonds Be8. Der Finanzchef von Oetker Digital und auch hauseigene Fondsverwalter, Stefan Peters, baute die Einheit auf. Der 48-Jährige war jahrelang Berater bei der Wirtschaftsprüfung Ernst & Young, verwaltete später das Portfolio von Axel Springer Digital Ventures und auch Holtzbrinck Digital. Monatelang suchte Peters nach der richtigen Ausrichtung, einem geeigneten Team und dem ersten Investment.

Bewertungen bis zu 200 Millionen Euro

Im März machte Be8 sein Investmentdebüt mit Bluu Bioscience. Sieben Millionen Euro bekam das Berliner Startup insgesamt, das Fisch im In-Vitro-Verfahren herstellt. Es folgten eine minimale Beteiligung am spanischen Lebensmittel-Unicorn Glovo und Anteile am Fleischersatz-Hersteller Planted. Zwischen einer und zehn Millionen Euro stecke der Fonds in Startups, sagt Peters im Gespräch mit Gründerszene. „Wir sind ein Early-Growth-Investor, wir machen in der Regel keine Seed-Runden.“ Bewertungen von zehn Millionen Euro seien dem Food-Investor zu früh, Be8 steige bei Firmenwerten von mindestens 25 bis hin zu 200 Millionen Euro ein.

Im Fokus liegen Firmen, die Produkte entlang der Wertschöpfungskette entwickeln, seltener Apps. Dieser Schwerpunkt hat sich seit der Gründung verändert, Anfang des Jahres sprach Peters noch von Logistikportalen, Lieferdiensten und tierischem Ersatz. Dieser Ansatz habe sich im Laufe der Monate und nach zahlreichen Gesprächen weiterentwickelt.

Be8 entscheidet unabhängig von Oetker

„Wir investieren nicht strategisch, sondern rein rendite-orientiert“, so der Be8-Chef. Der Fonds laufe zehn Jahre. Das Geld kommt nur von der Oetker-Gruppe. „Wir haben Kapital im niedrigen dreistelligen Millionenbereich zur Verfügung.“ Der Lebensmittelkonzern müsse keine Investments absegnen, stelle aber Expertise und sein Netzwerk bereit. So bekomme die Gruppe einen einfachen Zugang zu Trends. Auch Herausforderungen, mit denen Oetker gerade zu kämpfen hat, geben die Bielefelder weiter. So lasse sich beispielsweise ein Feld ausmachen, das für Hersteller interessant sein könnte, sagt Peters. Alternativen zu Käse etwa. Der Be8-Investor betont aber, dass sein Fonds unabhängig von seinem Geldgeber und anderen Schwesterfirmen arbeite.

Noch ist Be8 in der Findungsphase, baut sich einen Dealflow und Reputation auf. Mit Dr. Oetker im Hintergrund dürfte das keine Schwierigkeit sein. Dennoch ist die Konkurrenz unter den Food-Investoren groß. Five Season Ventures aus Paris hat gerade einen Fonds über 180 Millionen Euro abgeschlossen und bislang Startups wie Air Up und den Milchersatz von Vly finanziert. Gorillas-Investor Atlantic Food Labs hat diese Woche einen Fonds über 100 Millionen Euro bekannt gegeben. Geld ist da und Food-Gründer profitieren davon.

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