Neue Mars-Mission der Nasa soll Frühgeschichte des Roten Planeten erforschen

Die US-Raumfahrtbehörde Nasa will am Samstag eine Raumsonde zum Mars schicken, die zwei Jahre lang die Frühgeschichte des Roten Planeten erforschen soll. Eines der Hauptexperimente der Mission InSight stammt aus Deutschland - eine kleine Sonde, die sich fünf Meter tief in den Marsboden hämmern wird, wie das Deutsche Raumfahrtzentrum (DLR) am Donnerstag mitteilte. Die Rammsonde HP3 soll im Marsboden Temperatur und Wärmeleitfähigkeit messen.

Ein weiteres Experiment von InSight ist das hochsensible Messgerät SEIS, das vornehmlich von Frankreich mit Hilfe von Deutschland und anderen europäischen Partnern konstruiert wurde. Die Nasa-Mission soll am Samstag um 04.05 Uhr Ortszeit (13.05 Uhr MESZ) an Bord einer Atlas-Rakete vom kalifornischen Militärstützpunkt Vandenberg abheben.

Nach einem erfolgreichen Start von Vandenberg wird InSight erst einmal sechs Monate bis zum Roten Planeten unterwegs sein. Am 26. November soll die Sonde dann auf dem Mars etwas nördlich des Äquators in der Ebene Elysium Planitia landen und ihre Funktion als geophysikalisches Observatorium aufnehmen. Laut DLR wird damit erstmals eine Mars-Mission die Erkundung des Planeteninneren und seiner viereinhalb Milliarden Jahre dauernden Entwicklung zum Forschungsschwerpunkt haben.

"Die InSight-Mission erfüllt einen lang gehegten Wunsch der Planetenforscher: ein geophysikalisches Observatorium auf einem erdähnlichen Planeten", erläutert Tilman Spohn, der Leiter des Experiments HP3 vom DLR-Institut für Planetenforschung in Berlin. "Der Mars ist als Ziel ideal: er ist gut zu erreichen und ein ideales Vergleichsobjekt zur Erde."

Auf dem Roten Planeten haben sich die Prozesse, die sich nach der Bildung eines Metallkerns im Planeteninneren und des darüber liegenden Gesteinsmantels und der Kruste abspielten, wesentlich rascher als auf der Erde verlangsamt. Im Mars sind deshalb möglicherweise bis heute die "Fingerabdrücke" jener Vorgänge erhalten geblieben, die in den erdähnlichen Planeten Kern, Mantel und Kruste bildeten.

Das Experiment HP3 ("Heat Flow and Physical Properties Package") soll um die Jahreswende 2018/19 von der InSight- Raumsonde auf den Marsboden gesetzt werden. Es besteht aus dem auf dem Marsboden stationierten Gehäuse, an dessen Vorderseite eine vertikale Vorrichtung angebracht ist, und der darin befindlichen 40 Zentimeter langen Rammsonde von 27 Millimetern Durchmesser. Sie wird sich mit einem elektrisch angetriebenen Hammerschlagmechanismus über mehrere Wochen Zentimeter für Zentimeter in den Marsboden treiben - vollautomatisch und bis in eine Tiefe von fünf Metern.

Einmal im Marsboden, werden bis zu zwei Jahre lang Bodentemperaturmessungen vorgenommen, um das Temperaturgefälle im Untergrund zu bestimmen. Dabei können die Sensoren Temperaturdifferenzen von nur wenigen Tausendstel Grad Kelvin aufzeichnen.

Der Seismograph SEIS ("Seismic Experiment for Interior Structure") soll Kern, Mantel und Kruste des Mars genau analysieren. "Das soll dabei helfen zu verstehen, wie der Mars entstanden ist", sagte der wissenschaftliche Leiter von SEIS, Philippe Lognonné vom Erdphysikalischen Institut in Paris.

Die SEIS-Daten sollen demnach auch bei der Klärung der Fragen helfen, warum die Vulkane auf dem Mars bereits vor vier Milliarden Jahren erloschen, "die Flüsse austrockneten und der Mars der feindliche Planet wurde, den wir kennen". InSight solle auf diese Weise prüfen, ob Leben auf dem Mars von Vornherein zum Scheitern verurteilt war "wegen der geringen Größe des Planeten, wegen des Fehlens bestimmter Eigenschaften des Mantels", sagte Lognonné.

Wegen Konstruktionsproblemen bei SEIS war der ursprünglich für März 2016 vorgesehene Start von InSight verschoben worden. Der Chef der französischen Raumfahrtbehörde CNES, Jean-Yves Le Gall, hob hervor, InSight sei "die erste Mission in der Geschichte der Nasa, in der das wichtigste Instrument nicht amerikanisch, sondern französisch ist".