Neue IndyCar-Aerodynamik: Will Power will mehr Power

Will Power wünscht sich mehr Qualm an der Kette


Dass das neue IndyCar-Aerokit ein großer Wurf ist, war bereits während der ersten Wintertestfahrten klar. Auf dem Phoenix-Oval, das mittlerweile offiziell "ISM Raceway" heißt, gab es nun die Feuertaufe mit über 20 Autos verteilt auf eine Meile. Die großen Erwartungen bestätigten sich beim ersten offiziellen IndyCar-Vorsaisontest und die Fahrer äußerten sich sehr positiv über die neuen Fahreigenschaften. Die nächste Baustelle wäre schon ausgemacht: Die Motoren.

"Ich bin beeindruckt", sagt Graham Rahal gegenüber 'Motorsport-Total.com'. Der Sohn von IndyCar-Legende Bobby Rahal hatte noch die letzte Generation der ChampCar-Boliden kennengelernt, an der sich das neue Fahrzeug orientiert. "Bei diesen Autos sind die Fahrer wesentlich mehr gefordert. Mit den alten musste man irre Risiken eingehen, weil klar war, dass es auf den Geraden kaum beschleunigen würde." Die neuen Autos haben deutlich weniger Abtrieb und damit auch deutlich weniger Luftwiderstand.

Rahal bestimmte mit seinem Teamkollegen Takuma Sato den ersten Tag der IndyCar-Testfahrten. Seine schnellste Runde von 19,4574 Sekunden war dabei bereits schneller als die schnellste Runde des 2017er-Rennens (Will Power in 19,7446 Sekunden). "Genau so sollte IndyCar sein", schwärmt der 29-Jährige. "Wir müssen uns nicht mit 300 km/h in die Kurve werfen, das ist einfach nur bescheuert. Das Ding hier macht viel mehr Spaß, weil man so viel mehr auf der Geraden beschleunigt. Man lehnt sich auf den Vorderreifen und muss schön progressiv am Kurvenausgang vorgehen. Dann belohnt es einen. Ich mag das."

Braucht IndyCar mehr Leistung?

Auch Ex-Meister will Power hat die alten ChampCars noch erlebt. Seit Milwaukee 2006 hatte er kein Fahrzeug mehr mit einem derartigen Leistungs-/Abtriebsverhältnisauf einem Kurzoval gefahren. Seine Forderung ist deutlich: "Wir brauchen einfach mehr Leistung. Das war damals das große Ding: Wie wir die Leistung in Kurzovalen auf die Strecke brachten." Power hatte seine Forderung nach mehr Dampf bereits in den vergangenen Jahren immer wieder hervorgebracht.

IndyCar hat strikte Regularien für den Ladedruck der 2,2-Liter-V6-Biturbos: 1,5 bar auf Rund- und Straßenkursen (1,65 bar unter "Push-to-Pass"), 1,4 auf Kurzovalen und 1,3 auf Superspeedways. Neben Will Power hat auch Scott Dixon bereits angeregt, auf Kurzovalen mit dem Ladedruck für Nicht-Ovalstrecken zu fahren. Selbst das wäre noch weit weg von den ganz glorreichen CART-Zeiten vor dem 2003 eingeführten Drehzahllimit, als die Motoren über 900 PS leisteten. Die aktuellen Aggregate entwickeln je nach Ladedruck zwischen 600 und 750 PS.

Power plädiert weiter für seinen Plan: "Man hätte einen höheren Reifenverschleiß und die Kurven würden ganz anders gefahren werden. Momentan steigt man einfach mitten in der Kurve voll aufs Gas und alles geht mit Leichtigkeit. Mit mehr Leistung wäre es aggressiver und man würde mehr Fehler am Kurvenausgang sehen. Und man könnte dort jemanden attackieren."

IndyCar bleibt aus Kostengründen beim Thema Ladedruck vorsichtig. Die V6-Motoren müssen eine Laufleistung von 2.500 Meilen (4.000 Kilometer) erreichen, bevor sie getauscht werden dürfen. Will Power sieht kein Problem: "Die Motorenhersteller hatten genug Zeit, den Motor zu entwickeln. Die Zuverlässigkeit ist sehr gut. Man sollte darüber nachdenken."

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