Neue Hoffnung für Uber

Das Investment des japanischen Elektronikkonzerns Softbank zeigt, dass Uber in der Technologiebranche wieder an Glaubwürdigkeit gewinnt. Der Deal ist ein Sieg für den neuen Chef Dara Khosrowshahi. Ein Kommentar.


Uber ist ein Start-up mit Vergangenheit. Allzu oft hatten frühere Fehlentscheidungen, Gaunereien und Skandale die Firma eingeholt. Allzu oft musste der Fahrdienst Besserung geloben. Und allzu oft auch beschäftigte Uber das Gestern und nicht die Zukunft.

Mit dem Investment des japanischen Elektronikherstellers Softbank, der sich mit einer Gruppe von Co-Investoren knapp 18 Prozent für einen Preis in Höhe von 8,7 Milliarden Dollar an dem Fahrdienst sicherte, ändert sich dies nun moderat. Uber blickt wieder nach vorn.

Der Deal ist vor allem ein Sieg für den Chef Dara Khosrowshahi. Der 48-Jährige hatte nach dem Rausschmiss von Gründer Travis Kalanick im August die Führung der kriselnden Firma übernommen. Sein Auftrag lautete, das interne Chaos zu beseitigen und das Vertrauen der Technologiebranche in sein Start-up wiederherzustellen. Schließlich will Uber 2019 an die Börse. Die neue Partnerschaft mit Softbank bringt das Unternehmen diesem Ziel sehr viel näher.

Uber-Gründer und Unruhestifter Travis Kalanick hatte angekündigt, im Fall eines Investments der Japaner dem neuen Management ein Mitspracherecht bei den von ihm kontrollierten drei Plätzen im Aufsichtsrat einzuräumen. Im Gegenzug will Ubers bisheriger Hauptinvestor Benchmark seine Klage gegen den Gründer fallen lassen. Einer der wichtigsten Konfliktpunkte im Start-up scheint damit beigelegt.


Zwei Sitze im Aufsichtsrat fallen künftig an Softbank, das nun 15 Prozent der Anteile an Uber besitzt. Die übrigen neuen Investoren erhalten drei Prozent am Mobilitätsdienst. Das Kapital macht viele aktuelle Uber-Mitarbeiter zu Millionären und frühe Investoren wie Benchmark zu Milliardären. Das beweist künftigen Kapitalgebern, dass sich die Wette auf Uber auszahlt.

Neben den Zahlungen für die Anteile erhält Uber von den Finanziers zusätzliche 1,25 Milliarden Dollar. Dies versorgt den Fahrdienst mit dringend benötigten neuen finanziellen Mitteln. In den Vereinigten Staaten drohen der Firma Strafzahlungen in Milliardenhöhe. Wegen der vertuschten Hacker-Attacke im vergangenen Jahr ermitteln zahlreiche Staatsanwaltschaften, darunter in den US-Bundesstaaten Illinois, Massachusetts, Missouri, New York und Connecticut. In einem Gerichtsverfahren verlangt Alphabets Auto-Tochter Waymo eine Entschädigung in Höhe von 1,8 Milliarden Dollar von Uber.

Auch bei der geplanten Expansion dürfte sich eine Partnerschaft mit Softbank auszahlen. Nach der Entscheidung des Europäischen Gerichtshofs, Uber rechtlich mit Taxi-Dienstleistern gleichzustellen, kann das Start-up mit seinem ursprünglichen Geschäftsmodell mit privaten Fahrern in Europa nicht länger operieren. Es muss in anderen Märkten wachsen. Der japanische Elektronikkonzern, der sich am indischen Uber-Rivalen Ola oder dem chinesischen Fahrdienst Didi beteiligte, könnte neue strategische Partnerschaften in Asien vermitteln.

Für die Chance auf einen Neuanfang muss Uber hohe Einbußen in der Marktbewertung hinnehmen. Softbank-Chef Masayoshi Son konnte bei der Übernahme einen 30-prozentigen Rabatt für die Anteile aushandeln. Die Bewertung von Uber sinkt damit von knapp 70 auf nun 48 Milliarden Dollar. Uber zahlt den Preis für die schweren Managementfehler der Vergangenheit, doch es erkauft sich damit zumindest die Chance, das Gestern endlich hinter sich zu lassen.