Nato will Militär-Einsatz in Kabul nun doch verlängern: Sondertruppe soll Evakuierungen über den August hinaus ermöglichen

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Neue Hoffnung für Hunderte westliche Staatsbürger und Afghanen, die noch in Afghanistan auf ihre Ausreise hoffen: Nach Informationen von Business Insider will die Nato ihre schnelle Eingreiftruppe "Nato Response Force" (NRF) in das Land schicken und ab dem 1. September dort ein Lager betreiben. Auftrag: Unterstützung bei der möglichen weiteren Evakuierung westlicher Staatsbürger und afghanischer Helfer und ihrer Familien.

Die NRF wurde 2014 gegründet und besteht aus rund 25.000 Land-, See- und Luftstreitkräften sowie Spezialeinheiten. Wie viele von ihnen nun nach Afghanistan geschickt werden sollen, ist dem Vernehmen nach noch offen, hängt wohl auch vom Verlauf der Nato-Außenministerkonferenz am heutigen Freitag ab. Ebenfalls unklar ist, wie lange die NRF im Land bleiben würde. Allerdings hatte die Nato bei Gründung der Truppe das Ziel vorgegeben, dass die NRF 30 Tage lang durchhaltefähig sein soll. So wäre es denkbar, dass das Nato-Lager bis Ende September betrieben werden könnte – und dann bis dahin eben auch noch Evakuierungen möglich sind.

Letztlich hängt das aber noch von zwei entscheidenden Faktoren ab:

1. Der Wille der USA, den Flughafen Kabul länger offen zu halten: Die US-Regierung hatte bisher als Ziel ausgegeben, am 31. August alle Truppen abgezogen zu haben. Allerdings sollen sich im Land aktuell noch immer bis zu 15.000 amerikanische Staatsbürger befinden, heißt es aus Nato-Kreisen. Gut möglich, dass ohne ein längeres Verbleiben der US-Truppen in Kabul die Evakuierung nicht abgeschlossen werden kann. Aktuell haben die USA den Kabuler Flughafen fest in ihrer Hand, wachen über ein- und ausgehende Flüge. Die Nato, die eigentlich zuständig dafür wäre, unterstützt lediglich. Dem Vernehmen nach sollen die USA inzwischen signalisiert haben, dass sie bereit wären, den Airport etwas länger offenzuhalten. Gut möglich, dass dies auch der Hintergrund für die jetzt angelaufenen Planungen der Nato sind, die NRF nach Afghanistan zu schicken.

2. Zusicherung der Taliban für sichere Ausreise nicht nur westlicher Staatsbürger, sondern auch afghanischer Ortskräfte: Die Taliban haben den Airport komplett abgeriegelt. Sie lassen bislang westliche Staatsbürger zum Flughafen durch, weisen aber afghanische Helfer, die ebenfalls ausreisen wollen, bislang brutal zurück. Damit sich das ändert und auch die Ortskräfte aus dem Land gebracht werden können, verhandelt derzeit der deutsche Diplomat Markus Potzel mit einer Delegation der Taliban in Doha (Katar). Ein erstes Treffen am Donnerstagabend, so heißt es aus Regierungskreisen, sei erfolgversprechend verlaufen, die Atmosphäre sei "ok" gewesen.

Die Bundeswehr hat seit vorigen Montag mehr als 1600 Menschen aus Afghanistan in Sicherheit gebracht, darunter Hunderte Ortskräfte. Auf der Krisenliste des Auswärtigen Amts befindet sich offenbar aber immer noch eine mittlere dreistellige Zahl von deutschen Staatsbürgern, die noch im Land sind.

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