Neue Hoffnung für Charlie - Achterbahnfahrt für die Eltern

Charlies Eltern, Connie Yates und Chris Gard, versuchen mit allen Mitteln, eine Weiterbehandlung ihres todkranken Säuglings zu erreichen. Foto: Dominic Lipinski

Sie hatten bereits von ihrem Sohn Abschied genommen, da keimt nun wieder Hoffnung auf. Die Eltern des todkranken britischen Babys Charlie Gard machen eine Achterbahn der Gefühle durch. Seit Monaten hoffen sie, dass Charlie für eine experimentelle Therapie in die USA gebracht werden kann.

Sie verloren mit ihrem Wunsch bereits durch alle Instanzen hindurch. Aber nun soll der Fall des elf Monate alten Jungen noch einmal aufgerollt werden. Neue Expertengutachten, die sich auf bisher unveröffentlichte Studienergebnisse stützen, geben Charlie seiner Mutter zufolge eine zehnprozentige Chance auf einen Behandlungserfolg. «Ich hoffe, dass mein Sohn diese Chance erhalten wird», sagt Mutter Connie Yates am Montag in einem BBC-Interview. «Er hat nichts zu verlieren», glaubt sie.

Die Ärzte, die Charlie bisher behandeln, sind anderer Meinung. Sie glauben nicht daran, dass Charlie noch geholfen werden kann. Er leidet an einer seltenen genetischen Erkrankung, in der Fachsprache mitochondriales DNA-Depletionssyndrom (MDDS), wobei insbesondere das Gehirn in Mitleidenschaft gezogen wird. Charlie muss künstlich beatmet und ernährt werden.

Seine Ärzte wollen verhindern, dass er leidet und plädieren dafür, ihn sterben zu lassen. Die Hirnschäden, die Charlie bereits erlitten hat, sind ihrer Meinung nach nicht mehr heilbar. Ob Charlie Schmerzen hat, ist unklar. Er kann sich nicht bewegen und nicht mitteilen. Sein Zustand kann den Ärzten zufolge kaum noch besser werden.

Bei einer ersten Anhörung am Montag zeigte sich der zuständige Richter offen. «Es gibt niemanden, der Charlie nicht retten wollte», sagte er. Allerdings seien «dramatische und neue» Fakten notwendig, um die früheren Entscheidungen rückgängig zu machen.

Charlies Eltern klammern sich an das letzte bisschen Hoffnung, das Leben ihres Sohnes zu retten. Sie sammelten umgerechnet rund 1,5 Millionen Euro an Spenden, um die Behandlung in den USA möglich zu machen. Als sie auch in letzter Instanz vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte scheiterten, schien alle Hoffnung verloren. Schluchzend bringen sie ihre Unterstützer auf den neuesten Stand. «Wir können unseren eigenen Sohn nicht einmal zum Sterben mit nach Hause nehmen», sagte Vater Chris Gard in einer Videobotschaft mit bebender Stimme.

Doch dann kommt wieder Bewegung in den Fall. Papst Franziskus lässt mitteilen, er bete für die Eltern und hoffe, dass ihr Wunsch, Charlie zu begleiten, nicht missachtet werde. US-Präsident Donald Trump schreibt auf Twitter: «Wenn wir dem kleinen Charlie Gard helfen können, (...) würden wir uns sehr freuen, das zu tun.» Charlies Mutter ist sich sicher, dass erst die öffentliche Aufmerksamkeit die erneute Anhörung vor Gericht ermöglicht hat. Noch diese Woche könnte eine Entscheidung fallen.

Der Kinderarzt und Forscher über angeborene Entwicklungsstörungen des Nervensystems, Markus Schülke von der Berliner Charité, ist mit Blick auf die Lebenserwartung von erkrankten Kindern wie Charlie wenig optimistisch. «Das Problem ist: Wenn erst einmal eine Schädigung des Gehirns eingetreten ist, ist es extrem unwahrscheinlich, dass es sich erholt», sagte Schülke der Deutschen Presse-Agentur. Das gelte auch im ebenfalls unwahrscheinlichen Fall einer erfolgreichen experimentellen Therapie.

Hätte Charlie vielleicht ein früherer Therapiebeginn helfen können? Schülke ist skeptisch. Wie er erklärt, können Ärzte bei Patienten wie dem kleinen Jungen bislang nur versuchen, die Symptome zu mildern - die Krankheit an der Wurzel packen, dem Gen-Defekt, können sie bislang nicht. Charlies Eltern hoffen trotzdem auf ein Wunder.

Tweet von US-Präsident Trump

Spendenseite für Charlie Gard

Facebook-Seite von Charlies Mutter

Pressemitteilung des Hospitals zur erneuten Anrufung des Gerichts