Neue Dynamik bei Börsengängen in Deutschland

Vapiano hat den Schritt getan, nun folgt der nächste große Name: Am Freitag begibt sich Delivery Hero aufs deutsche Börsenparkett. Weitere Kandidaten stehen in den Startlöchern.


Der Schlussspurt bei Börsengängen in Deutschland im ersten Halbjahr dürfte nach Einschätzung von Experten für weiteren Schwung sorgen. „Die Stimmung hat sich nach einem relativ verhaltenen Jahresauftakt zuletzt aufgehellt. Und dass mit Delivery Hero sogar ein Einhorn – also ein junges Unternehmen mit einer Bewertung oberhalb der Milliardengrenze – aufs deutsche Börsenparkett kommt, dürfte eine starke Strahlkraft haben“, erklärte Martin Steinbach vom Wirtschaftsberatungsunternehmen EY am Mittwoch.

Der Essens-Lieferdienst Delivery Hero (Lieferheld, Pizza.de, Foodora) will an diesem Freitag (30.6.) in Frankfurt sein Börsendebüt geben. Geplant ist die Platzierung von bis zu rund 39 Millionen Aktien für einen Preis von 22,00 bis 25,50 Euro. Sollten alle Papiere zum oberen Ende der Spanne platziert werden, hätte der Börsengang ein Volumen von fast 996 Millionen Euro.

Es wäre der bisher größte Börsengang des Jahres in Deutschland. Das könne dem Markt im zweiten Halbjahr neue Impulse geben, so Steinbach – „zumal schon einige vielversprechende Kandidaten in den Startlöchern stehen.“ Für das Gesamtjahr rechnet EY mit zehn Börsengängen hierzulande.


In den ersten sechs Monaten sind es – inklusive Delivery Hero – fünf Neuzugänge an der Börse mit einem Gesamtvolumen von 1,4 Milliarden Euro. Erst am Dienstag hatte die Restaurantkette Vapiano erfolgreich den Schritt aufs Parkett vollzogen. Am Freitag geht neben Delivery Hero die Immobiliengesellschaft Noratis an die Börse.

Weltweit war es laut EY das beste erste Halbjahr für Börsengänge seit 2007. Gute Konjunkturaussichten und Rekordstände an den internationalen Aktienmärkten sorgten für einen Boom: Die Zahl der Börsengänge stieg im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 70 Prozent auf 772 – Gesamtvolumen: 83,4 Milliarden Dollar. Mehr Börsengänge weltweit gab es zuletzt in den ersten sechs Monaten 2007 mit 948.

Nach wie vor gibt China den Takt an bei den Börsenneulingen. Laut EY verzeichneten die chinesischen Börsen einschließlich Hongkong in den ersten sechs Monaten 317 Transaktionen, mehr als drei Mal so viele wie in der Vergleichszeit des Vorjahres. Das Emissionsvolumen stieg um gut 150 Prozent auf 25,4 Milliarden Dollar – insgesamt steuerte das Reich der Mitte damit einen Anteil von 41 Prozent zum weltweiten IPO-Geschehen bei.

.Im zweiten Quartal dieses Jahres waren in Hongkong rund 97 Prozent der neuen Aktien überzeichnet. Auf dem chinesischen Festland boten alle Börsengänge bereits am ersten Tag einen Kursanstieg von 44 Prozent. Mehr ist nicht erlaubt. Das Debüt des Finanzdienstleisters Guotai Junan Securities in Hongkong gehörte dabei mit einem Volumen von 2,2 Milliarden Dollar zu den Top-Emissionen im ersten Halbjahr. Den Vogel abgeschossen hat der Instant-Messaging-Dienst Snap aus den USA mit 3,9 Milliarden Dollar.