Neue Commerzbank-Ziele enttäuschen Anleger wegen Kostendruck

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Die Commerzbank AG hat ihre Ziele für zwei wichtige Kennziffern angehoben, fand damit bei den Anlegern aber wenig Gegenliebe. Erneute Verluste der Polensparte verhagelten das Quartalsergebnis und in den neuen Prognosen spiegeln sich nicht nur die steigenden Zinsen, sondern auch die steigenden Kosten.

Die Erträge der Frankfurter Bank gingen in den drei Monaten bis September um 5,9% zurück und lagen damit leicht unter den Schätzungen der Analysten, was auf eine Belastung von fast 750 Millionen Euro bei der polnischen Tochter MBank zurückzuführen ist.

Diese Verluste überschatteten einen 44%igen Anstieg des Zinsüberschusses, der die Commerzbank veranlasste, ihre Ertragsprognose für 2024 auf 10 Milliarden Euro anzuheben. Die Kosten werden ebenfalls steigen, doch insgesamt ergibt sich auch ein höherer Ausblick für das operative Ergebnis.

Der Vorstand unter CEO Manfred Knof hat die Hälfte einer vor fast zwei Jahren eingeleiteten Restrukturierung des Bank hinter sich. Während die Zinserhöhungen der Europäischen Zentralbank das Kreditgeschäft der Bank ankurbeln, treibt die Inflation die Kosten immer stärker nach oben. Die schwache Konjunktur des heimischen Markts hat zudem das Gespenst von Zahlungsausfällen aufkommen lassen.

Die Anleger konnte der erhöhte Ausblick, den die Bank zuvor avisiert hatte, nicht überzeugen. Commerzbank fielen in Frankfurt um bis zu 6,6%, der stärkste untertägige Rückgang seit Ende September. Seit Jahresbeginn liegen die Papiere aber immer noch mit rund 15% im Plus.

Ein Problemfall bleibt die polnische Tochtergesellschaft MBank. Sie streitet in zahlreichen Gerichtsverfahren mit Kunden über in Schweizer Franken vergebene Hypotheken, die wegen der im Vergleich zum Franken geschwächten Lokalwährung Zloty seit Jahren für Unmut sorgen.

Wegen der Verfahren musste die Commerzbank 477 Millionen Euro zurückstellen. Hinzu kamen weitere 270 Millionen Euro wegen eines staatlich verordneten Kreditmoratoriums. Im Ergebnis führte das zu dem seltenen Ereignis eines negativen Ertrags bei der Sparte.

Dennoch bestätigte die Commerzbank ihr Ziel eines Gewinns von mehr als 1 Milliarde Euro in diesem Jahr und sagte, dass sie für 2022 einen Zinsüberschuss von mehr als 6 Milliarden Euro erwartet. In den kommenden Jahren sollen 30% bis 50% des Nettogewinns an die Aktionäre ausgeschüttet werden, für 2022 sollen es 30% werden.

Finanzchefin Bettina Orlopp sagte am Mittwoch, dass die Commerzbank den Rückkauf von Aktien als Ausschüttungsoption in Betracht ziehen wird. Man müsse “zunächst die mehr als 1 Milliarde Euro (Gewinn) liefern, und dann werden wir im Februar oder März darüber diskutieren, wie wir sie ausschütten können, und wir werden alle Instrumente in Betracht ziehen”, sagte Orlopp in einer Telefonkonferenz.

Überschrift des Artikels im Original:Commerzbank Lifts Revenue Outlook on Surging Lending Income (1)

--Mit Hilfe von Anna Edwards und Mark Cudmore.

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