Die neue BVB-Gier: Witsel zieht Vergleich zu Juventus

Patrick Berger

Sie sind wieder da, wo sie sein wollten: Borussia Dortmund ist wieder Bayern-Jäger Nummer 1!

Der BVB nutzte den Patzer von RB Leipzig (0:0 in Wolfsburg) eiskalt aus und überflügelte die "Bullen" nach dem 2:1 in Gladbach in der Tabelle.


Beim Auswärtssieg am Niederrhein stellten die Schwarzgelben einmal mehr ihre neuen Qualitäten unter Beweis. Mittelfeldroutinier Axel Witsel jubelte: "Wir sind total happy. Wir haben in der letzten Woche nicht gut gespielt und trotzdem 1:0 gegen Freiburg gewonnen. Auch diesmal haben wir nur 45 Minuten gut gespielt und gewonnen. So muss das aber manchmal sein. Juventus Turin zum Beispiel gewinnt zehn Mal in der Saison auf diese Art und Weise."

Witsel vergleicht den neuen BVB mit Juventus!

Zorc: "Gefallen, wie die Mannschaft aus dem Sattel gegangen ist"

Der italienische Spitzenklub gewinnt seine Partien oft nur knapp – und wurde dennoch acht Mal in Folge Meister in der Serie A.

Was Witsel mit dem Juve-Vergleich meint: Die Dortmunder stehen hinten deutlich stabiler als zuvor, spielen dreckiger und abgezockter (das forderte der Ex-Turiner Emre Can kurz nach seiner Ankunft in Dortmund) und nutzen ihre Chancen vorne eiskalt. Das findet auch Keeper Roman Bürki: "Wir hatten vielleicht nicht so viele Chancen, haben die aber genutzt."

Der Schweizer erklärte weiter: "Wichtig war, dass wir nach dem 1:1 weitergekämpft haben. Wir sind nach vorne gegangen und haben das Siegtor erzwungen. Wir wollten den direkten Konkurrenten unbedingt schlagen."

Witsel glücklich: "Zuletzt haben wir solche Spiele wie in Gladbach noch aus der Hand gegeben oder Unentschieden gespielt. In diesem Punkt haben wir uns entwickelt."

Beim BVB ist die Gier nach Titeln wieder zurück – sehr zur Freude von Manager Michael Zorc: "Das war ein ganz wichtiger Sieg. Das Ergebnis brauchten wir und wollten wir haben. Mir hat gefallen, wie die Mannschaft nach dem 1:1 aus dem Sattel gegangen ist. Sie wollte das Spiel unbedingt gewinnen."

Hummels: "Richtige Balance aus Künstlern und Arbeitern"

An der neuen Giftigkeit und Galligkeit beim BVB haben nach Ansicht von Mats Hummels vor allem die Winter-Zugänge Can und Erling Haaland einen großen Anteil. "Den Spirit haben wir im Training nach und nach reinbekommen", sagte der Abwehrchef: "Große Teile tragen dazu Emre und Erling bei. Ihre Art tut uns sehr gut, vor allem auch Emre, der verbal voran geht – das tut uns sehr gut, dass wir das noch zwei von der Sorte bekommen haben. Jetzt haben wir die richtige Balance aus Künstlern und Arbeitern - oder Leuten, die beides können."


Man habe eine andere Herangehensweise als in den Monaten zuvor. "Wenn ich die Partie betrachte", führte der Weltmeister von 2014 weiter aus, "dann haben wir den Fight angenommen, sind in die Zweikämpfe gegangen und haben uns nichts gefallen lassen. Das hätte vor ein paar Wochen noch anders ausgehen."

Der Topspiel-Dreier gegen Gladbach gibt dem Pott-Klub nun großes Selbstvertrauen für das Champions-League-Rückspiel am Mittwoch in Paris. Zorc: "Wir erinnern uns gerne an das Hinspiel, da haben wir Paris richtige Probleme bereitet. Paris wird sicher forscher auftreten als bei uns. Wir sind aber jederzeit in der Lage, zwei Tore zu machen. Das Selbstbewusstsein sollten wir haben."

Mit der abgezockten Juve-Art ist für den neuen BVB auch in Paris alles drin.