Neue Bürozeiten? Bayerische Firma testet den Sechs-Stunden-Arbeitstag

Volle Konzentration statt Ganztagsjob: In Bayern versucht sich ein Unternehmen an dieser Devise. (Symbolbild: Getty Images)

Die 40-Stunden-Woche könnte schon bald ausgedient haben. Immer mehr Unternehmen setzen auf alternative Arbeitszeitmodelle, um Mitarbeiter glücklicher und zeitgleich leistungsfähiger zu machen. In Niederbayern scheint ein solcher Versuch aufzugehen.

Die Firma JobRoller, eine Online-Stellenbörse aus Straubing, macht vor, wie die Arbeitszeitgestaltung der Zukunft aussehen könnte. Dort lässt man die Mitarbeiter nur noch sechs Stunden täglich arbeiten – und das bei vollem Lohnausgleich. Die Angestellten haben die Wahl: Entweder arbeiten sie von 8 bis 14 Uhr, oder sie starten erst um 11 Uhr und machen um 17 Uhr Feierabend.

Die Bedingung: In den sechs Arbeitsstunden müssen die Angestellten auch wirklich hochkonzentriert arbeiten, ohne größere Unterbrechungen. Herkömmliche Mittagspausen gibt es nicht, lediglich bei einer kurzen Raucher- oder Kaffeeauszeit kann man kurz Durchschnaufen. Während der Arbeit gilt zudem ein striktes Handy- und Internetverbot. Wie JobRoller-Chef Günter Dilling gegenüber der Zeitung „Die Welt“ erklärte, seien seit der Umstellung auf das neue Modell Krankenstände und Fehlerraten gesunken.

Maximal eine kurze Kaffeepause ist bei JobRoller in Niederbayern gestattet. (Symbolbild: Getty Images)

Befürworter dieses Modells argumentieren, dass die Arbeit so effizienter gestaltet werden könne und die Mitarbeiter mehr Freizeit haben. Bei herkömmlichen Arbeitstagen mit acht oder neun Stunden pro Schicht würden Angestellte oft viel Zeit auf dem Flur verquatschen, nach Mittagspausen müde an ihrem Schreibtisch sitzen oder sich kleine Auszeiten im Internet gönnen. Laut einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov wünschen sich 53 Prozent der befragten Arbeitnehmer eine solche Verkürzung der täglichen Arbeitszeit – selbst ohne vollen Lohnausgleich.

Für Gegner sind alternative Arbeitszeitmodelle wie jenes von JobRoller jedoch kritikwürdig, weil sie Leistungsdruck forcieren. Laut einer Studie der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung sei die beste Lösung ein Mittelweg: Alternative Arbeitszeitmodelle seien dann gesund, wenn sie die Bedürfnisse der Beschäftigten berücksichtigen. Stehen bei solchen Modellen lediglich die Interessen der Arbeitgeber im Vordergrund, führe dies nicht zwingend zu glücklicheren Mitarbeitern, sondern könne durchaus zu psychischen Leiden bei den Angestellten führen.

Bei JobRoller ist man jedoch voll und ganz überzeugt von dem Sechs-Stunden-Tag: „Solange der Umsatz stimmt und die Aufgaben abgearbeitet werden, bleiben wir bei dem Konzept“, betonte der Unternehmer. Firmenchef Dilling würde sein Modell laut „Die Welt“ gerne adaptiert sehen: „Ich wünsche mir, dass mehr Firmen den Mut haben, das auszuprobieren.“