Neue Belästigungsvorwürfe gegen Kevin Spacey

Der Spacey-Skandal: Immer mehr Männer offenbaren sich. Foto: J.l.cereijido

Gegen US-Schauspieler Kevin Spacey gibt es neue Vorwürfe wegen sexueller Belästigung. Ein Theater in London empfahl den Betroffenen, zur Polizei zu gehen. Spacey äußerte sich bislang nicht dazu.

London (dpa) - Oscar-Preisträger Kevin Spacey (58) soll am Londoner Old Vic Theater mindestens 20 Männer sexuell belästigt haben. Die Vorfälle ereigneten sich bis 2013, teilte das Theater am Donnerstag in London mit.

Der US-Schauspieler hatte dort zwischen 2004 und 2015 als künstlerischer Direktor gearbeitet. Nach ersten Vorwürfen gegen ihn in London hatte das Theater eine Untersuchung eingeleitet.

Die internen Recherchen hätten ergeben, dass Spaceys Berühmtheit Menschen davon abhielt, sich jemandem anzuvertrauen, hieß es. Dies betreffe «insbesondere junge Mitarbeiter und junge Schauspieler». Das Theater habe es offenbar nicht geschafft, eine vertrauensvolle Atmosphäre zu schaffen. Die Theaterleitung entschuldigte sich dafür. Die meisten Vorfälle sollen sich direkt in der Spielstätte ereignet haben.

Ein vom Theater beauftragter Rechtsanwalt sagte vor Journalisten, man habe 14 der 20 betroffenen Männer empfohlen, zur Polizei zu gehen. Drei hätten dies bereits getan. Spacey war zur Teilnahme an der Untersuchung eingeladen, habe aber nicht reagiert.

Anfang November hatte der mexikanische Schauspieler Roberto Cavazos den Oscar-Preisträger schwer beschuldigt. Spacey habe damals Schauspieler in das Theater eingeladen, um «über ihre Karriere zu reden». Dann habe er die Gäste mit einem Picknick und Champagner auf der Bühne erwartet. Die Geschichten variierten darüber, wie weit die Treffen gegangen seien. «Es brauchte wohl nur einen jungen Mann unter 30 und Herr Spacey fühlte sich frei, uns anzufassen», so Cavazos.

Auch in den USA werfen Männer dem «House of Cards»-Star sexuelle Übergriffe vor. Der Streamingdienst Netflix kündigte ihm die Zusammenarbeit auf. Regisseur Ridley Scott schnitt Spacey aus seinem schon fertigen Spielfilm «Alles Geld der Welt» komplett heraus.

In Großbritannien kursiert zurzeit eine Liste mit Namen von Politikern, denen Fehlverhalten gegenüber Frauen vorgeworfen wird. Michael Fallon, ein langjähriger Unterstützer der britischen Premierministerin Thersa May, ist daher kürzlich als britischer Verteidigungsminister zurückgetreten. Mehrere Frauen in Großbritannien hatten auch über sexuelle Belästigungen durch den US-Filmproduzenten Harvey Weinstein berichtet.