Netflix im Q2: 3 Kennzahlen, auf die man achten muss

Alex Langer, Motley Fool beitragender Investmentanalyst

Die Streaming-Plattform Netflix (WKN:552484) hat in jüngerer Vergangenheit einige Quartale abgeliefert, die schlichtweg grandios waren. Damit hat das Unternehmen sowohl die internen Richtlinien des Managements als auch die Analystenschätzungen auf der linken Spur überholt, vor allem, was das Wachstum der Abonnentenzahlen angeht. Infolgedessen ist die Aktie in die Höhe gestiegen und konnte im vergangenen Jahr mit Stand vergangenen Freitag um rund 146 % zulegen. Allerdings erlitt man diese Woche einen kleinen Rückschlag, als das Mitgliederwachstum des Unternehmens im zweiten Quartal mit rund einer Million Mitglieder unter die Prognose des Managements fiel – das ist erste Mal, dass das Mitgliederwachstum unter der Prognose fällt, seit dem ersten Quartal des vergangenen Jahres. Im After-Hour-Handel gingen die Aktien deswegen um rund 14 % zurück.

Während Anleger sich das Update des Unternehmens für das zweite Quartal ansehen und die Auswirkungen des unerwartet schlechten Mitgliederwachstums von Netflix beobachten, sind hier drei Kennzahlen aus dem Einnahmebericht, die jeder Investor kennen sollte.

1. 6,2 Millionen Netto-Neuzugänge weltweit

Das langsamere Mitgliederwachstum hat natürlich Einfluss auf den Aktienwert. In diesem Quartal war klar, dass das Wachstum bei den Streaming-Mitgliedern die wichtigste Messgröße war. Die Kennzahl ist nicht nur ein Schlüsselfaktor für das Umsatzwachstum des Unternehmens, sondern gibt den Investoren auch eine Vorstellung davon, wie gut das Unternehmen seine Mitglieder halten und dazugewinnen kann.

Das Management hat Anfang des Quartals 6,2 Millionen neue Mitglieder vorgegeben – eine Zahl, die im zweiten Quartal noch ein Rekord gewesen wäre. Aber die tatsächlichen Netto-Neuabonnenten beliefen sich bloß auf 5,15 Millionen – das war in etwa das Niveau des Rekords im Vorjahresquartal, als man 5,2 Millionen Mitglieder hinzugewinnen konnte.

Netflix sagte lediglich dazu, dass man sich nach oben verschätzt hätte und erinnerte die Anleger daran, „dass wir in einigen Quartalen über und in anderen Quartalen unter unserer Guidance liegen werden.“ Das Unternehmen gibt also öffentlich keine pessimistischere Schätzung ab, die unter den tatsächlichen Erwartungen liegt, nur damit man diese Zahlen konsequent überbieten kann.

Netflix‘ weltweite Netto-Neuzugänge liegen in drei der letzten zehn Quartale unter den Erwartungen.

2. 650.000 Mitgliederzugänge in den USA

Netflix‘ Mitgliederzahlen in den USA waren besonders niedrig – gegenüber den Erwartungen des Managements. Netflix konnte 650.000 neue Mitglieder in den USA hinzugewinnen – erwartet wurden allerdings 1,2 Millionen Neumitglieder.

Mit 650.000 neuen Mitgliedern verzeichnete Netflix eine deutliche Verlangsamung im Vergleich zu den 1,96 Millionen neuen Mitgliedern im ersten Quartal. Das Management hat jedoch gleich darauf hingewiesen, dass die Netto-Neuzugänge in den USA in der ersten Jahreshälfte sogar leicht über denen des Vorjahres liegen.

3. Eine operative Marge von 11,8 %

Ein weiterer wichtiger Bereich, den es beim Update zu beobachten gilt, ist die operative Marge. Die Kennzahl ist in letzter Zeit erfreulich gewachsen und stieg von Jahr zu Jahr um 232 Basispunkte auf 12 %. Die Erweiterung der operativen Marge von Netflix ist ein wichtiger Beweis für die Skalierbarkeit des Geschäftsmodells von Netflix.

Die operative Marge von Netflix lag im zweiten Quartal bei 11,8 % – ein Plus von 720 Basispunkten gegenüber dem Vorjahr. Das starke Wachstum führte zu einem Anstieg des Betriebsergebnisses um 262 % gegenüber dem Vorjahr. Die operative Marge von 11,8 % ist beeindruckend, da sie trotz des unter den Erwartungen gebliebenen Mitgliederwachstums nahezu der Prognose des Managements für das zweite Quartal von 12 % entspricht.

Natürlich sollte man als Anleger ein Auge auf dem Mitgliederwachstum haben. Aber auch wenn es dieses Mal unter den Erwartungen blieb, bedeutet das nicht, dass Netflix keine gute Aktie mehr ist. Das Unternehmen verzeichnet nach wie vor ein außerordentliches Wachstum, hat einen Umsatzanstieg von 43 % gegenüber dem Vorjahr. Dem Unternehmen geht es wirklicht gut. Wie das Management in seinem Update für das zweite Quartal verlauten ließ, „lagen Ergebnis, Margen und Umsatz im Rahmen der Prognose und weit über dem Vorjahr.“

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The Motley Fool besitzt und empfiehlt Aktien von Netflix.

Dieser Artikel von Daniel Sparks erschien am 16.7.2018 auf Fool.com. Er wurde übersetzt, damit unsere deutschen Leser an der Diskussion teilnehmen können.

Motley Fool Deutschland 2018