Netflix: Neues Jahr, neues Hoch

Nikolas Kessler
Netflix: Jetzt wird es ernst

Die Aktie von Netflix hat ihre jüngste Korrektur beendet und den ersten Handelstag 2018 am Dienstag nach kräftigen Kursgewinnen oberhalb der 200-Dollar-Marke beendet. Auch am heutigen Mittwoch geht es nach US-Handelsstart mit etwas moderaterem Tempo weiter in Richtung Allzeithoch.

Zunächst hatte die US-Investmentbank Citi die zuletzt etwas abgeflauten Übernahmespekulationen neu angefacht. In ihrer Studie beziffern die Analysten Jim Suva und Asiya Merchant die Wahrscheinlichkeit, dass Apple Netflix übernimmt, auf 40 Prozent. Der Grund: Dank der US-Steuerreform könnte Apple seine größtenteils im Ausland lagernden Gewinn nun günstig zurück in die USA holen und hätte damit rund 220 Milliarden Dollar für Zukäufe zur Verfügung.

Da sich Apple seit Jahren schwertue, einen eigenen TV- oder Streaming-Dienst zu entwickeln, könnte es nach Einschätzung der Citi-Analysten Sinn machen, den Streaming-Platzhirschen zu schlucken – zumal Apple nach ihren Berechnungen dazu gerade einmal ein Drittel des gesamten Cash-Berges aufwenden müsste.

„Netflix hat gewonnen“

Kurz darauf legte die australische Investmentbank Macquarie mit einer Hochstufung von „Neutral“ auf „Outperform“ und einer Kurszielerhöhung von 200 auf 220 Dollar nach. Grund dafür seien laut Analyst Tim Nollen aber keine Übernahmespekulationen, sondern der schier uneinholbare Vorsprung auf die Konkurrenz. „In puncto Programmstunden und Qualität der Eigenproduktionen (…) ist Netflix meilenweit voraus und wir erwarten nicht, dass sich daran etwas ändern wird. Netflix hat gewonnen“, so Nollen.

Der Analyst rechnet damit, dass der Anteil der Exklusiv-Produktionen bis 2020 auf 60 Prozent des gesamten Content-Portfolios steigen wird – von geschätzten 25 Prozent im Jahr 2017. Dadurch könne Netflix jährlich zwei Milliarden Dollar an Lizenzgebühren sparen. Neue Abonnenten könne der Streaming-Dienst darüber hinaus durch Distributions-Deals mit Kabelnetzbetreibern und Telekom-Anbietern auf der ganzen Welt sowie durch lokale Eigenproduktionen und Maßnahmen gegen das Teilen von Accounts gewinnen.

Die sinkende Bereitschaft der Verbraucher, beim Fernsehen Werbeunterbrechungen zu akzeptieren, spiele kostenpflichtigen Streaming-Anbietern wie Netflix zusätzlich in die Karten. Dass Disney mit einem eigenen Streaming-Dienst zum Angriff bläst und dafür eigens Teile von 21st Century Fox übernimmt, schreckt Nollen indes nicht ab – schließlich starte der Dienst erst in zwei Jahren und Netflix habe sich schon jetzt eine große und treue Fan- und Abonnentengemeinde aufgebaut.

Aktie bleibt ein Kauf

Während sich die Netflix-Aktie in US-Dollar ihrem bisherigen Allzeithoch bei 202,68 Dollar nähert, müssen sich Anleger hierzulade noch etwas gedulden, ehe auch auf Euro-Basis ein neuer Rekord fällt. Spätestens die Zahlen für das traditionell starke vierte Quartal am 22. Januar könnten aber weitere Impulse liefern. Die Kaufempfehlung des AKTIONÄR mit Kursziel 200 Euro gilt daher weiterhin.