Netflix könnte bis 2022 einen positiven Cashflow erzeugen

Motley Fool Investmentanalyst

Netflix (WKN:552484) hat — seit es begonnen hat, die ursprünglichen Content-Pläne zu erweitern — viel mehr Geld ausgegeben, als es aus seinen Abonnements generiert. Letztes Jahr zum Beispiel hat Netflix etwa 2 Milliarden US-Dollar dafür verbraucht. In diesem Jahr plant das Unternehmen, viel mehr für Content und Marketing auszugeben und erwartet einen negativen freien Cashflow zwischen 3 und 4 Milliarden US-Dollar.

Das Unternehmen finanziert seine Ausgaben durch Fremdkapital — trotz einer relativ schlechten Bonität. Aber das Unternehmen bekam gerade einen schönen Schubs von Moody’s, das Netflix‘ Kreditwürdigkeit auf der Grundlage von Schätzungen, die zeigen, dass das Unternehmen bis 2022 einen positiven Cashflow erzielen wird, erhöht hat.

Und so könnte das Unternehmen den Übergang zu überdimensionalen Gewinnen schaffen.

Das Abonnentenwachstum ist der wichtigste Faktor

Netflix investiert all dieses Geld jetzt in Content und Marketing, weil es sich für ein langfristiges Abonnentenwachstum auszahlen wird. Das Unternehmen zählte Ende 2017 fast 111 Millionen zahlende Streaming-Abonnenten, und Moody’s Analyst Neil Begley erwartet, dass das Unternehmen bis Ende 2021 200 Millionen erreichen wird.

Diese Schätzung geht grundsätzlich davon aus, dass Netflix nach 21,5 Millionen Neukunden im Jahr 2017 keine Verlangsamung des Kundenwachstums erfahren wird. Netflix hat im vergangenen Jahr ein beschleunigtes Nutzerwachstum verzeichnet, obwohl die globale Expansion zu Beginn des letzten Jahres noch nicht abgeschlossen war.

Der größte Teil dieses Wachstums wird von den internationalen Märkten kommen, in denen Netflix noch relativ jung ist. Das Wachstum von Netflix verlangsamt sich in den USA aber nicht wirklich, und das Management erwartet langfristig etwa 60 bis 90 Millionen Abonnenten im Heimatmarkt. Zum Ende des vergangenen Jahres waren es 52,8 Millionen.

Aufgrund der einheitlichen Netflix-Preise in den Ländern ist jeder Abonnent für das Unternehmen relativ gleich viel wert, unabhängig davon, wo er sich befindet — im Gegensatz zu anderen Unternehmen, die ihre Leistungen auf der Grundlage der Volkswirtschaften der einzelnen Märkte bewerten. Auch wenn das Wachstum in den USA stagnieren würde, ist das internationale Wachstum für Netflix genauso viel wert.

Weitere Preiserhöhungen

Die Tarife in den USA erfuhren von 2014 bis 2017 eine Reihe von Preiserhöhungen, die dazu führten, dass der Preis des beliebtesten Abos von monatlich 7,99 US-Dollar auf 10,99 US-Dollar pro Monat stieg. Die Kunden in den fortgeschritteneren internationalen Märkten sahen ähnliche Preiserhöhungen auf der Grundlage ihrer Währungen und Wechselkurse.

Aller Voraussicht nach wird Netflix seine Tarife in den nächsten fünf Jahren weiter anheben. Doch der Preis liegt immer noch weit unter dem von HBO Now und sogar unter dem von Hulu. In Anbetracht der Qualität der Inhalte gibt es für weitere Preiserhöhungen noch Luft nach oben.

Tarifhöhungen bei gleichzeitig anhaltendem Kundenwachstum dürften in den nächsten fünf Jahren zu einem deutlichen Umsatzwachstum führen. Eine Erhöhung der Abonnentenzahl um 80 % (auf ca. 200 Millionen) in Verbindung mit einer Preiserhöhung um 10 % (ca. 1 US-Dollar pro Abonnent) würde zu einer Verdoppelung des Umsatzes führen.

Weniger Ausgaben für Content

Das Wachstum von Netflix‘ Content-Ausgaben verlangsamt sich relativ gesehen. Das Unternehmen gab im vergangenen Jahr 6,4 Milliarden US-Dollar für Inhalte aus, gegenüber 5 Milliarden US-Dollar im Jahr 2016, was einer Steigerung von 28 % entspricht. In diesem Jahr sollen zwischen 7,5 und 8 Milliarden US-Dollar für Content ausgegeben werden, was einem Anstieg von 17 % bis 25 % gegenüber dem Vorjahr entspricht.

Natürlich beinhalten diese Zahlen nur die amortisierten Zahlen, die Netflix verwendet. Die tatsächlichen Barzahlungen sind höher, weil die Schauspieler und Produzenten laufend für ihre Arbeit bezahlt werden müssen. Da die Umstellung von lizenzierten Inhalten auf eigene Inhalte verlangsamt wird, dürfte sich das Wachstum der für Content verwendeten Mittel noch schneller verlangsamen als das Wachstum der Ausgaben für abgeschriebene Inhalte.

Im Aktionärsbrief zum vierten Quartal schrieb das Management: „Wir erhöhen die operativen Margen und erwarten, dass in Zukunft eine Kombination aus steigenden operativen Gewinnen und einer Verlangsamung des Wachstums der Ausgaben für Originalinhalte unser Geschäft [freien Cashflow] positiv beeinflussen wird“. Das Unternehmen wird diesen Plan mit Sicherheit umsetzen.

Ob Netflix‘ Cashflow 2022 (oder früher) positiv wird, hängt weitgehend davon ab, wie effektiv die erhöhten Ausgaben für Content und Marketing sind. Solange sich die Investitionen von Netflix in das Kundenwachstum auszahlen und es dem Unternehmen ermöglichen, die Preise weiter zu erhöhen, könnte Netflix seine Ausgaben weiter erhöhen. Das würde die Entwicklung eines positiven Cashflows zwar verzögern, aber letztendlich dazu führen, dass auf lange Sicht mehr Geld einfließt.

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The Motley Fool besitzt und empfiehlt Aktien von Moody's und Netflix.

Dieser Artikel wurde von Adam Levy auf Englisch verfasst und am 17.04.2018 auf Fool.com veröffentlicht. Er wurde übersetzt, damit unsere deutschen Leser an der Diskussion teilnehmen können.

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