Netflix-Film “Roma“: Diese persönliche Geschichte steckt hinter der Nanny

Antonia Wallner
Freie Autorin

Sonntagabend ist es soweit: In Los Angeles werden die 91. Oscars verliehen. Ein Favorit für den begehrten Titel “Bester Film“ ist die Netflix-Produktion “Roma“ über ein mexikanisches Kindermädchen. Regisseur Alfonso Cuarón verarbeitet in dem Schwarz-Weiß-Film seine eigene Kindheit.

Die Hausangestellte Cleo kümmert sich im Film “Roma“ um Kinder und Haushalt einer mexikanischen Mittelklasse-Familie. (Bild: ddp)

In “Roma“ geht es um den Alltag der indigenen Hausangestellten Cleo Gutiérrez, die in Mexico City für eine gut situierte weiße Mittelklasse-Familie arbeitet. Als Inspiration für den Charakter der Cleo diente Cuarón seine eigene Nanny Liboria “Libo” Rodriguez, die ihn in seiner Kindheit betreute und zur Familie kam, als er gerade neun Monate alt war.

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“Libo hatte, wie so viele Hausangestellte damals, Aufgaben, die über einen normalen Job weit hinausgingen und eigentlich von den Eltern erfüllt werden sollten“, meinte Cuarón im Interview gegenüber “Variety“.

Zeitreise durch die eigene Kindheit

“Roma“ sei für ihn eine Zeitreise durch das Labyrinth seiner Erinnerungen gewesen, meinte der Regisseur gegenüber “IndieWire“. Die Charaktere würden im echten Leben existieren und wären Menschen, die er sehr lieben würde. “90 Prozent der Szenen im Film kommen aus meinem Gedächtnis,“ beteuert Cuarón.

“Roma“ ist für 10 Oscars nominiert, darunter in der begehrten Kategorie “Bester Film“. (Bild: ddp)

Für Cuarón ist sein Film eine Illustration seiner “Schuld gegenüber sozialer Dynamik, Klassendynamik und Rassendynamik.“ Als Kind hätte er wie in einer Blase gelebt und eben das geglaubt, was seine Eltern ihm über weniger privilegierte Menschen erzählt hätten. Er erinnerte sich etwa daran, wie seine Nanny die vielen Momente aufgezählt hatte, in denen sie fror oder Hunger hatte. Oder auch, wie sie von den “Hexern“ berichtete, die in ihr Dorf kamen, wenn sie krank war. Für den Regisseur waren das damals lediglich Geschichten.

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“Man hat eine sehr utilitaristische Beziehung mit seinen Lieben. Man hat Angst innezuhalten und mit ihren Schwächen konfrontiert zu werden. Aber es begann mir irgendwann zu dämmern, dass Libo ein anderes Leben hatte“, erzählte der Regisseur “Variety“.

Regisseur Alfonso Cuarón bekam viel Lob und viele Auszeichnungen für seinen Film “Roma“. (Bild: Getty Images)

Sprache der Ureinwohner zeigt die Vielfalt Mexikos

Dieser Kontrast kommt im Film in der Szene heraus, als Cleo mit einer anderen Hausangestellten Mixtekisch spricht, die Sprache der Mixteken, einem Stamm mexikanischer Ureinwohner aus dem Bundesstaat Oaxaca. Schauspielerin Yalitza Aparicio, die im Film die Cleo spielt, erzählte in einem Interview mit “Vox“, dass sie, obwohl selbst Ureinwohnerin, die Sprache erst lernen musste: “Mir wurde klar, dass dies eine großartige Gelegenheit war, Mixtekisch der Welt zu präsentieren – und so nicht nur die kulturelle, sondern auch die sprachliche Vielfalt Mexikos zu zeigen“.

“Roma“ wurde bisher mit zahlreichen Preisen überhäuft. Darunter zwei Golden Globes und vier BAFTA Awards. Nominiert ist der Film für insgesamt 10 Oscars.

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