Netflix’ Deal mit Nickelodeon sieht verzweifelt aus

Rich Duprey

Der neue Streaming-Service Disney+ war gerade erst gestartet, als Netflix (WKN: 552484) schon auf diesen reagierte und einen Deal mit dem Kinderfernsehsender Nickelodeon ankündigte. Der Deal wird sowohl animierte Originalinhalte auf Grundlage der schon vorhandenen Charaktere als auch neue Charaktere produzieren, die speziell für die Plattform entwickelt wurden.

Obwohl solche Partnerschaften Zeit brauchen, um ausgehandelt zu werden, und diese schon eine Weile in Arbeit war, ist klar, dass Netflix verzweifelt versucht, Disneys Debüt zu schaden, indem man eigene Programme anbietet, die Kinder anziehen sollen. Netflix’ Ankündigung nur wenige Tage nachdem Disney+ mit über 10 Millionen Abonnenten gestartet ist, deutet darauf hin, dass Netflix ein wenig vom Rampenlicht abgreifen wollte, das hell auf seinen Konkurrenten strahlte.

Auch wenn SpongeBob SquarePants und Invader Zim zweifellos Legionen jugendlicher Fans haben, werden die Charaktere die Begeisterung, die Disney+ rund um die Veröffentlichung seiner Live-Action-Star-Wars-Serie The Mandalorian erzeugt, nicht abschwächen.

Der zu erwartende Konflikt

Netflix plante lange Zeit für den Fall, dass sich seine Filmpartner eines Tages selbstständig verzweigen und ihre Inhalte aus dem Dienst nehmen. Deshalb investierte man Dutzende von Milliarden Dollar in Originalinhalte, insbesondere in Kinderprogramme.

Als Disney bekanntgab, dass es Franchiseunternehmen wie Marvel, Star Wars, Toy Story und Frozen von Netflix abziehen würden, hatte die Streaming-Plattform bereits rund 60 Kindershows selbst produziert.
Und Netflix ist nicht allein mit der Angst, gegen den 800 Pfund schweren Gorilla der Kinderprogramme antreten zu müssen. AT&T’s WarnerMedia hat zum Beispiel kürzlich angekündigt, dass HBO Max eine Partnerschaft mit der Sesamstraße eingehen werde, um mehr als 4.500 Episoden aus der 50-jährigen Geschichte der legendären Show zu streamen.

Aber Disney+ hat seine eigenen Vorteile, etwa die Möglichkeit, Programmpakete mit dem Disney-eigenen Hulu und ESPN+ anzubieten, die werbefinanziert sind und helfen können, die Kosten für die werbefreien Angebote von Disney+ zu tragen.

Der Versuch, relevant zu bleiben

Netflix’ neuer Deal mit Nickelodeon sieht nicht nur neue TV-Shows vor, die auf den beliebtesten Charakteren des Senders basieren, sondern auch abendfüllende Filme. Die „New York Times“ berichtet, dass es sich dabei sogar um ein Musical handelt, das auf dem SpongeBob-Charakter Squidward beruht.

Netflix macht sich offensichtlich Sorgen darüber, dass Eltern von seiner Plattform abwandern, um die Wünsche ihrer Sprösslinge nach Inhalten zu erfüllen. Anfangs sollte es jedoch noch keine Auswirkungen durch den Start von Disney+ geben, da die Zuschauer sehen wollen, ob sich der neue Service lohnt.

Viele Nutzer haben eine jahrzehntelange Beziehung zu Netflix, die nicht leicht zu trennen ist, auch nicht, wenn der Service die Preise im Lauf der Jahre erhöht hat. Aber es ist auch wahr, dass sich Beschwerden über die Qualität von Netflix’ Originalinhalten häufen, die es produziert, um die verlorenen Inhalte zu ersetzen, da der Streaming-Service die Quantität priorisiert hat. Netflix braucht also diese Partnerschaft mit Nickelodeon, um zu funktionieren.

Das Bezahlen von Inhalten

Es gibt eine Reihe von Shows in Nickelodeons Bibliothek, die eine neue Generation von Kindern zweifellos gerne sehen würde, wie Blues Clues, Rugrats und Teenage Mutant Ninja Turtles, deren Neustart der Sender zuvor angekündigt hatte. Nickelodeon hatte bereits im März 2018 gesagt, dass man 800 neue Episoden produzieren werde.

Nickelodeon ist im Besitz von Viacom (WKN: A0HM1Q), das mit CBS fusioniert, welches CBS-All-Access- und Showtime-On-Demand-Programme anbietet; und Viacom selbst bietet Pluto TV, einen Live-TV-Dienst mit rund 18 Millionen aktiven Nutzern. Es ist daher merkwürdig, dass Nickelodeon sich für eine Partnerschaft mit Netflix entschieden hat, anstatt seine Shows exklusiv für sich zu behalten. Es bedeutet wahrscheinlich, dass Netflix bereit war, für die neue Programmgestaltung gut zu bezahlen, ein Zeichen dafür, dass es verzweifelt versucht, im Kinderfernsehen relevant zu bleiben.

Der Bereich der Streaming-Services ist schon überfüllt und wird immer voller, was bedeutet, dass Netflix wahrscheinlich weitere solch große Partnerschaftsverträge mit anderen Studios abschließen wird, um Kundenabwanderungen entgegenzuwirken.

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Rich Duprey besitzt keine der genannten Aktien. The Motley Fool empfiehlt und besitzt Aktien von Netflix. 

Dieser Artikel wurde von Rich Duprey auf Englisch verfasst und am 21.11.2019 auf Fool.com veröffentlicht. Er wurde übersetzt, damit unsere deutschen Leser an der Diskussion teilnehmen können.

Motley Fool Deutschland 2019