Netflix-Aktie: Deshalb sehe ich den Absturz als Chance

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Netflix-Aktie Chance nach Absturz
Netflix-Aktie Chance nach Absturz

Die Netflix-Aktie (WKN: 552484) verzeichnete nach den zuletzt präsentierten Quartalszahlen einen brachialen Absturz. Viele Privatanleger bekommen nun berechtigterweise schwitzige Hände, immerhin war der Streaming-Gigant in den letzten Jahren so was wie ein Garant für einen steigenden Kurs. Erschwerend kommt hinzu, dass viele Analysten sich zunehmend kritisch zu der zukünftigen Entwicklung des Unternehmens äußern.

Ich persönlich habe die frischen Ergebnisse erst etwas sacken lassen und mir entsprechende Gedanken zu der aktuellen Situation gemacht. Nachfolgend möchte ich darauf eingehen, weshalb ich den Absturz der Netflix-Aktie als Chance für langfristige Anleger sehe.

Netflix-Aktie: Quartalszahlen im Überblick

Bevor wir über die mögliche Zukunft des Medienhauses sprechen, werfen wir einen Blick auf die harten Fakten.

  • Der Umsatz im ersten Quartal 2022 konnte um Jahresvergleich um 9,8 % auf 7.868 Mio. US-Dollar gesteigert werden.

  • Das operative Ergebnis (EBIT) fiel mit 1.972 Mio. US-Dollar und einer Marge von 25,1 % gut aus.

  • Bei den bezahlten Mitgliedschaften konnte man im Vergleich zum Vorjahr um 6,7 % wachsen, aber verlor gegenüber dem Vorquartal 200.000 Abonnenten. Gegenwärtig zahlen 221,64 Mio. Menschen für das Netflix-Abo.

  • Das verwässerte Ergebnis je Aktie lag bei 3,53 US-Dollar. Mit einem freien Cashflow in Höhe von 802 Mio. US-Dollar war Netflix im abgelaufenen Quartal profitabel unterwegs.

Aufgrund der progressiven Bewertung der Netflix-Aktie ist der Grund für den Crash schnell gefunden: Der Markt befürchtet, dass das Wachstum vom Streaming-Dienstleister in Zukunft sich verlangsamen beziehungsweise stagnieren wird. Diese Befürchtung wurde von der Prognose des Managements für das zweite Quartal 2022 unterstrichen, denn es wird der Verlust von weiteren 2 Mio. zahlenden Abonnenten vorausgesagt.

In der Bewertung der Netflix-Aktie waren viele Hoffnungen eingepreist, die vor allem durch die für das Unternehmen zwei starken Corona-Jahre sehr beflügelt wurden. Diese Erwartungen wurden nun von der Realität eingeholt, woraufhin der Absturz der Netflix-Aktie die einzig folgerichtige Reaktion ist.

Ein Blick in die langfristige Zukunft

Eine solche Schock-Reaktion des Marktes bezieht sich jedoch oftmals auf die naheliegende Zukunft. Für uns langfristige Investoren ist der langfristige Blickwinkel entscheidend. Sofern langfristiges Potenzial vorhanden ist, kann eine solche kurzfristige Übertreibung nach unten eine echte Chance bedeuten.

Die wohl bedeutendste Chance, die das Unternehmen nun auch für sich nutzen möchte, liegt bei den sogenannten Schattennutzern. Laut Management gibt es weltweit 100 Mio. Personen, die den Streamingdienst nutzen, ohne dafür zu bezahlen. Das sind fast halb so viele Menschen, wie es zahlende Abonnenten gibt. Es steht außer Frage, dass damit ein enormes Umsatzpotenzial vorhanden ist.

Netflix möchte das jahrelang geduldete Account-Sharing nun allmählich beenden. In meiner sehr konservativen Annahme gehe ich davon aus, dass Netflix mittelfristig 33 Mio. dieser Menschen in zahlende Kunden verwandeln kann. Zudem gehe ich davon aus, dass ein solcher „Neukunde“ im Quartal im Schnitt nur 10 US-Dollar ausgibt. Zum Vergleich: Im Durchschnitt zahlt ein Kunde aktuell 35 US-Dollar im Quartal für den Dienst. In der Folge könnte das Unternehmen so pro Quartal 330 Mio. US-Dollar mehr einnehmen.

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Ich habe bewusst sehr konservative Annahmen getätigt, um Raum für positive Überraschungen zu lassen. In meinen Augen ist es durchaus realistisch, dass Netflix mittel- bis langfristig wesentlich mehr als 33 Mio. Menschen dazu bringt, für die Nutzung zu bezahlen. Ebenfalls dürften im Durchschnitt pro Quartal höhere Umsätze erzielt werden.

Hinzu kommen noch ganz andere Wachstumsmöglichkeiten wie beispielsweise durch die Gewinnung von Nutzern in Schwellenländern, Umsatzsteigerungen durch ein werbefinanziertes Modell oder auch Zuwachs bei den Abonnenten aufgrund des Gaming-Angebots.

Mit Sicherheit wird die Netflix-Aktie weiterhin volatil bleiben. Einen weiteren Kursrutsch nach unten halte ich für realistisch, da sich möglicherweise der Boden nach den enttäuschten Erwartungen noch nicht gebildet hat.

Allerdings ist es immer schwierig vorauszusagen, wann dies der Fall sein wird. Daher halte ich es für eine gute Idee, sich die Aktie von Netflix genauer anzusehen. So könnte man zum Beispiel eine kleine Position aufbauen und bei Bedarf aufstocken. Unterm Strich halte ich die Netflix-Aktie nach wie vor für eine gute langfristige Investitionschance.

Der Artikel Netflix-Aktie: Deshalb sehe ich den Absturz als Chance ist zuerst erschienen auf The Motley Fool Deutschland.

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Caio Reimertshofer besitzt Aktien von Netflix. The Motley Fool besitzt und empfiehlt Aktien von Netlifx.

Motley Fool Deutschland 2022

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