Netflix – das Abo-Paradebeispiel

Nikolas Kessler
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Netflix – das Abo-Paradebeispiel

Innerhalb von 20 Jahren hat Netflix die mächtige TV- und Entertainmentindustrie auf den Kopf gestellt. Zu verdanken ist das einer mutigen Content-Strategie und einem genialen Abo-Modell.

Im Jahr 2000 stand Reed Hastings, Gründer von Netflix, im Büro von John Antioco, CEO der Videothek-Kette Blockbuster. Im Gepäck der Vorschlag für eine Kooperation beider Unternehmen. Alternativ hätte er Netflix für 50 Millionen Dollar auch verkauft. Der Legende nach soll er daraufhin unter schallendem Gelächter vom Hof gejagt worden sein. Knapp zehn Jahre später war Blockbuster pleite, zerstört von Netflix.

Gestartet als Online-Videothek, die Leih-DVDs per Abo kreuz und quer durch die USA verschickt, war das Unternehmen im Jahr 2007 ins Video-on-Demand-Geschäft eingestiegen und macht seine Inhalte den Abonnenten seitdem per Online-Streaming zugänglich – der Beginn einer unfassbaren Erfolgsgeschichte: Rund 20 Jahre nach Unternehmensgründung hat Netflix 125 Millionen Abonnenten auf der ganzen Welt und ist an der Börse rund 140 Milliarden Dollar wert. Selbst Schwergewichte der TV- und Unterhaltungsindustrie zittern inzwischen vor dem einst belächelten Konkurrenten.

 

Kompromissloses Wachstum

Netflix ist zum Synonym für das Fernsehen via Internet geworden, für viele ist es aus dem Alltag nicht mehr wegzudenken. In den USA gibt es seit dem letzten Jahr mehr Netflix-Abos als Kabel-TV-Anschlüsse. Zudem hat Netflix mit der Tradition gebrochen, Woche für Woche nur eine Folge einer Serie zu veröffentlichen, sondern stellt ganze Staffeln auf einmal online – und hat so das Phänomen des „Binge-Watching“ geprägt.

Kern des Erfolgs ist eine mutige Content-Strategie: Das Unternehmen gibt traditionell hohe Summen für exklusive Serien und Filme aus, alleine 2018 sollen es bis zu acht Milliarden Dollar sein, über die Hälfte des Jahresumsatzes. Gleichzeitig halten sich die Preise mit rund elf Dollar beziehungsweise Euro pro Monat für das Standard-Abo im Rahmen. Die Abwanderungsquote (churn rate) ist trotz wiederholter Preisanhebungen und kurzer Kündigungsfristen im Branchenvergleich äußerst gering. Netflix hat einfach Suchtpotenzial – auch für Investoren.

So geht Abo!

Netflix ist das Paradebeispiel, wie Abos im Internetzeitalter funktionieren. Mit einer starken Marke, der Content-Bibliothek und dem reichen Datenschatz ist das Unternehmen hervorragend aufgestellt – und ein potenzielles Übernahmeziel. Top!

Dieser Artikel ist in Ausgabe 20/2018 des AKTIONÄR erschienen.