Nervenklinik beteiligt sich mit eigenem Umzug am Karneval von Rio

Der gehörnte Bürgermeister stammt von einem Patienten

In der brasilianischen Karnevalshochburg Rio de Janeiro haben Insassen einer Nervenklinik den Begriff der "närrischen Zeit" wörtlich genommen: Ihr Straßenumzug unter dem Motto "Loucura suburbana" (Der Irrsinn der Vorstädte) durch das Arbeiterviertel Engeno de Dentro zog am Donnerstagabend rund 1500 Gäste an. Die farbenfrohe Parade startete im Inneren der altehrwürdigen städtischen Anstalt Nise de Silveira und zog dann durch die Straßen des knapp zwei Kilometer vom Olympiastadion entfernten Viertels.

"Dieser Umzug ist Teil meines Lebens, er zeigt, dass auch Verrückte glücklich sein und Spaß haben können", sagte der 42-jährige Schizophrenie-Patient André Poesia, der seit Jahren zu den Sängern der Parade gehört. Seine handwerklich geschickteren Mitpatienten haben unterdessen genügend Kostüme fabriziert, um sie auch an alle ausleihen zu können, die mitfeiern wollten.

Eine den Umzug überragende Figur des umstrittenen Bürgermeisters von Rio, Marcelo Crivella, wurde ebenfalls von einem Patienten gestaltet. Marcio Inacio, der unter Depressionen leidet, hatte die frevelhafte Idee, dem evangelikalen Bürgermeister und Karnevalsfeind rote Teufelshörner aufzusetzen. Mit seiner Karikatur kritisiert der 49-jährige Inacio auch die heftigen Budgeteinschnitte bei den Gesundheistdiensten der Stadt. Sie trafen auch "Loucura Suburba": Die Parade musste dieses Jahr gänzlich ohne Subventionen auskommen.