Nervengas-Anschlag: Wie deutsche Medien und Politiker Putin auf den Leim gehen

Boris Reitschuster
Russlands Präsident: Wladimir Putin

Es ist eine erstaunliche Wende: Im Fall des Giftanschlags im englischen Salisbury ist Russlands Präsident Wladimir Putin in den vergangenen Tagen vom Angeklagten zum Ankläger geworden.

► Und deutsche Medien und Politiker haben daran einen gehörigen Anteil.

Denn während Sergej Skripal in Großbritannien noch um sein Leben rang, stimmten Moskaus Fürsprecher unisono das gleiche Lied an wie bei fast jedem Mord, Angriff oder Menschenrechtsverstoß, der im Kreml seinen Ursprung hat: Es fehle an Beweisen.

Und überhaupt: Putin ist Opfer, nicht Täter. Man müsse ihm endlich entgegenkommen.

Putin-Propaganda im öffentlich-rechtlichen TV

So verbreitet ist dieser Tenor in vielen deutschen Medien, vor allem den öffentlich-rechtlichen, dass Kritiker schon von einer “Schutzkampagne” für Putin und sein System sprechen.

Beispiel Phoenix-Runde zum Giftgasanschlag Mitte März: Dort gab es ein Verhältnis zwei zu eins von Putin-Propagandisten und kritischer Stimme.

Ivan Rodionov, Chef des russischen Propagandaportals RT (ehemals Russia Today) in Deutschland, ist ein Dauergast in den öffentlich-rechtlichen Talkshows – und durfte auch bei Phoenix die Verschwörungstheorien des Kremls verbreiten.

Oft wird Rodionov als „Journalist“ vorgestellt – ein Etikettenschwindel für jemanden, der Teil eines staatlichen Propaganda-Apparates ist. Assistiert wurde Radionov in der Phoenix-Runde von Putins Hof-BiographenHupert Seipel.

Warum zwei Kreml-Verteidiger in der Talkshow zu Wort kamen, aber nicht etwa ein Kreml-Opfer, wie die Witwe des 2006 in London mit dem radioaktiven Polonium vergifteten, abtrünnigen Alexander Litwinenko, ist eines der vielen Rätsel, die die Berichterstattung zu Russland in unserem Lande und vor allem bei den öffentlich-rechtlichen Sendern aufgibt.

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